Er ist kein Bürokrat. Das hat er nie behauptet. Gregory Bovino verbrachte dreißig Jahre bei der U.S. Border Patrol, bevor er ins Zentrum der ambitioniertesten Einwanderungspolitik der jüngeren amerikanischen Geschichte katapultiert wurde. Er leitete einige der öffentlichkeitswirksamsten Inlandsoperationen der Trump-Ära in Städten wie Los Angeles, Chicago, Charlotte und New Orleans. Als Absolvent des National War College ist er sowohl Theoretiker als auch Mann der Praxis und gehört zu den seltenen Persönlichkeiten, die Taktik und Strategie im nationalen Maßstab gleichzeitig durchdenken können. FREILICH traf ihn zu einem offenen Gespräch über das, was Amerika gerade durchlebt hat, und darüber, welche Schlüsse Europa daraus ziehen sollte.
FREILICH: Herr Bovino, wie wird ein Einsatzleiter innerhalb weniger Monate zum sichtbaren und umstrittensten Gesicht der amerikanischen Einwanderungspolitik?
Gregory Bovino: Sobald wegweisende strategische Konzepte oder solche, die lange in Vergessenheit geraten waren, auf nationaler oder internationaler Ebene umgesetzt werden, ziehen sie unweigerlich Aufmerksamkeit auf sich. Normalerweise übernimmt die Agenturführung die Rolle des Sprechers für die Operationen und überlässt der Einsatzleitung die operative Umsetzung. Gelegentlich zwingen jedoch außergewöhnliche Umstände einen Einsatzleiter dazu, sowohl die operativen als auch die strategischen, also öffentlichkeitswirksamen Elemente einer Operation zu verantworten, wie die Geschichte vielfach belegt. Zu denken ist hier an General Erwin Rommel in Deutschland, den ersten Direktor des FBI, J. Edgar Hoover, den US-General George Patton oder Lawrence von Arabien.
Jeder von ihnen vereinte einzigartiges Fachwissen mit einer außergewöhnlichen Konstellation von Umständen, die die traditionelle öffentliche Hierarchie auf den Kopf stellte. Sie waren vielleicht die Einzigen, die das öffentliche Gesicht ihrer jeweiligen Situation sein konnten und sollten. Durch Notwendigkeit und persönliche Expertise fesselten sie die Vorstellungskraft der Öffentlichkeit, während sie wirksame Operationen auf strategischer Ebene durchführten. Sie verstanden die Strategie hinter der Gesamtlage, während andere in Regierung und Politik dazu nicht in der Lage waren oder es nicht wollten. Strategische Expertise, gepaart mit Führung vor Ort, insbesondere bei chaotischen, öffentlichkeitswirksamen Ereignissen, ist einmalig. Deshalb ist es ein besonderes Erlebnis, wenn sich dieses Phänomen vor den eigenen Augen entfaltet.
Warum fehlte diese strategische Fähigkeit Ihrer Ansicht nach gerade in den zuständigen Behörden?
Betrachten wir die landesweite Operation in den Vereinigten Staaten. Innerhalb von Customs and Border Protection (CBP) und dem Department of Homeland Security (DHS) gab es keine Führung mit dem erforderlichen Fachwissen, um eine großangelegte, extrem öffentlichkeitswirksame Operation in dem für den Erfolg notwendigen Ausmaß durchzuführen – mit einer einzigen Ausnahme: einem Border-Patrol-Sektor. Der Border-Patrol-Sektor El Centro, den ich fünf Jahre lang geleitet hatte, war bereits versiert in der Strafverfolgung im Landesinneren. Am 29. Juli 2010 hatte ich mit der Operation „Don't Let ’Em Ride“ in Las Vegas, Nevada, die erste echte Inlandsdurchsetzungsoperation der Nation seit Jahrzehnten durchgeführt. Danach verbrachte ich zwei Jahre damit, Inlandsoperationen als Chief Patrol Agent des New-Orleans-Sektors zu verfeinern. Dabei nahmen wir illegale Einwanderer und Schmuggelnetzwerke in ganz Louisiana, Alabama, Osttexas, Mississippi und Arkansas ins Visier. Das Fachwissen war im Sektor El Centro zweifellos vorhanden.
Überdies arbeitete ich fünf Jahre lang mit dem hervorragenden Personal des Sektors El Centro zusammen, um eine Inlandsdurchsetzungsstrategie zu entwickeln, mit der sich Dutzende Millionen illegaler Einwanderer aus dem Landesinneren abschieben ließen. In El Centro hielten wir während der Pandemie unsere Grenze unter Kontrolle. Da unser Sektor der einzige war, der sowohl während der Pandemie als auch während der katastrophalen „Biden-Jahre“ der offenen Grenze unter echter operativer Kontrolle stand, konnten wir eine langfristig tragfähige Inlandsdurchsetzungsstrategie entwickeln. Als die Inlandsdurchsetzungsoperationen im Januar 2025 in Bakersfield, Kalifornien, unter der Regierung von Joe Biden ernsthaft begannen, war die Führung von CBP und DHS auf die Inlandsdurchsetzung kläglich unvorbereitet und wollte damit nichts zu tun haben.
