Berlin. – Eigentlich sollte der Deutsche Buchhandlungspreis 2025 in der kommenden Woche im Rahmen der Leipziger Buchmesse verliehen werden. Statt eines Festakts gibt es nun jedoch eine Absage. Das Büro von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer begründete diesen Schritt am Dienstag mit der eskalierten Auseinandersetzung um drei Jury-Vorschläge, die aufgrund von „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ nicht berücksichtigt wurden. In einer Stellungnahme heißt es, die Debatte drohe „den eigentlichen Sinn der Veranstaltung – nämlich die Auszeichnung und Ehrung unabhängiger Buchhandlungen – zunehmend zu überlagern“. Eine „angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger“ sei in diesem Umfeld „kaum noch möglich“.
Die für den 19. März 2026 geplante Veranstaltung findet somit nicht statt. Das Preisgeld und die Urkunden sollen den ausgewählten Buchhandlungen stattdessen direkt übermittelt werden. Zudem kündigte das Haus des Kulturstaatsministers eine spätere öffentliche Diskussion über „Kunst- und Meinungsfreiheit und die Bedeutung staatlich finanzierter Kunstpreise“ an. Die betroffenen Buchhandlungen wollen nun juristisch gegen die Entscheidung vorgehen.
Vorgeschichte reicht Monate zurück
Die jetzige Absage kommt nicht aus heiterem Himmel. Bereits seit Monaten steht die staatliche Preisvergabe im Kulturbereich unter Beobachtung. FREILICH hatte im vergangenen Jahr zunächst über den Deutschen Verlagspreis und kürzlich auch über den Deutschen Buchhandlungspreis 2025 berichtet. Im Zentrum stand dabei jeweils die Frage, nach welchen Maßstäben staatlich geförderte Kulturpreise vergeben werden und warum unter den Ausgezeichneten immer wieder Häuser mit deutlich linksradikaler oder aktivistischer Ausrichtung auftauchen.
Die Recherchen blieben dabei nicht ohne Echo. Auch andere Medien, darunter die Junge Freiheit und Nius, griffen die Debatte auf. In der Folge rückten nicht nur die Zusammensetzung der Preisträgerlisten, sondern auch die Rolle der Jury und die politische Verantwortung des Kulturstaatsministers zunehmend in den Mittelpunkt.
Wachsender Druck auf Weimer
Nach den Diskussionen um den Verlagspreis und den Buchhandlungspreis geriet das gesamte Verfahren unter stärkeren Druck. Politische Beobachter und Abgeordnete wie der AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich vermuteten, dass Weimer beim Buchhandlungspreis nun reagierte, indem er die Vorschlagsliste der Jury veränderte und drei Buchhandlungen strich. Genau dieser Eingriff löste dann den nächsten Konflikt aus. Aus der linken Szene kam scharfer Protest, begleitet von öffentlichem Druck und dem Vorwurf politischer Einflussnahme.




Kommentare
Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt!