Eine neue Studie aus Neuseeland sorgt für Aufsehen. Demnach schneiden Pflegekräfte, die über besonders ausgeprägtes Wissen über kulturelle Unterschiede verfügen, im Berufsalltag schlechter ab und sind zudem unzufriedener.
Für die Studie haben Forscher der Universität Auckland Pflegekräfte untersucht, die täglich mit Patienten unterschiedlichster Herkunft arbeiten. Interkulturelle Kompetenz gilt in solchen Umgebungen eigentlich als zentrale Fähigkeit. Die Auswertung der Daten ergab jedoch ein unerwartetes Ergebnis: Ein besonders hohes Maß an Wissen über kulturelle Unterschiede ging mit einer schlechteren Arbeitsleistung und geringerer Zufriedenheit einher. Damit wird die gängige Vorstellung infrage gestellt, dass detaillierte Kenntnisse über kulturelle Normen automatisch zu einer besseren Versorgung führen.
Kognitive Überlastung durch „DEI“-Schulungen?
Die Autoren führen diesen Effekt unter anderem auf eine mögliche Überforderung zurück. Zu viele Informationen über kulturelle Besonderheiten können das Denken verkomplizieren und den Arbeitsalltag erschweren. Anstatt flexibel auf einzelne Patienten einzugehen, bestehe die Gefahr, dass Pflegekräfte in starren Denkmustern verharren. Ein Übermaß an theoretischem Wissen könne somit sogar kontraproduktiv wirken.
Reflexionsfähigkeit statt Ideologie
Die Studie zeigt gleichzeitig, dass nicht alle Aspekte interkultureller Kompetenz negativ zu bewerten sind. Entscheidend ist demnach die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Pflegekräfte, die ihr eigenes Denken hinterfragen und es flexibel anpassen können, haben demnach bessere Leistungen gezeigt und waren zufriedener im Beruf. Offensichtlich sind sie besser in der Lage, kulturelle Unterschiede situativ einzuordnen und Missverständnisse zu vermeiden. Andere Faktoren wie Motivation oder das sichtbare Verhalten im Umgang mit verschiedenen Kulturen hatten hingegen keinen messbaren Einfluss auf die Arbeitsleistung.
Die Studienautoren stellen daher die bisherige Praxis infrage, kulturelle Kompetenz hauptsächlich über Faktenwissen zu vermitteln. Entscheidend sei nicht die bloße Ansammlung von Wissen, sondern die Fähigkeit, dieses sinnvoll und flexibel anzuwenden.






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