Als wir einige Monate später Los Angeles ins Visier nahmen, hatten die beiden Einwanderungsfachleute, CBP-Kommissar Rodney Scott und „Border Czar“ Tom Homan, nicht nur keinerlei Erfahrung mit der lückenlosen Durchsetzung des Einwanderungsrechts, sondern weigerten sich auch, während der Operationen für die Behörde zu sprechen. Ihre Zurückhaltung setzte jene außergewöhnliche Konstellation von Umständen in Gang, die oben beschrieben wurde. Ich habe weder beantragt noch angestrebt, das öffentliche Gesicht der Operation zu sein. Dennoch kann es für diese Art von Operation nur eines geben. Die Verantwortung fiel mir zu.
War das für Sie eher eine Last oder die logische Konsequenz Ihrer bisherigen Laufbahn?
Obwohl ich Einsatzleiter war, bildet die U.S. Border Patrol in ihren Führungsrängen Strategen aus, die jederzeit für höhere Aufgaben herangezogen werden können. Glücklicherweise schickte mich die U.S. Border Patrol 2008 auf Betreiben der inzwischen pensionierten Chief Patrol Agents Paul Beeson und Steven Pastor an die weltbeste Strategieschule, das National War College, um Strategieentwicklung zu erlernen und, was noch wichtiger ist, in die Operationen der Border Patrol einfließen zu lassen. In eine nationale Operation einzigartiger Art hineingezogen zu werden, war für mich das Normalste der Welt, denn ich hatte mich jahrelang darauf vorbereitet.
Man darf auch nicht vergessen, dass die U.S. Border Patrol bereits in Spitzenoperationen eingebunden ist, die jederzeit ins nationale Rampenlicht geraten können. Die landesweite Operation unterschied sich daher nicht so sehr von dem, was ich bereits dreißig Jahre lang getan hatte. Für Rodney Scott und Tom Homans war es anders, für jene Bürokraten des Status quo. Für erfahrene Border-Patrol-Führungskräfte wie Chief Mike Banks, Chief Jason Owens oder mich war es jedoch nicht anders.
Welche Operation repräsentiert Ihren Ansatz am besten?
Die Operation „Catahoula Crunch“. Diese reibungslose und effektive Operation umfasste den Zeitraum von Ende November bis Anfang Januar 2025/26 und verlief mit nur einem einzigen Gewaltvorfall während des gesamten Zeitraums. An der Operation waren 250 Border-Patrol-Agenten und ICE-Spezialoperationsagenten beteiligt, um die illegale Einwanderung im gesamten Großraum New Orleans vollständig zum Erliegen zu bringen. Ganze Gemeinschaften illegaler Einwanderer verließen die Stadt entweder freiwillig oder zogen in andere Bundesstaaten um. Die Border-Patrol-Agenten arbeiteten dabei Seite an Seite mit staatlichen, lokalen und Bundesbehörden, um sowohl die Kriminalität zu senken als auch die illegale Einwanderung in New Orleans zu stoppen. Border-Patrol-Agenten fuhren gemeinsam mit lokalen Polizeibehörden Streife, um die höchstmögliche Durchsetzungskraft zu entfalten.
Kein illegaler Einwanderer war sicher und radikale anarchistische Gruppen wagten es nicht, in Louisiana Fuß zu fassen. Die Unterstützung reichte von Präsident Trump und Gouverneur Landry über Sekretärin Noem (Kristi, Anm. d. Red.) bis zu den Agenten der Grenzschutzbehörde vor Ort. Durch die Möglichkeit, die Durchsetzung des Einwanderungsrechts im großen Maßstab weitgehend ungehindert durchzuführen, stellten sich sofort Ergebnisse ein. Catahoula Crunch war den amerikanischen Medien unbequem, weshalb Sie nie von seinem Erfolg hörten. Genau das wollten wir in allen Bundesstaaten erreichen. Der Kontrast zu von Demokraten regierten Bundesstaaten wie Minnesota, Illinois oder Kalifornien war dramatisch. Wieder gab es keinerlei Berichterstattung über den Erfolg von Catahoula Crunch, weil er zu durchschlagend war. Man hätte meinen können, dass die Vertreter des Status quo, Scott und Homan, Catahoula Crunch unterstützt hätten. Sie blieben jedoch teilnahmslos und hartnäckig schweigsam.
