Berlin. – Mitte Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft, ein sportliches Großereignis, das auch in Deutschland Millionen Menschen vor die Bildschirme ziehen wird. Während sich die Fans auf die Übertragungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verlassen, sorgt die Auswahl der gezeigten Spiele bei einigen Beobachtern bereits im Vorfeld für Kritik. Besonders scharf äußert sich dazu der Journalist Tarek Baé – und stellt dabei auch die Strategie von MagentaTV gegenüber.
Fehlende Vielfalt im WM-Programm?
Tarek Baé macht auf der Plattform X seinem Ärger deutlich Luft. Seiner Meinung nach erfüllen die öffentlich-rechtlichen Sender ihren Auftrag nicht ausreichend. „Das ZDF und das ARD übertragen 40 von 72 Vorrundenspielen der WM. Darunter natürlich Spiele der DFB-Elf. Darauf haben wir schließlich ein Recht, dafür zahlen wir“, so Baé. Doch aus seiner Perspektive fehlt ein entscheidender Aspekt völlig, weil ein Land komplett außen vor bleibt – die Türkei.
Laut Baé spiegelt die Auswahl der Spiele nicht die gesellschaftliche Realität in Deutschland wider. Er verweist dabei auf die große türkischstämmige Bevölkerung und ihre Interessen: „3 Millionen Deutschtürken bilden die größte Minderheit in unserem Land, und sie zahlen auch Rundfunkgebühren.“ Für ihn ergibt sich daraus auch ein klarer programmatischer Auftrag, der seiner Meinung nach nicht erfüllt wird: „Der Medienstaatsvertrag sieht eine Abbildung der Interessen der Bevölkerung in ihrer Vielfalt vor (§ 26 Abs. 1 Satz 4 bis 7 MStV).“ Er nennt dabei Beispiele für bestehende Angebote und fordert eine vergleichbare Berücksichtigung im Sportbereich.
Deutliche Worte zur Programmgestaltung
Die Kritik geht über die reinen Zahlen hinaus. Laut Baé wird durch die Nicht-Berücksichtigung bestimmter Spiele eine gesellschaftliche Chance vertan: „Spiele großer Minderheiten im Land wie der Türkei, Polen, Irak, Marokko, Bosnien oder Kroatien gehören zu weitverbreiteten Interessen. Wie kann das ignoriert werden?“ Aus seiner Sicht könnten entsprechende Übertragungen einen positiven Effekt auf das gesellschaftliche Klima haben: „Durch Übertragung kann gute Stimmung im Land und ein Wir-Gefühl durch gemeinsames Anschauen und Feiern gefördert werden.“ Stattdessen werde diese Möglichkeit verschenkt: „Durch die Ignoranz davor wird eine simple Chance auf Zufriedenheit und gute Laune übergangen. Das ist nicht intelligent.“
MagentaTV nutzt die Lücke gezielt
Während ARD und ZDF in der Kritik stehen, verfolgt MagentaTV offenbar eine andere Strategie: Der Sender spricht gezielt türkischstämmige Fans an und kündigt umfangreiche Inhalte rund um die türkische Nationalmannschaft an. So werden alle Gruppenspiele der Türkei exklusiv gezeigt. Darüber hinaus bietet MagentaTV ein speziell zugeschnittenes Angebot. Dazu gehören eigene Vorberichte und Analysen mit Fokus auf die Türkei, Expertenbeiträge in türkischer Sprache und eine separate Tonspur mit türkischem Kommentar für alle Gruppenspiele. Am dritten Spieltag werden zusätzlich mehrere Perspektiven angeboten. Parallelspiele, Konferenzschaltungen und das Türkei-Spiel mit eigenem Kommentar.
Für Baé ist klar, dass hinter dem Angebot wirtschaftliche Interessen stehen: „Klar, das ist Marketing.“ Doch genau darin sieht er den entscheidenden Punkt: „Für ARD und ZDF müsste dieses große Interesse bekannt sein.“




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