Am 28. Januar 2026 wurde im thüringischen Meiningen eine neue Schülerverbindung gegründet. Die Pennale Burschenschaft Hermunduria Meiningen versteht sich als farbentragende und pflichtschlagende Verbindung mit klassischem burschenschaftlichem Selbstverständnis. Ihre Mitglieder tragen die Farben Schwarz, Weiß und Enzianblau in Form von Band und Mütze. Für die Anwärter, die sogenannten Füxe, ist eine eigene Farbfolge vorgesehen. Diese knüpft bewusst an eine historische Schülerverbindung an, die zwischen 1925 und 1937 am damaligen Gymnasium Bernhardinum bestand.
Mit dieser Bezugnahme sieht sich die Hermunduria in der Tradition der ehemaligen Meininger Mittelschulverbindung Bernhardina, die einst Anschluss an die Deutsche Turnerschaft pflegte. Inhaltlich beruft sich die neue Verbindung auf die Ideale der frühen burschenschaftlichen Bewegung sowie auf den „ungeteilten deutschen Kulturraum, zum volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff und die damit verbundene Verantwortung für Volk und Nation in einem Europa der Vaterländer“.
Geschichte schlagender Schülerverbindungen
Schlagende Schülerverbindungen entstanden vor allem im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum. Sie orientierten sich in Aufbau, Ritualen und Selbstverständnis an den akademischen Korporationen der Universitäten und übertrugen diese Formen auf den schulischen Bereich. Insbesondere an Gymnasien entwickelten sich Zusammenschlüsse von Schülern, die Wert auf Kameradschaft, Disziplin und lebenslange Verbundenheit legten. Auch die Mensur wurde in abgewandelter Form übernommen. Sie gilt als charakterbildendes Element und wird als Schule persönlicher Standhaftigkeit verstanden.
In Deutschland wie auch in Österreich waren solche Verbindungen häufig eng mit nationalen, kulturellen oder turnerischen Bewegungen verknüpft. Nach Einschnitten durch politische Umbrüche, Verbote und den Zweiten Weltkrieg verschwanden viele Schülerverbindungen oder gingen in anderen Strukturen auf. Seit den 1990er-Jahren ist jedoch eine Wiederbelebung zu beobachten, bei der historische Vorbilder aufgegriffen und in der veränderten gesellschaftlichen Umgebung neu interpretiert werden.
Heutige Stellung in Deutschland und Österreich
Heute nehmen schlagende Schülerverbindungen in Deutschland und Österreich eine Randstellung ein, für ihre Mitglieder besitzen sie jedoch eine hohe identitätsstiftende Bedeutung. Im Gegensatz zu rein schulischen Arbeitsgemeinschaften verstehen sie sich als lebenslange Bünde, die über die Schulzeit hinaus fortbestehen. Zentrale Elemente sind das Tragen von Farben, ein festes internes Regelwerk sowie die Pflege von Ritualen und Veranstaltungen. Die Mensur wird, sofern sie praktiziert wird, als freiwillige, streng reglementierte Form der Persönlichkeitsbildung verstanden.
Während Kritiker in diesen Strukturen ein Relikt vergangener Zeiten sehen, verweisen Befürworter auf Tradition, Gemeinschaftssinn und Verantwortungsbewusstsein. In Österreich sind schlagende Schülerverbindungen teilweise enger mit bestehenden akademischen Korporationslandschaften verflochten, während sie in Deutschland häufiger lokal geprägt sind. Ihnen allen ist der Anspruch gemein, historische Formen bewusst zu bewahren und zugleich einen Platz in der Gegenwart zu finden, ohne den schulischen Alltag ihrer Mitglieder aus dem Blick zu verlieren.



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