Ich möchte noch gerne eine wichtige Unterscheidung machen.
Bitte!
Es besteht ein Unterschied zwischen dem ICE und der Border Patrol. Die ICE ist eine zivile Fahndereinheit, die langfristige oder gezielte Operationen gegen verschiedene Kriminelle durchführt. Die Border Patrol ist hingegen der uniformierte Zweig der Durchsetzung des Einwanderungsrechts. Sie verfügt über die entsprechende Ausbildung, das Fachwissen, die Ausrüstung und vor allem die Mentalität, um das Einwanderungsrecht lückenlos durchzusetzen.
Die oft als das „Marine Corps der Bundesstrafverfolgung“ bezeichnete U.S. Border Patrol kann überall in den Vereinigten Staaten und den zugehörigen Territorien operieren und alle Aufgaben der Durchsetzung des Einwanderungsrechts gleichzeitig erfüllen (Streifenfahrten, Spezialoperationen, Zielerfassung, Nachrichtendienst, Verkehrskontrollen, Fußpatrouillen, Gebietspatrouillen usw.). Ihre Struktur ist auf Durchsetzung und Patrouille ausgerichtet. Sie ist die einzige Organisation, die in der Lage ist, diese Art von Operationen zu planen und durchzuführen. Das Debakel von Newark in New Jersey ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn unausgebildete Zivilfahnder in eine Situation geschickt werden, die am besten von uniformierten Spezialisten gehandhabt wird.
Was ändert sich operativ, wenn man von einem kooperativen Bundesstaat wie Louisiana in einen feindseligen wie Chicago oder Minneapolis wechselt?
Damit möchte ich nicht sagen, dass die Operationen in Sanctuary-Städten und -Bundesstaaten verdeckt oder eingestellt wurden. Das waren sie nicht. Die Operationen nahmen lediglich eine andere Färbung an. In Los Angeles und Chicago unterdrückte die Border Patrol großflächige Gewalt innerhalb der ersten Stunden oder Tage der Operationen. In Los Angeles begann der Paramount-Aufstand weniger als eine Stunde nach Eintreffen der Border Patrol. Nach diesem Aufstand gab es bis zur Kapitulation in Minnesota keinen organisierten Widerstand im großen Maßstab gegen Bundesbeamte oder -einrichtungen mehr. Dasselbe gilt für Illinois. Sobald die Border Patrol in Illinois das ICE ablöste, kam der organisierte Widerstand zum Erliegen. Es gab zwar einzelne Gewaltvorfälle, aber große organisierte Gruppen von Anarchisten, die etwa auf Bundesgebäude oder Gerichte marschierten, blieben aus.
Die Fähigkeit, großflächige Gewalt zu schwächen, abzuschrecken und zu verhindern, ist das Markenzeichen der lückenlosen Durchsetzung des Einwanderungsrechts durch die Border Patrol. Sie ist seit 102 Jahren Teil unserer Expeditionsausrichtung. Als James Meredith 1962 die Mississippi State University betrat, wurde die Border Patrol beispielsweise bei einem äußerst gewalttätigen Ereignis zur Unterstützung der U.S. Marshals herangezogen. Dasselbe gilt für alle betroffenen Städte: Die Border Patrol operiert seit ihrer Gründung in jedem Augenblick in nicht permissiven Umgebungen.
Wo lagen aus Ihrer Sicht die entscheidenden Fehler in Minnesota?
Bürokraten des Status quo wie Scott und Homan haben dieses Konzept nie verstanden. In Minnesota trafen sie folglich fatale Entscheidungen, die zu schlechten Ergebnissen führten. Hätte die Border Patrol von Anfang an das Kommando in Minnesota gehabt, wäre kein organisierter Widerstand aufgetreten und möglicherweise hätten sich mehr Menschenleben retten lassen, wie es zweifellos in Bakersfield, Los Angeles, Sacramento, Riverside, Chicago, Charlotte, New Orleans und den umliegenden Bezirken der Fall war. Für unsere Freunde in Europa: Minnesota war die am wenigsten gewalttätige Stadt – abgesehen von New Orleans. Die Operation Metro Surge hatte schlicht keine Führung oder Präsenz der Border Patrol zum entscheidenden Zeitpunkt, nämlich zu Beginn der Operation. Warum lässt man seine Stammelf beim entscheidenden Spiel auf der Bank? Wahnsinn oder Inkompetenz – oder beides?
Wie tragen antifaschistische Gruppen dazu bei, dass sich ICE-Operationen in gewaltsame Konfrontationen verwandeln?
