St. Pölten/Wien. – Zum Ende des Ramadan vergangene Woche sorgte ein wiederkehrendes Phänomen für politische Diskussionen. Laut FPÖ bleiben rund um das Zuckerfest auffällig viele Schüler dem Unterricht fern. Der niederösterreichische Bildungssprecher Helmut Fiedler sieht darin eine bedenkliche Entwicklung und warnt vor einer Aushöhlung der Schulpflicht: „Wenn am Freitagvormittag, rund ums Ramadan-Ende, auffällig viele schulpflichtige Kinder nicht im Unterricht sind, sondern sich im öffentlichen Raum aufhalten, dann läuft etwas grob falsch“, erklärt Fiedler in einer Aussendung. Ein solches Bild wolle man in Österreich nicht akzeptieren.
Keine Ausnahmen von der Schulpflicht
Für die Freiheitlichen ist die Rechtslage klar: Der Schulbesuch sei verpflichtend und dürfe nicht durch pauschale Ausnahmen untergraben werden. Religiöse Praxis werde zwar respektiert, dürfe aber nicht dazu führen, dass der Unterricht zur Nebensache wird. „Auch rund um den Ramadan gilt: Eine generelle Freistellung vom Unterricht darf es nicht geben“, so Fiedler. Wer hier beginne, Ausnahmen zur Regel zu machen, stelle das gesamte System infrage. Aus Sicht der FPÖ sind Freistellungen nur in begründeten Einzelfällen zulässig und müssen individuell geprüft werden. Ein kollektives Fernbleiben ganzer Schülergruppen lehnt die Partei hingegen strikt ab.
Für die FPÖ steht im Zentrum der Debatte auch die Frage der Gleichbehandlung. Unterschiedliche Regeln für verschiedene Gruppen seien mit einem funktionierenden Bildungssystem nicht vereinbar. „Es müssen gleiche Maßstäbe für alle Kinder gelten“, fordert Fiedler. Ziel sei es nicht, religiöse Feste zu verhindern, sondern die Verbindlichkeit des Unterrichts sicherzustellen.
Wirbel in Wien
Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch einen konkreten Vorfall an einer Mittelschule in Wien-Liesing. Ein Lehrer hatte dort Eltern darüber informiert, dass ihre Kinder anlässlich des Fastenbrechens dem Unterricht fernbleiben könnten, sofern dies gemeldet werde. Die Reaktionen darauf fielen unterschiedlich aus. Eine Mutter äußerte deutliche Kritik: „Ich finde es eine Frechheit gegenüber den nicht muslimischen Kindern. Nur weil sie keine Muslime sind, sollen sie in die Schule gehen“, zitiert heute die Frau. Muslimische Kinder hätten an einem christlichen Feiertag auch schulfrei, ergänzte sie.
Nachdem das Schreiben bekannt geworden war, griff die Schulleitung in Abstimmung mit der Bildungsdirektion Wien ein und korrigierte die Information. Dabei wurde klargestellt, dass es keine generelle Freistellung für religiöse Anlässe ohne gesetzlichen Feiertag gibt. Grundsätzlich gelte weiterhin, dass Schüler am Unterricht teilnehmen müssen. Ein Fernbleiben sei nur auf Antrag und nach individueller Prüfung des Einzelfalls möglich. Feiern wie das Zuckerfest sollen daher außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden.




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