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Gesellschaft

ESC in Wien: Millionen-Show mit leeren Betten, Wetter-Chaos und Sicherheitsalarm

Der Eurovision Song Contest bringt Wien nicht nur Glitzer und internationale Aufmerksamkeit, sondern wirft auch drängende Fragen auf. Wolfgang Hartmann zeigt, warum hinter der perfekt inszenierten Fassade des ESC Zweifel an Wirtschaftlichkeit, Organisation und politischer Stabilität entstehen.

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Der ESC soll Wien als internationale Musikmetropole inszenieren. Doch hinter dem Bühnenlicht und den Fanmeilen tun sich Fragen zu den Kosten, der Sicherheitslage und dem tatsächlichen Nutzen des Mega-Events auf.
Der ESC soll Wien als internationale Musikmetropole inszenieren. Doch hinter dem Bühnenlicht und den Fanmeilen tun sich Fragen zu den Kosten, der Sicherheitslage und dem tatsächlichen Nutzen des Mega-Events auf. (Bild: IMAGO / Beautiful Sports)

Der Eurovision Song Contest soll Wien in diesen Tagen zur glitzernden Musikmetropole Europas machen. Doch hinter der bunten Fassade aus Scheinwerfern, Fahnen, Fanmeilen und Hochglanz-Werbung zeigen sich erste Risse: Die Hotelbuchungen bleiben offenbar hinter den Erwartungen zurück, das Eurovision Village musste wegen Unwetters geräumt werden, Proteste rund um Israels Teilnahme nehmen zu – und die Sicherheitsbehörden sprechen von einem „generell hohen“ Risiko.

Freie Hotelbetten trotz Millionen-Event

Während die Stadt Wien den ESC als touristischen Großtreffer verkauft, klingt die Realität deutlich nüchterner. In der ESC-Woche von 10. bis 16. Mai liegt die Hotelauslastung laut öffentlich genannten Zahlen bei bis zu rund 70 Prozent. WienTourismus spricht von einer „stabilen Buchungslage“ und „ausreichenden Hotelkapazitäten“. Kritiker sehen darin allerdings ein anderes Bild: Wenn bei einem internationalen Mega-Event noch rund ein Drittel der Hotelkapazitäten frei ist, stellt sich die Frage, ob der erwartete Ansturm tatsächlich eingetreten ist.

Immerhin geht es um viel Geld. Die Stadt Wien nennt für den ESC einen Finanzrahmen von bis zu 22,6 Millionen Euro. Die gesamten Veranstaltungskosten werden mit 36 Millionen Euro beziffert, der erwartete wirtschaftliche Nachfrageimpuls mit 57 Millionen Euro. Doch wenn die Hotels nicht voll sind, wird die Erzählung vom großen touristischen Gewinn zumindest erklärungsbedürftig.

Wie teuer wird der ESC für die Steuerzahler?

Unklar bleibt zudem, wie viel Geld genau in Werbung, Plakate, Branding, Kommunikation und Begleitveranstaltungen fließt. Öffentlich wird dafür kein eigener Kostenblock ausgewiesen. Sichtbar ist die ESC-Offensive aber überall: Plakate, Branding auf Öffis, Beschilderungen, Aktionen im öffentlichen Raum, dazu das Eurovision Village am Rathausplatz mit Konzerten, Clubbings, Karaoke, Quizzen und Public Viewings. Bis zu 30.000 Fans sollen dort bei den großen Übertragungen Platz finden.

Doch schon am Montagabend war vorerst Schluss mit Party. Eine Unwetterwarnung mit Blitz und Donner führte zur Räumung des Eurovision Village vor dem Rathaus. Um 18.30 Uhr wurde die offizielle Partylocation aus Sicherheitsgründen geschlossen, alle weiteren Programmpunkte des Tages entfielen. Besucher wurden ausdrücklich ersucht, nicht mehr zum Gelände zu kommen.

Unwetter stoppt die ESC-Party am Rathausplatz

Parallel dazu wächst der politische Druck auf die Veranstaltung. Wegen der Teilnahme Israels am ESC waren mehrere Protestaktionen angemeldet. Am Schwedenplatz sollten symbolisch Särge aufgestellt werden, unter dem Motto „Keine Musik für Hinrichtungen. Kein Glitzer über dem Blutvergießen“. Weitere Proteste sind für Freitag und Samstag geplant. Der sogenannte „Song Protest“ wurde auf den Maria-Theresia-Platz verlegt – in unmittelbarer Nähe zum MuseumsQuartier und nicht weit vom Eurovision Village entfernt. Angemeldet sind dort 1.000 Teilnehmer.

Für Samstag ist außerdem eine Demonstration mit 3.000 Teilnehmern angemeldet. Die Route wurde geändert und führt nun über die Äußere Mariahilfer Straße und den Rustensteig in Richtung Stadthalle. Die Schlusskundgebung soll im Arik-Brauer-Park stattfinden. Auch Aktivisten aus den Bundesländern und dem nahen Ausland werden erwartet.

Israel-Proteste überschatten den Song Contest

Die Sicherheitsbehörden sind entsprechend angespannt. Der Einsatzstab „Delta“ der Wiener Polizei hat zwar derzeit keine konkreten Hinweise auf drohende Gewaltakte. Gleichzeitig wird das Gesamtrisiko für den ESC als „generell hoch“ eingestuft. Innenminister Gerhard Karner warnte, Aktivisten und Extremisten hätten die Veranstaltung im Blick. Zusätzliche Polizeikräfte aus fast ganz Österreich wurden nach Wien beordert, auch Spezialkräfte aus Bayern unterstützen das Einsatzkommando Cobra.

Besonders im Fokus stehen mögliche Störaktionen, Demonstrationen und Zusammenstöße unterschiedlicher Gruppen. Auch die islamistische und extremistische Szene werde laut Staatsschutz seit Monaten beobachtet. Zusätzlich bereiten mögliche Cyber-Angriffe Sorgen. Rund um Stadthalle und Eurovision Village wurden Flugverbotszonen eingerichtet. Bereits am vergangenen Wochenende wurde eine private Drohne abgefangen und zu Boden gebracht.

Polizei warnt vor hoher Gefährdungslage beim ESC

Damit zeigt sich: Der ESC in Wien ist weit mehr als eine Musikshow. Er ist ein Millionenprojekt, ein Sicherheitsgroßeinsatz, ein politischer Konfliktpunkt – und möglicherweise auch ein Prestigeprojekt, dessen Nutzen erst noch bewiesen werden muss. Denn während Wien mit Glitzer, Musik und internationaler Aufmerksamkeit wirbt, bleiben entscheidende Fragen offen: Warum sind trotz Mega-Event noch so viele Hotelbetten frei? Wie viel Steuergeld fließt tatsächlich in Werbung, Branding und Rahmenprogramm? Und wie hoch ist der tatsächliche Nutzen für die Wiener Bevölkerung? Der Song Contest soll Wien feiern. Doch schon jetzt ist klar: Hinter der Bühne wird nicht nur gesungen – dort wird auch gerechnet, demonstriert und abgesichert.

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