Es gibt keine antifaschistischen Gruppen. Ich nenne sie profaschistische Gruppen, denn sie haben weit mehr mit dem Faschismus gemein als die Organisationen, gegen die sie angeblich protestieren. Profaschistische Gruppen sind gut finanziert und versuchen, sich zu organisieren, um Strafverfolgungsbeamte aufzuhalten, zu verzögern oder zu behindern. Damit bringen sie alle in Gefahr. Ich erinnere mich an einen Vorfall in Minnesota, bei dem ein Anarchist Fahrzeuge der Strafverfolgungsbehörden rammte und dann direkt in eine Schulzone floh, um die maximale „Wirkung“ zu erzielen. Innerhalb weniger Minuten füllte sich diese Schulzone mit Dutzenden Randalierern und Anarchisten, die entschlossen waren, die Beamten anzugreifen.
Gleichzeitig versuchten sie, vor den Kameras die Opferrolle einzunehmen. Diese Taktik wurde während des Vietnamkriegs von ähnlichen profaschistischen Gruppen entwickelt und wir haben sie bei den jüngsten Inlandsoperationen erneut beobachtet. Zwar stoppten ihre Taktiken die Operationen nicht, doch ihre Kollusion mit profaschistischen Medien war offenbar wirksam darin, Bürokraten des Status quo innerhalb des DHS mit zitternden Knien zu alarmieren sowie die übliche Riege von Politikern, denen Umfragewerte wichtiger sind als der Schaden, den Dutzende Millionen illegaler Einwanderer anrichten.
Beim CPAC sagten Sie, Sie wollten hundert Millionen Menschen abschieben. Pew Research gibt die Zahl jedoch mit nur 14 Millionen an. Was repräsentiert also Ihre Schätzung?
Ich schätze, dass sich derzeit 100 Millionen illegale Einwanderer in den Vereinigten Staaten aufhalten. Die Zahl von Pew Research ist seit den 1970er-Jahren unverändert und in jeder Hinsicht bedeutungslos. Sie ist in politischer Korrektheit verankert und beruht auf schlechter Forschung, da sie sich auf Volkszählungsumfragen stützt. Als ich 1996 zur Border Patrol kam, lag die Schätzung bei 12 bis 15 Millionen. Vor dreißig Jahren waren illegale Einwanderer in weiten Teilen der Vereinigten Staaten kaum präsent. Sie konzentrierten sich hauptsächlich auf Kalifornien, Oregon, Washington und vielleicht Arizona. In den meisten anderen Bundesstaaten sah man sie kaum.
Um das Jahr 2000 herum begann ich, illegale Einwanderer im Südosten der Vereinigten Staaten wahrzunehmen. Und doch blieb die Schätzung bei 12 bis 15 Millionen. Nach 2000 öffneten sich die Schleusen und die Zahl der illegalen Einwanderer stieg exponentiell an. Ganze Dörfer in Mexiko wurden von Männern im Alter von 18 bis 45 Jahren entvölkert. Sobald diese Millionen eingereist waren, begannen ebenfalls Millionen Familienmitglieder nachzureisen. Ich habe es dreißig Jahre lang an der Grenze beobachtet und in jedem Ort im Landesinneren festgestellt, den ich besucht habe. Und doch blieb die Zahl von Pew konstant.
Wann haben Sie angefangen, diese offiziellen Schätzungen systematisch infrage zu stellen?
Im Jahr 2008 begann ich, die Zahlen ernsthaft zu analysieren, als ich eine Forschungsarbeit mit dem Titel „Illegal Aliens and Destruction of Natural Resources“ verfasste. Darin beleuchtete ich die Zerstörung der wertvollen natürlichen Ressourcen unseres Landes durch einen massiven Zustrom illegaler Einwanderer. Um einen derart verheerenden Effekt auf die natürlichen Ressourcen zu erzielen, musste die Zahl der illegalen Einwanderer enorm sein, ein Vielfaches dessen, was ein Pew-Bericht auswies. Ich befasste mich besonders mit der Forschung von Bear Stearns, der angab, dass die Zahl der illegalen Einwanderer im Jahr 2006 bei über 20 Millionen lag.
Ich hielt diese Zahl für zu niedrig. Dennoch war es die erste Studie dieser Art, die von einer Organisation ohne politische Interessen durchgeführt wurde und die sich zum Ziel gesetzt hatte, die Zahl der in den Vereinigten Staaten lebenden illegalen Einwanderer ernsthaft zu ermitteln. Bear Stearns war eine Bank, die sich einen Vorteil gegenüber anderen Finanzinstituten verschaffen wollte, indem sie den Einfluss illegaler Einwanderer auf verschiedene Treuhandfragen (Bauwesen, Geldüberweisungen usw.) vorhersagte. Geleitet von Treuhandinteressen und nicht von politischer Heuchelei, hielt ich diese Studie für wegweisend.
