Als die bürgerlich-rechte Regierung von Ministerpräsident Ulf Kristersson im Herbst 2022 ihr Amt antrat, versprach sie einen grundlegenden Kurswechsel in der Migrations-, Sicherheits- und Integrationspolitik. Drei Jahre später lässt sich feststellen, dass zahlreiche dieser Vorhaben tatsächlich umgesetzt wurden. Die Regierung hat Abschiebungen erleichtert, die Befugnisse von Polizei und Sicherheitsbehörden ausgeweitet und die Anforderungen für den Erwerb der Staatsbürgerschaft deutlich verschärft. Gleichzeitig ist die Zahl der registrierten Straftaten zuletzt zurückgegangen.
Mehr Abschiebungen, strengere Ausweisung von Straftätern
Die schwedische Regierung hat in den vergangenen Jahren ihre Migrationspolitik deutlich verschärft und dabei insbesondere die Rückführung ausreisepflichtiger Personen in den Mittelpunkt gestellt. Laut Eurostat hat Schweden im Jahr 2025 mehr als 11.000 Menschen abgeschoben und zählte damit zu den EU-Staaten mit den höchsten Rückführungszahlen. Nur Deutschland und Frankreich haben noch mehr Abschiebungen durchgeführt.
Besonders stark hat die Regierung auch bei ausländischen Straftätern angesetzt. Ein neues Gesetz soll Abschiebungen nach strafrechtlichen Verurteilungen erleichtern und die Zahl entsprechender Ausweisungen deutlich erhöhen. Künftig müssen Staatsanwälte bei Verurteilungen ausländischer Straftäter grundsätzlich auch eine Abschiebung beantragen. Die Regierung geht davon aus, dass dadurch jährlich rund 3.000 Abschiebungen möglich wären – das Vielfache des bisherigen Niveaus. Die Verschärfungen gehen jedoch über die Abschiebung krimineller Ausländer hinaus. Wie der EU-Abgeordnete Charlie Weimers gegenüber der Jungen Freiheit erklärte, sollen unbefristete Aufenthaltstitel für Asylsuchende ab 2026 abgeschafft werden. Zudem wurden die Anforderungen für Arbeitsmigration erhöht und die Remigrationspolitik stärker in den Fokus gerückt.
Migrationsminister Johan Forssell begründete den Kurswechsel mit scharfen Worten. „Viel zu lange wurden ausländische Straftäter, die in Schweden schwere Verbrechen begangen haben, verhätschelt“, sagte er. Die Maßnahmen sind Teil einer umfassenderen Neuausrichtung der schwedischen Migrationspolitik, die seit dem Amtsantritt der bürgerlich-rechten Regierung im Jahr 2022 erfolgt ist.
Polizei erhält deutlich mehr Befugnisse
Im Kampf gegen die Bandenkriminalität hat die schwedische Regierung außerdem die Befugnisse von Polizei und Sicherheitsbehörden deutlich erweitert. So wurden bereits 2024 sogenannte Visitationszonen eingeführt, in denen Beamte Personen und Fahrzeuge auch ohne konkreten Tatverdacht kontrollieren dürfen. Zudem schuf Stockholm Aufenthaltsverbote, mit denen bestimmten Personen der Zugang zu bestimmten Orten für einen begrenzten Zeitraum untersagt werden kann.
Parallel dazu hat die Regierung die Überwachungsmöglichkeiten ausgebaut. So darf die Polizei seit Oktober 2025 unter bestimmten Voraussetzungen die elektronische Kommunikation von Kindern unter 15 Jahren überwachen. Zudem wird bald das Alter der strafrechtlichen Verantwortlichkeit für schwere Straftaten auf 13 Jahre abgesenkt. Darüber hinaus sollen elektronische Armbänder bei Jugendlichen die Einhaltung behördlicher Auflagen und Ausgangsbeschränkungen kontrollieren. Diese Maßnahmen werden mit der verstärkten Rekrutierung Minderjähriger durch kriminelle Banden begründet.
Auch private Ordnungskräfte haben zusätzliche Kompetenzen erhalten. Ihre Einsatzgebiete wurden ausgeweitet und sie dürfen nun unter anderem Personen zur Identitätsfeststellung durchsuchen oder Festgenommene zur Polizei bringen. Damit verfolgt die Regierung einen deutlich härteren sicherheitspolitischen Kurs als noch vor wenigen Jahren.
Höhere Hürden für die Staatsbürgerschaft
Zu den weitreichendsten Reformen der Regierung Kristersson zählen die verschärften Regeln für den Erwerb der schwedischen Staatsbürgerschaft. Demnach sollen Einwanderer künftig erst nach acht statt nach fünf Jahren Aufenthalt eingebürgert werden können. Zusätzlich sind verpflichtende Sprach- und Wissenstests über die schwedische Gesellschaft vorgesehen. Auch die Voraussetzungen für eine Einbürgerung werden insgesamt deutlich strenger.
