Berlin. – Die sinkenden Geburtenzahlen sind seit Jahren Gegenstand gesellschaftlicher Debatten. Nun sorgt ein Beitrag des Zeit-Autors Bernd Ulrich für Aufmerksamkeit, in dem er die weltweite Fertilitätskrise mit Klimaangst, ökologischer Resignation und einer allgemeinen Weltuntergangsstimmung in Verbindung bringt.
Warnung vor Folgen des Bevölkerungsschwunds
Ausgangspunkt von Ulrichs Überlegungen ist der weltweite Rückgang der Geburtenraten. Laut Prognosen der Vereinten Nationen wird die Weltbevölkerung noch in diesem Jahrhundert zu schrumpfen beginnen. Für den Zeit-Autor ist dies eines der „größten, folgenreichsten und rätselhaftesten Ereignisse der Gegenwart“.
Ulrich widerspricht dabei ausdrücklich der Auffassung, wonach sinkende Geburtenzahlen gesellschaftliche oder ökologische Vorteile brächten. Zwar räumt er ein, dass eine geringere Bevölkerungszahl den Wohnungsmarkt etwa entlasten könne. Zugleich verweist er jedoch auf die Folgen einer alternden Gesellschaft, wie den Mangel an Arbeitskräften oder Pflegepersonal.
Smartphones, soziale Medien und Klimaangst im Fokus
Im Zentrum des Kommentars steht die Frage, warum Menschen weltweit weniger Kinder bekommen. Ulrich ist der Ansicht, dass klassische Erklärungen wie wirtschaftliche Unsicherheit, fehlende Kinderbetreuung oder staatliche Förderprogramme nicht ausreichen.
Er verweist darauf, dass selbst die Abkehr von der Ein-Kind-Politik in China keine Trendwende gebracht hat. Auch nach der Coronapandemie sei die Geburtenrate nicht gestiegen. Deshalb sucht der Zeit-Autor nach tieferliegenden Ursachen.
Zunächst greift Ulrich die These der Sozialwissenschaftlerin Alice Evans auf. Ihrer Meinung nach könnten Smartphones und soziale Medien dazu beitragen, dass Männer und Frauen zunehmend in getrennten virtuellen Welten leben und deshalb seltener Familien gründen. Für ihn ist jedoch eine andere Erklärung entscheidend: die ökologische Krise. Er spekuliert, ob die Menschheit ihre eigene Fortpflanzung infrage stellt, weil sie gleichzeitig wahrnimmt, dass sie „ungebremst in die ökologische Katastrophe“ steuert.
Geburtenrate als „Seelenzustand der Menschheit“
Der Autor beschreibt eine angeblich weltweit vorherrschende Stimmung aus Resignation und Zukunftsangst. Menschen sähen brennende Inseln, zunehmende Dürren, vermüllte Meere oder die Ausbreitung von Wüsten und verlören dadurch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dabei interpretiert er die Geburtenrate geradezu als psychologischen Gradmesser der Gesellschaft. Sie sei womöglich „der einzig zuverlässige Indikator für den Seelenzustand der Menschheit“.
Ulrich ist der Ansicht, dass Umfragen den tatsächlichen Gemütszustand der Menschen verschleiern könnten. Während viele im persönlichen Leben Optimismus bekundeten, würden die sinkenden Geburtenzahlen angeblich eine tief sitzende Verzweiflung über die Zukunft der Welt widerspiegeln.





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