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Gesellschaft

Wissenschaftler fordern Halbierung der Weltbevölkerung auf vier Milliarden

Bis zum Jahr 2200 soll die Weltbevölkerung nach den Vorstellungen einer Forschergruppe auf rund vier Milliarden Menschen gesenkt werden. Die Wissenschaftler halten das für notwendig, um Umwelt und Ressourcen dauerhaft zu entlasten.

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Eine neue Studie plädiert dafür, die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2200 schrittweise auf rund vier Milliarden Menschen zu senken. (Bild: IMAGO / NurPhoto)

Eine internationale Forschergruppe spricht sich für eine deutliche Verringerung der Weltbevölkerung aus. Ihrer Auffassung nach kann die Erde dieses starke Bevölkerungswachstum langfristig nicht tragen. In einer im Fachjournal Sustainable Development veröffentlichten Studie plädieren die Wissenschaftler dafür, die globale Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2200 schrittweise auf rund vier Milliarden Menschen zu senken, wie die Daily Mail berichtet. Den Angaben der Autoren zufolge ist die Weltbevölkerung innerhalb der vergangenen hundert Jahre von weniger als zwei Milliarden auf inzwischen rund 8,3 Milliarden Menschen angestiegen. Diese Entwicklung setze die natürlichen Ressourcen des Planeten zunehmend unter Druck.

Bevölkerungswachstum im Fokus

Die Wissenschaftler argumentieren, die gesamten Auswirkungen der Menschheit auf die Umwelt ergäben sich aus der individuellen Umweltbelastung jedes Einzelnen, multipliziert mit der Zahl der Menschen. Da der Ressourcenverbrauch und die Abfallproduktion pro Kopf bislang nicht erkennbar zurückgegangen seien, könne eine steigende Umweltbelastung langfristig nur durch eine geringere Bevölkerungszahl verhindert werden.

Für ihre Untersuchung verglichen die Forscher verschiedene Nachhaltigkeitsindikatoren mit der Entwicklung der Weltbevölkerung. Demnach habe sich die Bevölkerung in den vergangenen 50 Jahren etwa verdoppelt. Im gleichen Zeitraum seien die weltweiten CO₂-Emissionen stärker gestiegen als die Bevölkerung, der Energieverbrauch habe sich verdreifacht und die Artenvielfalt habe sich mehr als halbiert. Auch der Abbau von Mineralien und der Einsatz von Pestiziden hätten sich weltweit mehr als vervierfacht.

Prognosen rechnen mit weiterem Wachstum

Laut den Studienautoren deuten aktuelle Prognosen auf ein weiteres Bevölkerungswachstum hin. Konservative Prognosen gehen von rund 11,4 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2100 aus. Neuere Berechnungen der australischen Flinders University kommen sogar auf bis zu 12,4 Milliarden Menschen gegen Ende der 2070er-Jahre. Den Forschern zufolge würde eine solche Entwicklung nahezu doppelt so hohe CO₂-Emissionen, einen entsprechend höheren Energie- und Pestizidverbrauch sowie ein vervielfachtes Plastikaufkommen zur Folge haben.

Die Autoren betonen, dass sie keine Zwangsmaßnahmen zur Reduzierung der Bevölkerungszahl befürworten. Im Gegensatz zu früheren Programmen wie der chinesischen Ein-Kind-Politik solle dies ohne Zwang oder staatliche Vorgaben erreicht werden. Die Wissenschaftler sehen einen besseren Zugang zu Familienplanungsangeboten für Frauen, insbesondere in einkommensschwachen Ländern, als zentralen Ansatz. Ihrer Einschätzung nach haben derzeit rund 200 Millionen Frauen keinen Zugang zu entsprechenden Dienstleistungen. Könnten Frauen selbstbestimmt über die Zahl ihrer Kinder entscheiden, würden die Geburtenraten häufig auf oder unter das Bestandserhaltungsniveau zurückgehen.

Kritiker verweisen auf wirtschaftliche Folgen

Nach Auffassung der Autoren könnte ein langsamer Rückgang der Weltbevölkerung den Druck auf die natürlichen Ressourcen verringern, die Umweltverschmutzung reduzieren und die Lebensqualität, insbesondere in dicht besiedelten Regionen, verbessern. Gleichzeitig räumt die Studie ein, dass ein deutlicher Rückgang der Geburtenrate wirtschaftliche Herausforderungen mit sich bringen könnte. Viele Volkswirtschaften seien auf eine ausreichend große Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter angewiesen.

Die Autoren nennen Südkorea als Beispiel, wo bereits mehr als ein Fünftel der Bevölkerung älter als 65 Jahre ist. Laut Einschätzung des Internationalen Währungsfonds könnte die Alterung der Gesellschaft die Zahl der Erwerbstätigen dort bis 2050 um mehr als ein Viertel verringern und das langfristige Wirtschaftswachstum deutlich bremsen. Dennoch kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass eine Begrenzung des Bevölkerungswachstums sowie des weiter steigenden Konsums aus ökologischer Sicht notwendig sei.

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