Aber wie gelangt man von solchen Studien zu Ihrer heutigen Schätzung von 100 Millionen?
Im Jahr 2006 beobachtete ich mit der Zahl von über 20 Millionen einen ununterbrochenen Strom illegaler Einwanderer über die Grenze, ohne dass es nennenswerte Inlandsdurchsetzungen gab, die zu bedeutsamen Abschiebungen geführt hätten. Von 2006 bis 2026 waren unsere Grenzen nichts weiter als Bodenschwellen. Einwanderer und Schleuser wussten, dass sie, sobald sie die Grenze überwunden hatten, praktisch frei von jeglichen Konsequenzen waren. In diesen zwanzig Jahren, insbesondere unter der Regierung von Joe Biden, gelangten Millionen ins Land.
Welche Indikatoren aus den Einsätzen selbst haben Ihre Einschätzung bestätigt?
Während der Operationen in Los Angeles, Chicago und Charlotte stieg die Zahl auf 100 Millionen. Ein Aspekt, den wir untersuchten, waren die Pendelzeiten zur Arbeit. Damit die Pendelzeiten „gut“ sind, müssen 15 bis 20 Prozent der Pendler aus dem Verkehr gezogen werden. In Charlotte gibt es täglich etwa 153.000 Pendler. Sobald wir die Operation „Charlotte’s Web“ starteten, verbesserten sich die Pendelzeiten von „gut“ auf „hervorragend“. Schätzungen zufolge pendelten 30 Prozent oder mehr der Pendler nicht mehr. Das bedeutet, dass 30 Prozent von ihnen höchstwahrscheinlich illegale Einwanderer waren. Das entspricht etwa einem Viertel der Pendler in Charlotte. Und das, Sie haben es erraten, stimmt gut mit der Zahl von 100 Millionen überein. Von 420 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten schätze ich, dass 100 Millionen illegale Einwanderer sind.
Dasselbe gilt für Kinder, die in Charlotte nicht zur Schule gingen: 30 Prozent oder mehr der Schüler fehlten im Unterricht. Das waren natürlich Kinder illegaler Einwanderer oder selbst illegal eingereiste Kinder. Auch das entspricht wiederum einem Viertel der Bevölkerung. Die Realität des amerikanischen Hinterlands in Bezug auf illegale Einwanderer zu verstehen, gepaart mit meiner eigenen Kenntnis der Grenze und abgeglichen mit meiner aktuellen Forschung, führt mich zu dem Schluss, dass 100 Millionen illegale Einwanderer in den Vereinigten Staaten leben. Dazu gehören Personen mit abgelaufenen Visa und alle anderen illegalen Einwanderer. Man darf nicht vergessen: Unter dem Marionettenpräsidenten Biden waren die Vereinigten Staaten vier Jahre lang die weltweite Müllkippe für illegale Einwanderer.
Sie haben Tom Homan und Markwayne Mullin dafür kritisiert, dass sie sich für die „Schlimmsten der Schlimmen“ gegenüber Massenabschiebungen aussprechen. Hat die Trump-Regierung ihr zentrales Wahlkampfversprechen aufgegeben?
Ich habe weder Homan noch Mullin kritisiert. Ich habe lediglich die Wahrheit gesagt und mache mir Sorgen um Amerika. Wenn sie oder andere das als Kritik empfinden, sollten sie vielleicht ihre eigene Haltung überdenken und nicht meine. „Die Schlimmsten der Schlimmen“ (auch bekannt als Zielerfassung) ist alles, was Homan, Scott und jetzt Mullin kennen. Ich kann ihnen nicht vorwerfen, dass es ihnen nicht gelungen ist, das Wissen, die Fähigkeiten und die Kompetenzen zu erwerben, um das Problem erstens zu verstehen und zweitens zu lösen. Wenn es Kritik gäbe, dann wäre sie darauf gerichtet, dass sie eine Taktik namens „Die Schlimmsten der Schlimmen“ verwenden und als eine Art übergreifende Strategie brandmarken, die nationale Interessen beeinflussen kann. „Die Schlimmsten der Schlimmen“ ist lediglich eine Taktik unter vielen bei der lückenlosen Durchsetzung des Einwanderungsrechts. Taktiken sind keine Strategie, und die Verwechslung beider auf politisch-bürokratischer Ebene hat in der Geschichte bereits katastrophale Ergebnisse hervorgebracht.