Für Personen mit Vorstrafen werden die Hürden ebenfalls höher. In bestimmten Fällen verlängert sich die Wartezeit auf eine Einbürgerung von zehn auf bis zu 17 Jahre. Bewerber müssen zudem ein Mindesteinkommen nachweisen. Medienberichten zufolge wurde die bisherige Anforderung einer „ehrbaren Lebensführung“ zusätzlich verschärft. Künftig sollen Antragsteller ein „geordnetes und ehrbares Leben“ nachweisen. Neben Vorstrafen können etwa wiederholte geringfügige Gesetzesverstöße, hohe Schulden, behördliche Auflagen oder die Missachtung behördlicher Entscheidungen einer Einbürgerung entgegenstehen. Migrationsminister Johan Forssell begründete die Reform wie folgt: „Es war möglich, nach fünf Jahren Staatsbürger zu werden, ohne ein einziges Wort Schwedisch zu sprechen, ohne etwas über unsere schwedische Gesellschaft zu wissen und ohne eigenes Einkommen zu haben.“
Parallel dazu verschärft Stockholm die Regeln rund um die Staatsangehörigkeit selbst. So soll Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft ab 2027 die schwedische Staatsangehörigkeit wieder entzogen werden können, wenn sie diese durch falsche Angaben erlangt haben oder wegen schwerer Straftaten verurteilt werden, die den Interessen des Landes erheblich schaden.
Kriminalität geht insgesamt zurück
Nachdem mehrere Jahre lang Bandengewalt und Schusswaffendelikte stark in den Fokus gerückt waren, ist die Gesamtzahl der registrierten Straftaten in Schweden zuletzt gesunken. Im Jahr 2025 wurden rund 1,44 Millionen Delikte erfasst, etwa 50.000 weniger als im Vorjahr. Damit setzte sich ein Rückgang fort, der bereits in den vergangenen Jahren zu beobachten war. Auch bei der Bandengewalt verweisen Vertreter des rechten Regierungslagers auf erste Fortschritte. So erklärte Weimers gegenüber der JF, die Zahl der Schießereien sei inzwischen deutlich zurückgegangen. Die Polizei stuft zahlreiche Problemviertel zwar weiterhin als besonders gefährdet ein, dennoch gilt der Rückgang bewaffneter Auseinandersetzungen als eines der wichtigsten Ziele der aktuellen Sicherheitspolitik.
Besonders deutlich gingen die Eigentumsdelikte zurück. So sank die Zahl der Diebstähle innerhalb eines Jahres um mehr als 43.000 Fälle. Auch Wohnungseinbrüche, Raubüberfälle und Fahrzeugdiebstähle wurden seltener registriert. Während die Zahl der gemeldeten Raubdelikte 2025 um mehr als ein Fünftel unter dem Vorjahreswert lag, gingen Wohnungseinbrüche um 15 Prozent zurück. Insgesamt verzeichneten die Behörden auch weniger Drogendelikte, Sachbeschädigungen und Verkehrsvergehen.
Allerdings entwickelte sich nicht jede Kriminalitätsform in dieselbe Richtung. So stieg beispielsweise die Zahl der gemeldeten Körperverletzungen ebenso wie die Zahl bestimmter Sexualdelikte. Dennoch zeigen die offiziellen Statistiken, dass die Gesamtkriminalität in Schweden zuletzt rückläufig war und zahlreiche klassische Deliktsbereiche deutlich weniger Fälle aufwiesen als noch wenige Jahre zuvor.
Schweden wird Europas IPO-Hauptstadt
Neben den Veränderungen in der Migrations- und Sicherheitspolitik kann Schweden auch wirtschaftliche Erfolge vorweisen. Besonders auffällig ist dabei die Entwicklung des schwedischen Kapitalmarkts. Stockholm führte 2025 die Rangliste der europäischen Börsen bei Börsengängen an und zog mehr Kapital durch Neuemissionen an als traditionelle Finanzplätze wie London, Frankfurt oder Zürich. Damit gehörte die schwedische Hauptstadt weltweit zu den wichtigsten Märkten für Börsengänge.
Besonders bemerkenswert ist diese Entwicklung im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße. In den vergangenen zehn Jahren wurden in Schweden knapp 400 Unternehmen an die Börse gebracht, was umgerechnet rund 38 Börsengänge pro eine Million Einwohner entspricht. Damit liegt das Land deutlich vor größeren europäischen Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich, Spanien oder den Niederlanden. Laut einer Analyse des BCG Henderson Institute entfallen trotz eines Bevölkerungsanteils von lediglich rund zwei Prozent an der EU fast 18 Prozent der erfolgreichsten börsennotierten Unternehmen Europas auf Schweden.
Als Gründe gelten die ausgeprägte Aktienkultur, hohe private Investitionen in den Kapitalmarkt sowie ein Finanzsystem, das auch kleinen und mittelständischen Unternehmen den Gang an die Börse erleichtert. Internationale Analysen sehen Schweden inzwischen als einen der attraktivsten Kapitalmärkte Europas. Gemessen an der Einwohnerzahl zählt das Land zudem weiterhin zu den führenden Standorten für Start-ups, Risikokapital und sogenannte Einhörner, also junge Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar.






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