Seit dem 1. Juli 2026 ist der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete und Vizepräsident des baden-württembergischen Landtags, Daniel Born, neuer Geschäftsführer der AWO Neckar-Odenwald. Der Jurist übernimmt die Leitung sowohl des Kreisverbands als auch der gemeinnützigen Gesellschaft. Born gehörte zehn Jahre lang dem Landtag für den Wahlkreis Schwetzingen an, wo er sich vor allem mit Wohnungs- und Bildungspolitik beschäftigte. Vor seinem Wechsel in die Landespolitik arbeitete er in leitender Funktion bei der Agentur für Arbeit Karlsruhe.
Hakenkreuz-Eklat vor rund einem Jahr
Die Berufung Borns erfolgt rund ein Jahr nach einem politischen Eklat im baden-württembergischen Landtag. Bei einer geheimen Abstimmung hatte er auf einem Stimmzettel hinter dem Namen eines AfD-Abgeordneten ein Hakenkreuz gezeichnet. Nachdem der Vorfall bekannt geworden war, räumte er sein Fehlverhalten ein, entschuldigte sich öffentlich und legte sein Amt als Vizepräsident des Landtags nieder. Zudem verließ er die SPD-Landtagsfraktion.
Anschließend leitete die Staatsanwaltschaft Stuttgart aber keine Ermittlungen gegen Born ein. Ihrer Einschätzung nach lag kein strafbares Verhalten vor, da das Hakenkreuz durch den Einwurf des Stimmzettels nicht öffentlich verbreitet oder verwendet worden sei. Auch wegen einer möglichen Beleidigung des betroffenen AfD-Abgeordneten wurde nicht ermittelt. Die Staatsanwaltschaft verwies hierbei auf die parlamentarische Indemnität, die Abgeordnete für Äußerungen und Abstimmungen im Landtag schützt.
AWO lobt Erfahrung und Vernetzung
Die Kreisvorsitzende Gabriele Teichmann sieht in Born die ideale Besetzung für die Führungsaufgabe. „Unser neuer Geschäftsführer vereinigt alle Qualitäten, die es für diese Aufgabe braucht: Er hat ein exzellentes Gespür dafür soziale Arbeit mit wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zusammenzubringen, ist gut vernetzt und eine Führungskraft, die die AWO-Werte lebt.“
Born selbst erklärte zu seinem Amtsantritt: „Ich kenne die AWO seit vielen Jahren – als Mitglied ebenso wie aus meinen früheren beruflichen Tätigkeiten – als hochkompetente Ansprechpartnerin in sozialen Fragen, professionelle Trägerin und engagierte Arbeitgeberin“. Als AWO zeige man jeden Tag, „dass der Sozialstaat nicht abstrakt ist, sondern ganz konkret Sicherheit, Teilhabe und Hoffnung schafft“. Die AWO Neckar-Odenwald betreibt unter anderem sozialpsychiatrische Angebote, eine Sozialstation, Pflege- und Wohnzentren sowie Seniorenwohnanlagen. Insgesamt beschäftigt der Verband rund 280 Mitarbeiter. Hinzu kommen zahlreiche Ehrenamtliche.
AfD-Abgeordneter sieht „AWO-SPD-Sumpf“
Kritik an der Personalentscheidung kommt unterdessen vom baden-württembergischen AfD-Landtagsabgeordneten Nikolaos Boutakoglou. Dieser wirft der AWO in einer Pressemitteilung vor, ehemaligen SPD-Politikern nach dem Ausscheiden aus der Politik gut bezahlte Spitzenpositionen zu verschaffen. Zudem kritisiert er, dass die Organisation überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert werde und spricht von einer „Vollversorgungsanstalt für SPD-Politiker nach dem Ende deren politischer Karrieren“. Es sei ein „unhaltbarer Missstand, dass die Bürger Daniel Borns ‚Karriere nach der Karriere‘ durchfinanzieren müssen!“
Mit Blick auf Born erklärt Boutakoglou außerdem, dieser habe mit dem Hakenkreuz auf dem Stimmzettel „sein unsittliches Verhalten und die Missachtung demokratischer und rechtsstaatlicher Gepflogenheiten“ gezeigt. Dass Born nach seinem Austritt aus der SPD-Fraktion sein Landtagsmandat behalten habe, zeuge aus seiner Sicht zudem von einem „fehlenden moralischen Kompass“. Nun dürfe er „eine sehr gut vergütete Stelle als Geschäftsführer der SPD-nahen AWO“ übernehmen.
Auf der Plattform X zeigte sich auch Lukas Huber, damaliger AfD-Direktkandidat zur Landtagswahl in Baden-Württemberg, empört darüber, dass der „Ex-SPD-Hakenkreuzmaler aus dem Landtag BW“ als Geschäftsführer der AWO Neckar-Odenwald-Kreis nun „rundumversorgt“ werde.
In diesem Zusammenhang prangert er an, dass der „AWO-SPD-Sumpf im Neckar-Odenwald-Kreis” noch größer sei. Denn weitere frühere SPD-Politiker haben führende Positionen bei der AWO Neckar-Odenwald übernommen, darunter der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck und die mehrmals gescheiterte SPD-Bundestagskandidatin Gabriele Teichmann. Beide haben nun die lukrativsten Posten als Aufsichtsratsvorsitzende der Landkreis-AWO inne. „Die AWO Neckar-Odenwald ist ein gigantisches Versorgungszentrum für gescheiterte SPD-Politiker aus ganz Nordbaden“, so Huber.





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