Paris/Brüssel/Antwerpen. – Schon vor dem Finale des Afrika-Cups zwischen Senegal und Marokko war klar: Paris wollte kein Risiko eingehen. Angesichts früherer Ausschreitungen bei Turnieren mit afrikanischen Nationalteams verbot die Polizeipräfektur öffentliche Fanversammlungen im Bereich der Champs-Élysées. Auch Pyrotechnik wurde ausdrücklich verboten. Grund dafür sind die großen senegalesischen und marokkanischen Communities in der Stadt – sowie die Sorge vor erneuten Krawallen in einem der touristisch sensibelsten Viertel Europas.
Trotz Verboten: Videos zeigen Chaos in Paris
Fans, die sich dennoch auf den Champs-Élysées oder in angrenzenden Zonen versammeln wollten, drohten Konsequenzen. Ein präfektoraler Erlass sah Bußgelder in Höhe von 135 Euro vor. Die Sicherheitsmaßnahmen galten nicht nur für die berühmte Prachtstraße, sondern auch für den Arc de Triomphe, den Place de l’Étoile und die Avenue George V., um spontane Ansammlungen zu verhindern, die in der Vergangenheit immer wieder zu Gewalt, Gedränge oder dem Einsatz von Feuerwerkskörpern geführt hatten.
Doch trotz der strengen Auflagen kam es offenbar zu Spannungen. In den Sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Videos, die Ausschreitungen und aggressive Szenen zeigen.
Ein anderer Beobachter brachte seine Frustration über die Lage kurz und drastisch auf den Punkt: „Sie machen uns das Leben zur Hölle …“
Gleichzeitig zeigte sich ein X-Nutzer erfreut darüber, dass die Polizei bei den Störern hart durchgriff.
Ausschreitungen auch in Belgien und Niederlanden
Während die Stadt Paris mit präventiven Maßnahmen erfolglos versuchte, Ausschreitungen zu verhindern, kam es auch in Belgien nach dem Finale zu massiven Unruhen. In der Brüsseler Gemeinde Molenbeek versammelten sich Medienberichten zufolge Hunderte Jugendliche an der Metrostation Étangs Noirs. Es wurden Feuerwerkskörper gezündet und Barrikaden errichtet. Auf dem Platz vor der Station explodierte eine Brandbombe. Eine Bushaltestelle wurde zerstört. Dabei wurden vier Polizisten verletzt und elf Personen vorübergehend festgenommen. Auch in den Niederlanden kam es zu Ausschreitungen, wie Aufnahmen zeigen.
Antwerpen blieb ebenfalls nicht verschont. Im Stadtteil Borgerhout flogen Steine, Eier trafen einen Bus und auch Journalisten wurden attackiert. Neun Personen wurden festgenommen. Polizeisprecher Wouter Bruyns sagte dazu später: „Es war zwar viel los auf der Straße, und in dieser Stimmung gab es einige Menschen mit weniger guten Absichten.“
Scharfe Worte aus der Politik
Belgiens Innenminister Bernard Quintin reagierte mit deutlichen Worten auf die Vorfälle. Seine Botschaft war unmissverständlich: „Die Zeit der Ausreden ist vorbei.“ Er forderte ein hartes Durchgreifen der Justiz: „Die Justiz muss die identifizierten Täter mit den strengsten Maßnahmen bestrafen, und sie müssen jeden Cent des von ihnen verursachten Schadens ersetzen.“ Quintin verurteilte die Gewalt auch gesellschaftlich: „Diese Banden gewalttätiger Randalierer beschmutzen das Image einer ganzen Gemeinschaft.“ Sie würden ihre Nachbarn terrorisieren und ihr Viertel verwüsten.
Auslöser der Spannungen war das Finale des Afrika-Cups. Senegal gewann gegen den Gastgeber Marokko mit 1:0 nach Verlängerung. Das entscheidende Tor fiel in der 94. Minute. Zuvor hatte Marokko einen Elfmeter vergeben, woraufhin es zu langen Diskussionen auf dem Platz kam. Zwischenzeitlich hatten senegalesische Spieler aus Protest die Kabine aufgesucht, sodass ein Spielabbruch kurzzeitig im Raum stand.

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