Kanadas Liberale geraten zunehmend unter Druck von jenen Wählergruppen, die sie über Jahre selbst umworben haben. Das wurde bei der umkämpften Kandidatenwahl der Ontario-Liberalen im Wahlkreis Scarborough Southwest deutlich: Der bundesweit bekannte liberale Abgeordnete Nate Erskine-Smith verlor überraschend gegen den aus Bangladesch stammenden Unternehmer Ahsanul Hafiz, wie kanadische Medien berichten.
Migrantenmobilisierung prägt Kandidatenwahl
Bei der parteiinternen Abstimmung setzte sich Hafiz gegen Erskine-Smith sowie die Mitbewerberinnen Qadira Jackson und Mahmuda Nasrin durch. Der Unternehmer betreibt eigenen Angaben zufolge dutzende Domino’s-Pizza-Filialen in Ontario. Die Abstimmung galt im Vorfeld als äußerst angespannt. Unterstützer der Kandidaten hatten über Wochen hinweg neue Parteimitglieder angeworben. Gewählt wurde mittels Präferenzwahl. Besonders brisant: In Beiträgen auf X wird berichtet, dass in Scarborough Southwest Musterstimmzettel vollständig in bengalischer Sprache verteilt worden seien.
Erskine-Smith spricht von Unregelmäßigkeiten
Erskine-Smith, der von Premierminister Mark Carney unterstützt worden war, deutete nach seiner Niederlage an, das Ergebnis möglicherweise anzufechten. Grund dafür seien Unregelmäßigkeiten. Er habe bereits mit einigen Wahlbeobachtern gesprochen, die gesagt hätten, dass sie so etwas noch nie erlebt hätten, erklärte er. Hafiz wies die Vorwürfe zurück. Der Ablauf sei fair gewesen, sagte er.
Erskine-Smith galt innerhalb der Partei als prominenter Politiker und war bereits Kandidat für den Vorsitz der Ontario-Liberalen. Beobachter sehen seine Niederlage nun als Zeichen dafür, dass sich die ethnische und politische Dynamik innerhalb der liberalen Partei Kanadas zunehmend verändert.







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