Hamburg. – In Hamburg erhalten derzeit Tausende Schulanfänger Post mit einer Einladung ins Schwimmbad. Im Rahmen der Aktion „Ab ins Wasser“ haben die Innenbehörde und Bäderland Hamburg Gutscheine an alle Erstklässler der Stadt verteilt. Damit sollen rund 19.000 Kinder zu kostenlosen Besuchen in Hamburger Schwimmbädern motiviert werden.
Die Gutscheine ermöglichen drei kostenfreie Schwimmbadbesuche für ein Kind in Begleitung eines Elternteils. Seit diesem Monat können sie in den Bädern von Bäderland eingelöst werden. Mit der Initiative sollen Kindern bereits zu Beginn ihrer Schulzeit positive Erfahrungen im Wasser ermöglicht werden, damit sie die Grundschule später als sichere Schwimmer verlassen, wie Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) in dem Anschreiben an die Eltern betont. Neben den Gutscheinen erhalten die Familien auch eine „Aquabag“. Diese enthält unter anderem Spielmaterialien zur Wassergewöhnung, Ausmalbilder, Hinweise zu Online-Lehrvideos und eine mehrsprachige Informationsbroschüre.
Deutsch erst auf der zweiten Seite
Gerade diese Informationsbroschüre, die die FREILICH-Redaktion kürzlich erreichte, sorgt nun jedoch für Aufmerksamkeit. Während der Umschlag der Broschüre zunächst noch weitgehend unauffällig wirkt, fällt beim Aufschlagen sofort auf, dass die erste Innenseite nicht auf Deutsch verfasst ist. Stattdessen beginnt die Broschüre mit einem türkischen Text. Die deutsche Version erscheint erst auf der folgenden Seite. In der Broschüre folgen anschließend Beschreibungstexte in weiteren Sprachen, darunter Englisch, Russisch, Französisch und Arabisch.
Inhaltlich enthält die Broschüre Hinweise zur Wassergewöhnung von Kindern, etwa spielerische Übungen für den Alltag, sowie Tipps für den Besuch im Schwimmbad. Ergänzend wird auf Videos und weitere Materialien im Internet verwiesen.
Kritik aus der Opposition
Von der Opposition kommt nun Kritik an der Broschüre. Der schulpolitische Sprecher der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, Benjamin Mennerich, erklärte gegenüber FREILICH: „Dass Türkisch sprechende Eltern und Kinder offenbar mehr Bedarf an Schwimmkursen haben als deutsche, ist ein weiteres dramatisches Symptom der Parallelgesellschaften“. Wenn die deutsche Sprache bei behördlichen Aufklärungskampagnen nachrangig verwendet werde, würden die Parallelgesellschaften in Deutschland zementiert, so die Kritik. Mit dieser Kampagne setze der rot-grüne Senat ein „katastrophales Signal“. Sprache sei der Schlüssel zur Integration, so Mennerich. Wenn man die deutsche Sprache zu einer Option unter vielen werden lasse, „dann säuft uns die Integration ab“.
Bäderland Hamburg bemüht sich um Erklärung
Auf Nachfrage bei der Hamburger Behörde für Inneres und Sport bemühte man sich um eine Einordnung der Gestaltung. Für die Bäderland Hamburg GmbH teilte man gegenüber FREILICH mit, die Platzierung der deutschen Fassung sei bewusst so erfolgt. Die deutschsprachige Information befinde sich auf der „prominent sichtbaren Umschlagsseite 2“. Diese Seite sei beim regulären Auffalten der Broschüre auch als erste sichtbar. Zudem sei der gesamte Umschlag der Broschüre „ohnehin auf Deutsch“ gestaltet. Die weiteren Sprachversionen seien aufgenommen worden, „um einen möglichst großen Teil der Zielgruppe zu erreichen“. Laut Bäderland handelt es sich dabei um die am weitesten verbreiteten Sprachen in der Stadt.
Dass die Debatte um die Sprachreihenfolge in der Broschüre nun in eine Zeit fällt, in der sich die sprachliche Zusammensetzung der Hamburger Schülerschaft weiter verändert, dürfte für zusätzlichen Zündstoff sorgen. Laut Angaben der Schulbehörde steigt der Anteil der Kinder, in deren Familien zu Hause überwiegend kein Deutsch gesprochen wird, nämlich weiter an. Inzwischen liegt dieser bei 34,9 Prozent und erreicht damit einen neuen Höchstwert.




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