„Die Schlimmsten der Schlimmen“ haben ihren Platz in einem Einwanderungssystem, das bereits gut unter Kontrolle ist, in dem eine Anpassung hier oder eine Verhaftung dort ausreicht, um das System effizient am Laufen zu halten. Wir sind heute weit vom Status quo entfernt. Die Art und Weise, wie sie die aktuelle Katastrophe behandeln, mit der unser Land konfrontiert ist, offenbart ihre Fixierung auf den Status quo sowie ihre mangelnden Qualifikationen für die Umsetzung einer übergreifenden Einwanderungsstrategie. Homan hat seit zwanzig Jahren niemanden mehr verhaftet, Scott war von Anfang an ein Technokrat und Mullin ist ein guter Handwerker. Profis, die in den Realitäten der Strategieentwicklung erprobt sind und auf jahrelange Berufsausbildung, Fachwissen und praktische Erfahrung zurückgreifen können, sind unersetzlich. Profis, die nach dem Status quo streben, sind hingegen eine Belastung.
Glauben Sie trotzdem, dass Präsident Trump persönlich weiterhin hinter seinem Wahlkampfversprechen steht?
Ich glaube nicht, dass Trump sein Wahlkampfversprechen aufgegeben hat. Ich denke, seine „Berater“ vermitteln ihm nicht die Realität vor Ort. Die oben genannten Personen sowie andere (allesamt keine Fachleute für Grenzsicherheit) wissen wenig über die Durchsetzung des Einwanderungsrechts. Die meisten von ihnen kennen nicht einmal den Unterschied zwischen der ICE (langfristige Zivilfahnder) und der Border Patrol (hochausgebildete, uniformierte Grenzschutzbeamte), geschweige denn, was eine lückenlose Durchsetzung des Einwanderungsrechts ausmacht. Wenn ich es noch einmal tun könnte, hätte ich Trump gelegentlich selbst gebrieft, anstatt mich auf jenen inneren Zirkel zu verlassen, der möglicherweise andere Interessen hatte. Trump ist der beste Präsident, für den ich je gearbeitet habe, und ich glaube, er wird bald zu seinem Wahlkampfversprechen zurückfinden.
Wird Trump von seinem inneren Zirkel eingeengt oder managt er den Wahldruck der bevorstehenden Zwischenwahlen?
Die Zwischenwahlen beeinflussen diesen inneren Zirkel zweifellos. Sie machen sich Sorgen um Umfragewerte statt um Amerikaner, die von illegalen Einwanderern getötet werden. Ich interessiere mich weder für Umfragewerte noch für Politik, da meine Position apolitisch ist. Das trägt wahrscheinlich zu Reibungen zwischen den beiden Lagern (lückenlose Durchsetzung des Einwanderungsrechts und innerer Zirkel) bei. Strategen müssen den Gesamtkontext berücksichtigen – das tue ich –, jedoch schließt das Konflikte nicht aus. Ich habe mit Reibungen gerechnet, da dies Neuland war. Was ich jedoch nicht erwartet hatte, war, dass ich einen Zweifrontenkrieg führen müsste. Kriminelle zu bekämpfen und dann jene innerhalb der Regierung, von denen man annehmen würde, dass sie hinter einem stehen.
Das ist eine schwierige Lage, ein Zweifrontenkrieg. Um auf jene seltenen Gelegenheiten zurückzukommen, bei denen ein Anführer als absoluter Mittelpunkt einer Operation oder Situation hervortritt, sei gesagt, dass sie alle mit dieser Art von Konflikt zu tun hatten. Patton geriet mit seinen Vorgesetzten Eisenhower und Omar in Konflikt und Hoover beendete die Karrieren all jener, von denen er befürchtete, sie könnten seinen Status usurpieren (Melvin Purvis zum Beispiel).
Welche Erkenntnisse liefert diese Phase über das Verhältnis zwischen operativer Härte, öffentlichem Bild und Wählerunterstützung?
Sie sind alle miteinander verknüpft, waren es immer und werden es immer sein. Unkontrollierte Einwanderung in die Vereinigten Staaten ist heute die größte Bedrohung für unsere Kultur und unsere bloße Existenz – dasselbe gilt für Sie in Europa. Manchmal muss man alle Hemmungen fallen lassen, und das ist einer dieser Momente. Das öffentliche Bild und die Wählerunterstützung blieben hoch, und wir standen erst am Anfang der Operationen! In den folgenden Monaten wären das Ausmaß und die Tiefe der Einwanderungsoperationen um ein Vielfaches größer gewesen als das, was Sie bisher gesehen haben.
Patton verstand, was bei seinem Vormarsch durch Deutschland auf dem Spiel stand. Zwar sollte der britische Feldmarschall Montgomery zuerst Berlin erreichen, doch Patton erkannte die Tragweite und vollbrachte, was getan werden musste. Operative Härte, öffentliches Bild und Wählerunterstützung schließen einander nicht aus. Ich hatte das Gefühl, dass im Zuge der Entfaltung der Inlandsdurchsetzung die Unterstützung in allen drei Bereichen weiter zunehmen würde. Wir waren auf dem Vormarsch zum totalen Sieg, meine Damen und Herren.
