Wien. – Die Löschung eines Leserkommentars unter einem Beitrag der österreichischen Tageszeitung Der Standard hat auf der Plattform X eine Debatte über die Moderationspraxis des Mediums ausgelöst. Im Mittelpunkt steht ein Kommentar, der sich auf die Einstufung Marokkos als sicheres Herkunftsland bezog. Ausgangspunkt der Diskussion war ein Standard-Artikel über die spanische Exklave Ceuta. Darin wurde berichtet, dass Schätzungen zufolge innerhalb von 24 Stunden rund 49.000 Menschen Ceuta erreicht hätten.
Unter dem Beitrag schrieb ein Leser: „Gibt null Fluchtgründe für Marrokaner. Sofort in einen Bus setzen und wieder zurück über die Grenze.“ Wie aus den veröffentlichten Screenshots hervorgeht, wurde der Beitrag anschließend entfernt. Als Begründung teilte Der Standard mit: „Ihr Posting wurde nach einer inhaltlichen Prüfung gelöscht. Diese Maßnahme wurde dauerhaft auf derStandard.at gesetzt, da es gegen unsere Community-Richtlinien verstößt: • Störung durch destruktive Diskussion“. Weiter heißt es in dem Hinweis, die Entscheidung beruhe „nicht auf automatisierten Mitteln“.
Der gelöschte Kommentar knüpft an die Einstufung Marokkos im Rahmen des EU-Asyl- und Migrationspakets an. Die Europäische Union führt Marokko auf ihrer Liste sicherer Herkunftsstaaten. Damit geht sie grundsätzlich davon aus, dass dort für Staatsangehörige im Regelfall keine systematische staatliche Verfolgung oder ernsthafte Gefährdung besteht.
Vorwürfe der politischen Zensur
Unter dem Beitrag äußerten weitere Nutzer Kritik an der Moderationspraxis des Mediums. Mehrere Kommentatoren erklärten, sie hätten selbst ähnliche Erfahrungen gemacht. Ein Nutzer schrieb: „Ja, die Foren-Moderatoren sind absolut wertlos. Sehr schade. Ich wurde gebannt weil ich darauf hingewiesen habe dass die Belastungszeugin im Wöginger-Prozess vielleicht auch einmal kritisch hinterfragt werden sollte.“ Ein anderer fragte: „Wie oft seid ihr schon gebannt worden vom Standard wegen normaler Kommentare? Ich muss bald einen 5. Account anlegen.“
Weitere Nutzer warfen dem Medium vor, Beiträge zu entfernen, die von der redaktionellen Linie abweichen. So heißt es in einem Kommentar: „Wegen solch totalitärer Anwandlungen habe ich nach 20+ Jahren den Standard verlassen. Zensiert wird, was der Blattlinie widerspricht. Für mich ist der Standard irgendwo zwischen Prawda und schwarzem Kanal.“ Ein weiterer Nutzer hingegen erklärte: „Vom Standard gelöscht zu werden ist eine Auszeichnung für kritisches Denken.“





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