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Politik

Die Anatomie des AfD-Erfolgs in Sachsen-Anhalt

Die AfD Sachsen-Anhalt erzielte bei den Landtagswahlen am vergangenen Sonntag ein Rekordergebnis von 43,8 Prozent nach Zweitstimmen. Mag dieses Ergebnis historisch einmalig sein, so findet sich doch die ein oder andere historische Parallele, die erkennen lässt, dass sich dieser Erfolg der AfD bereits abgezeichnet hat.

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Ulrich Siegmund am Wahlabend: Besonders die Mobilisierung früherer Nichtwähler trug zum starken Abschneiden der AfD in Sachsen-Anhalt bei.
Ulrich Siegmund am Wahlabend: Besonders die Mobilisierung früherer Nichtwähler trug zum starken Abschneiden der AfD in Sachsen-Anhalt bei. (Bild: IMAGO / Revierfoto)

Wer die Zahlen am Sonntag verfolgte, konnte schon wenige Stunden nach Öffnung der Wahllokale eine Rekordbeteiligung bei den Landtagswahlen beobachten: 77,8 Prozent aller Wahlberechtigten gaben am Sonntag ihre Stimme in Sachsen-Anhalt ab. Die zweithöchste Wahlbeteiligung in der Geschichte der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt war im Jahr 1998 mit 71,5 Prozent zu verzeichnen. Damals trat der Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) nach vier Jahren „Magdeburger Modell“ (SPD-Minderheitsregierung unter Duldung der PDS) in einer politisch brisanten Ausgangslage zur Wiederwahl an. Gleichzeitig kandidierte erstmals in Sachsen-Anhalt die rechte „Deutsche Volksunion“ (DVU), die mit einem sehr material- und kostenintensiven Wahlkampf bundesweit für Aufsehen sorgte. Dementsprechend war der Wahlkampf zwischen linken (SPD, PDS) und rechten (DVU) Kräften von einer starken Polarisierung geprägt, die in besonderem Maße einstige Nichtwähler an die Urnen bewegte und die Wahlbeteiligung um 16,7 Prozent im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl 1994 anheben ließ. Die SPD gewann damals zwei Prozentpunkte dazu und die PDS konnte ihr Ergebnis von 1994 halten, womit Reinhard Höppner sein „Magdeburger Modell“ fortsetzen konnte. Die DVU erzielte aus dem Stand 12,9 Prozent und zog als Neuling in den Landtag von Magdeburg ein. Schwere Verluste erlitt die CDU, die 12,4 Prozentpunkte im Vergleich zu 1994 einbüßen musste.

Die Landtagswahl 2026 verlief nahezu analog: Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 stieg die Wahlbeteiligung von 60,3 auf 77,8 Punkte. Dabei konnte die AfD ihre Zahl an absoluten Stimmen auf das 2,6-Fache im Vergleich zur Landtagswahl erhöhen. Der linke Block, bestehend aus SPD, Grünen und Linken, der in öffentlichkeitswirksamen Kampagnen als Bollwerk gegen eine AfD-Alleinregierung beworben wurde, konnte seine Zahl an absoluten Stimmen ebenfalls um gut 30 Prozent erhöhen. Im Gegensatz dazu verlor die CDU wie schon 1998 dramatisch an Stimmen. Daraus lässt sich folgern, dass eine starke Polarisierung von Rechts und Links vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt grundsätzlich deutlich mehr Wähler an die Wahlurnen bewegt, insbesondere die AfD hat daher ein sehr starkes Potenzial bei Nichtwählern, das sie 2026 vermutlich fast vollständig abrufen konnte.

Wählerwanderung: AfD motivierte zahlreiche Nichtwähler

Nach der Analyse von Infratest dimap gaben insgesamt 258.000 damalige Nichtwähler diesmal ihre Stimme ab. Von diesen ehemaligen Nichtwählern gaben 170.000 ihre Stimme der AfD, also zwei Drittel. 44.000 Wähler, die 2021 von der Wahl fern blieben, votierten diesmal für die Linke, die SPD oder die Grünen. Das entspricht 17 Prozent aller Ex-Nichtwähler. Das bedeutet, dass die AfD insgesamt vier Mal so viele Nichtwähler zur Stimmabgabe motivieren konnte, als es die drei linken Parteien taten, die im Falle von SPD und Grünen durch die linke NGO CAMPACT großzügig im Wahlkampf unterstützt wurden. Nur 30.000 ehemalige Nichtwähler (12 Prozent aller Nichtwähler von 2021) konnte Sven Schulze von der CDU zusätzlich von einer Stimmabgabe überzeugen.

Maßgeblich für diese Werte dürfte sein, dass Ulrich Siegmund für zahlreiche Politikverdrossene und Desinteressierte ein positives Angebot unterbreitete, über das er mit großer multimedialer Reichweite zahlreiche Bürger von Sachsen-Anhalt gewinnen konnte. Dementsprechend hatte die Kommunikationsstrategie von SPD und Grünen, mit einer Stimme für sie könne eine AfD-Alleinregierung verhindert werden, weitaus weniger Zugkraft, da es in ihrer Kampagne um einen reinen Verhinderungswahlkampf ohne positive Vision ging.

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