Dennoch wurden die Operationen gestoppt oder gebremst. Was sagt das über die politische Lage aus?
Diese Phase offenbart, dass sich eine kleine Minderheit der Wählerschaft mit den Bürokraten des Status quo zusammengeschlossen hat, um aufgrund ihrer eigenen Paranoia oder Inkompetenz die Operationen zu stoppen. Die Amerikaner unterstützen die lückenlose Durchsetzung des Einwanderungsrechts, und der Aufschrei wütender Amerikaner wird von Tag zu Tag lauter.
Beim CPAC sagten Sie dem Spiegel, Sie wären „gerne bereit, Deutschland zu helfen“. Was können Europäer realistischerweise aus der amerikanischen Erfahrung mitnehmen?
Europa befindet sich in einer prekären Lage. Die unkontrollierte Einwanderung trägt jetzt ihre bösen Früchte. Die Europäer betrachten das sich nun entfaltende Kapitel der Durchsetzung des amerikanischen Einwanderungsrechts als Referenzpunkt für ihre eigenen Probleme. Beim CPAC sprach ich mit unzähligen Europäern, die an den gewonnenen Erkenntnissen interessiert waren – und noch wichtiger: an tragfähigen Strategien im Umgang mit dem Einwanderungsproblem in Europa. Was im vergangenen Jahr geschehen ist, ist ausgezeichnet für Europa. Einerseits zeigt es, wie weitverbreitet das Einwanderungsproblem ist, andererseits skizziert es eine machbare, nachhaltige und akzeptable Strategie für Europa. Vor allem hat es Bürger in ganz Europa aufgerüttelt und mit Hoffnung erfüllt. Sie wissen, dass es möglich ist, denn wir haben ihnen soeben einen Fahrplan geliefert.
Was mich betrifft, Deutschland oder sonst jemandem zu helfen: Reisepass eingesteckt, bereit zur Abfahrt! Lasst uns unseren Brüdern und Schwestern in Europa helfen! Wir fühlen mit ihnen und verstehen, womit ihre unschuldigen Bürger wirklich konfrontiert sind. Es ist Zeit für Massenabschiebungen aus Europa. Ich würde liebend gern Teile Europas besuchen, die ich noch nie gesehen habe, und in Manchester auf den einen oder anderen guten schottischen Single Malt oder ein dunkles Guinness anstoßen, ohne mir Sorgen um kulturellen Wandel und Kriminalität machen zu müssen. Amerikanern liegt das Wohlergehen Europas am Herzen. Auf geht’s, Europa!
Jared Taylor sagte, dass die Remigration in Europa eine andere Form annehmen würde als in Amerika. Sind Sie derselben Meinung? Was ist das eigentliche Ziel einer Massenausweisungspolitik?
Etwas ganz anderes. Kultureller Wandel und Assimilation. Illegale Einwanderer und viele Zuwanderer der vergangenen Jahrzehnte, die in die Vereinigten Staaten und nach Europa gekommen sind, haben keinerlei Absicht, sich in unsere Kultur zu assimilieren. Das ist vielleicht die größte Bedrohung für die Vereinigten Staaten seit der Gründung unseres Landes. Mit Millionen von Ausländern auf amerikanischem Boden, die unsere Kultur, unser Erbe, unsere Traditionen, unseren Exzeptionalismus, unsere Werte usw. ablehnen, geht unsere Erfolgsformel dem Ende entgegen. Ich sehe dasselbe in Europa geschehen. Wir sind belagert. Wir haben den Kipppunkt erreicht. Unser derzeitiger größter Kampf ist nicht mit den illegalen Einwanderern oder den nicht assimilierten Zuwanderern, sondern mit den Bürokraten des Status quo und den Politikern mit zitternden Knien, die entschlossen sind, das Handeln zu pausieren oder bis zum nächsten Wahlzyklus zu warten. Das ist in beiden Ländern dasselbe.
Wo könnten sich taktische Unterschiede zwischen Amerika und Europa zeigen?
Jared Taylor hat recht, wenn er sagt, dass die Remigration in Europa möglicherweise eine andere Form annehmen könnte. Das ist möglich. Sobald wir uns von den lästigen Bürokraten und Politikern befreit haben – die Graswurzelbewegung wird das für uns erledigen –, könnten die Taktiken zur Entfernung derer, die entfernt werden müssen, in Europa und den USA unterschiedlich aussehen. Aber es muss in beiden Fällen geschehen, wenn die Kulturen überleben sollen.
