Während Präsident Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit den Kurs gegen illegale Migration weiter verschärft, entsteht in Teilen der USA eine ungewöhnliche Konstellation: Rekrutierer der Nationalgarde werben laut einem Bericht der New York Times gezielt mit einem staatlichen Sonderprogramm, das Angehörigen von Soldaten Schutz vor Abschiebung bietet.
Rekrutierung im Schatten von Razzien
In Oregon, wo die Einwanderungsbehörde ICE zuletzt verstärkt gegen Migranten ohne Aufenthaltsstatus vorging, sieht sich die Nationalgarde mit neuen Motiven potenzieller Rekruten konfrontiert. Sergeant First Class Rosa Cortez ist seit fast 20 Jahren Mitglied der Oregon National Guard. Sie berichtet, dass sie und viele ihrer Kollegen mittlerweile mehr bieten als Ausbildung, Kameradschaft und soziale Absicherung: Schutz vor dem Staat, dem sie selbst dienen. Sie wollte „Positivität ausstrahlen“, sagte Cortez gegenüber der NYT über ihren Ansatz als Rekrutiererin. „Die Leute werden es sehen und sich dir anschließen wollen.“ Inzwischen gehe es in vielen Gesprächen jedoch um existenzielle Ängste.
„Parole in Place“ als Schutz vor Abschiebungen
Im Mittelpunkt steht das wenig bekannte Programm „Parole in Place“ (PIP). Es ermöglicht sich illegal im Land aufhaltenden Eltern oder Ehepartnern von US-Soldaten, vor Abschiebung geschützt zu werden, und erleichtert ihnen den Weg zu einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis. Zum Militär dürfen allerdings ausschließlich US-Staatsbürger oder Personen mit permanentem Aufenthaltsstatus.
Das Programm gibt es seit 2013, seine Wurzeln reichen jedoch bis in den Irakkrieg zurück. Damals wurde die Ehefrau eines gefallenen US-Soldaten trotz öffentlicher Empörung abgeschoben. „Die Opfer, die unsere Soldaten und ihre Familien bringen, verdienen unseren größten Respekt“, sagte der damalige Heimatschutzminister Michael Chertoff. Wenige Jahre später wurde das Programm formalisiert.
Im Jahr 2023 nutzten rund 11.500 Angehörige von Rekruten die Regelung, wie die US-Einwanderungsbehörde mitteilte. Das ist ein Anstieg von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor, doch einzelne Bundesstaaten melden einen weiteren Zuwachs. So machten PIP-Fälle in Nevada zuletzt etwa 20 Prozent der neuen Nationalgarde-Rekruten aus.
Ein Fall aus Oregon
Einer der jungen Männer, die sich aus diesem Grund an die Nationalgarde wenden, ist der 23-jährige Juan aus The Dalles in Oregon. Er nahm Kontakt zu Cortez auf, nachdem er ein Video von ihr in den Sozialen Medien gesehen hatte. Auf die Frage nach seinen Lebenszielen antwortete er offen, dass er zuallererst hoffe, dass seine Mutter Anspruch auf PIP erhält, „damit sie das Land nicht verlassen muss“. Für andere junge Menschen ist dieser Schritt bereits Realität. So trat beispielsweise die 20-jährige Lindsey Vazquez der Nationalgarde bei, um ihren Eltern zu helfen, wie die NYT weiter berichtet. Demnach war sie nur 1,42 Meter groß. Um die Anforderungen zu erfüllen, musste sie zunehmen. Ihre Eltern erhielten über PIP bereits Arbeitserlaubnisse und Sozialversicherungsnummern.

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