Berlin. – Eine Hausdurchsuchung beim linken Fotojournalisten Leon Enrique Montero sorgt derzeit für Aufregung im linken Medienmilieu. Die Taz stilisiert den Vorgang besonders stark als Angriff auf die Pressefreiheit, obwohl gegen ihren freien Fotografen zugleich wegen eines mutmaßlichen Gewaltdelikts ermittelt wird, wie Zuerst berichtet.
Was war passiert?
Am Morgen des 11. Februars durchsuchten Polizeibeamte die Wohnung von Montero in Hannover. Hintergrund ist ein Vorfall bei einer Demonstration unter dem Motto „Gerechtigkeit für Lorenz“, die am 8. November in Oldenburg stattfand. Laut den Ermittlern sollen mehrere Personen zwei Zuschauer angegriffen haben, die dem rechten politischen Spektrum zugeordnet werden. Dabei soll ein Mann so schwer verletzt worden sein, dass er einen Schienbeinbruch erlitt und mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden musste. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg verdächtigt Montero und eine weitere identifizierte Person, an dem Angriff beteiligt gewesen zu sein. Montero selbst weist die Vorwürfe zurück.
Laut dem betroffenen Fotografen fand der Polizeieinsatz früh am Morgen statt. Beamte hätten an seine Wohnungstür gehämmert und gerufen: „Noch fünf Sekunden, dann rammen wir die Tür ein.“ Als er die Tür öffnete, habe er zwölf vermummten Polizisten gegenübergestanden. Die Beamten durchsuchten anschließend mehrere Stunden lang die Wohnung und beschlagnahmten Computer, Telefone und Speicherkarten. Anschließend wurde er zur Wache gebracht und erkennungsdienstlich behandelt, wie die Taz berichtet.
Taz spricht von Angriff auf Pressefreiheit
Eine der später Verletzten veröffentlichte noch am Tag des Vorfalls ein Video der Situation. Darauf ist zu sehen, wie sie und ihr Begleiter sich dem Demonstrationszug nähern und lautstark protestieren. Als eine Demonstrantin gegen einen Bus schlägt, ruft sie: „Ey, hört auf damit!“ Kurz darauf eskaliert die Situation. Eine Demonstrantin ruft mehrfach: „Ihr sollt nicht filmen!“ und „Verlasst bitte die Demo!“. Montero erklärte später, er habe versucht, die Situation zu beruhigen: „Ich habe gesehen, dass die Parteien auf Konflikt aus sind, und wollte die Situation beruhigen.“ Den Tatverdacht weist der Fotograf zurück. „Ich mache mir keine Sorgen, tatsächlich angeklagt zu werden“, erklärte er.
Die Taz, für die Montero regelmäßig arbeitet, bewertet die Ermittlungen als Eingriff in die Pressefreiheit. Chefredakteurin Ulrike Winkelmann sagte dazu: „Wir verlangen, dass unser freier Fotograf sein Arbeitsmaterial sofort zurückbekommt. Es kann nicht sein, dass die Polizei ihn an seiner Berufsausübung hindert, das verstößt ja gleich gegen mehrere Grundrechte.“




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