In Europa wird die Remigration von Bewegungen wie der AfD, Renaud Camus und den Identitären um Martin Sellner vorangetrieben. Verfolgen Sie diese Dynamik und erkennen Sie Echos Ihres eigenen Kampfes darin?
Der Kampf in Europa und den Vereinigten Staaten ist fast identisch. In beiden Fällen vollzieht sich das durch illegale Einwanderer und Zuwanderer, die Ihre Werte nicht teilen. Die AfD in Deutschland liegt meiner Meinung nach richtig. Sie lehnt politische Korrektheit zugunsten deutscher Kultur und Identität ab. Ich bin stolz auf die AfD, auf Restore Britain und auf andere. Opfern Sie niemals Ihre Bürger und Ihre Kultur für diejenigen, denen es gleichgültig ist, wer Lawrence von Arabien war oder wer „Der Graf von Monte Christo“ geschrieben hat. Es kümmert sie nicht, ob Ihr Großvater im Großen Krieg gekämpft und bei Belleau Wood sein Leben gelassen hat oder ob Heinrich IV. ein großer König war. Das sollte jeden Europäer erschrecken.
Es ist seltsam, aber ich fürchte um Europa. Die Gespräche mit den großartigen Menschen aus Ihrer Ecke der Welt beim CPAC haben mir das eindringlich vor Augen geführt. Wir stehen weltweit vor demselben schleichenden Grauen. Warum also nicht zusammenarbeiten, um das Problem zu lösen?
Sehen Sie darin bereits eine Art transatlantische Bewegung?
Konservative in den Vereinigten Staaten betrachten uns angesichts des Einwanderungsproblems als globale Gemeinschaft. Linke gehören dieser Gemeinschaft nicht an und stehen entschieden gegen uns. Ein gemeinsamer Feind oder ein gemeinsames Problem eint wie nichts anderes. In Europa werden Ihre Töchter von Fremden vergewaltigt und Ihre Söhne getötet, genauso wie hier in den Vereinigten Staaten. Es ist dasselbe Problem, das sich über verschiedene geografische Regionen hinwegzieht. Warum lösen wir dieses Problem nicht gemeinsam und weltweit ein für alle Mal?
Es ist lange her, dass ich mich mit Europa verbunden gefühlt habe – der Brexit war ziemlich gut –, aber in letzter Zeit gab es nur wenige solche Gelegenheiten. Wenn Sie nur die Freiheit hätten, Schusswaffen zu tragen! Dieses jüngste Einwanderungsproblem hat mich vollständig auf Ihre Seite gebracht. Waffenbrüder, wenn Sie so wollen. Viel Erfolg, Europa! Millionen von uns stehen in Ihrer Ecke. Wir wollen unser altes Europa zurück!
Welche praktische Lehre würden Sie europäischen Regierungen und Bewegungen zuerst mitgeben?
Lehren aus meiner Erfahrung: Gehen Sie aufs Ganze! Eine Strategie zur Bewältigung der Einwanderung muss sicherstellen, dass die Leiter des Feldeinsatzes direkt mit der Führung des Landes kommunizieren. Zu viele Mittelsmänner werden Operationen unweigerlich korrumpieren und zu viele Interessen einbringen, die den Fokus, die Prägnanz und die Geradlinigkeit der Maßnahmen beeinträchtigen. Wenn zu viele Nicht-Einwanderungsfachleute wie Susan Wiles oder Thom Tillis oder Personen mit begrenzter Einwanderungserfahrung wie Scott und Homan beteiligt sind, werden die von diesen Personen kommenden Informationen Operationen zugunsten persönlicher Präferenzen unweigerlich behindern.
Und wie wichtig ist in einer solchen Lage die mediale Flankierung?
Und die Medien. Wenn Sie sich Chicago und Los Angeles besonders ansehen: Unser Medienapparat im DHS war unübertroffen. DHS-Staatssekretärin Trish McGloughlin war dem Spiel immer weit voraus. Unsere Narrative konnten selbst die hinterhältigsten Narrative kontern, die die Medien gegen uns ins Feld führen konnten. Wir hielten sie in der Defensive. Europa, Du wirst dieser verrückten Medienmaschine, die Du hast, mit umsichtigem und durchdachtem Handeln direkt begegnen müssen. Setze das Narrativ und lass es nicht von ihnen setzen. Sekretärin Noem war auch hierin hervorragend. Sie kam den Medienereignissen zuvor und sprach mit ihren Feldeinsatzleitern vor großen Operationen. So hielt sie die agendagetriebenen Medien in der Defensive. Unsere Expertise steht Ihnen zur Verfügung: Nutzen Sie sie.
Herr Bovino, vielen Dank für das Gespräch!








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