Noch vor wenigen Jahren galt Maximilian Krah als eines der prägendsten Gesichter der AfD. Während viele Politiker die sozialen Netzwerke vor allem als zusätzlichen Kommunikationskanal nutzten, machte der damalige Europaabgeordnete aus Sachsen TikTok zu seiner Bühne. Mit kurzen, provokanten Botschaften wie „Echte Männer sind rechts“ oder „Unsere Vorfahren waren keine Verbrecher“ erreichte er regelmäßig Hunderttausende, teils sogar Millionen Nutzer und entwickelte sich zu einem der reichweitenstärksten Politiker der Partei.
Vor allem bei jungen Menschen verschaffte ihm diese Form der direkten Ansprache eine Aufmerksamkeit, die weit über die eigene Anhängerschaft hinausreichte. Der heutige Bundestagsabgeordnete Krah wurde damit zu einem der bekanntesten digitalen Aushängeschilder der AfD und prägte über Jahre das Bild einer Partei, die auf sozialen Medien erfolgreicher agierte als ihre politischen Konkurrenten. Umso größer ist der Kontrast zu seiner Rolle heute: Seit Monaten sorgt Krah immer wieder mit umstrittenen Äußerungen für Diskussionen – nicht zuletzt innerhalb der eigenen Partei.
Vom Hoffnungsträger zum innerparteilichen Kritiker
Bereits mit seinem Einzug in den Bundestag geriet Krah zunehmend in Konflikt mit Teilen der eigenen Partei und des patriotischen Vorfelds. Nach übereinstimmenden Berichten aus Parteikreisen bemühte er sich um einen moderateren Kurs und suchte öffentlich den Schulterschluss mit eher pragmatisch auftretetenden Landesverbänden wie jenem um den nordrhein-westfälischen AfD-Landeschef Martin Vincentz. Zugleich warnte er wiederholt vor dem Begriff „Remigration“, den er zunehmend als strategische Belastung für die Partei betrachtete, und forderte eine klare Abgrenzung vom Konzept Martin Sellners. Gleichzeitig sprach er sich für eine mehrheitsfähige Migrationspolitik aus und warb offen dafür, auch konservative Wähler mit Migrationshintergrund – etwa aus der Türkei, vom Balkan oder der ehemaligen Sowjetunion – für die AfD zu gewinnen. Anfang 2026 ging er noch einen Schritt weiter und erklärte, die Partei müsse für eine spätere Zusammenarbeit mit der CDU auf bisherige „Maximalforderungen“ verzichten, da andernfalls eine Regierungsbeteiligung dauerhaft unerreichbar bleibe.
Diese Positionen lösten erhebliche Kritik innerhalb der eigenen Reihen aus. Der Thüringer AfD-Landeschef Stefan Möller warf Krah „Anbiederung“ und „Appeasement“ gegenüber der CDU vor, während der Verleger Götz Kubitschek ihm vorhielt, sich dem politischen Establishment anzupassen und zentrale Positionen der Partei preiszugeben. Besonders scharf wurde kritisiert, dass Krah öffentlich zur Distanzierung von Martin Sellner aufrief, gemeinsame Auftritte mit ihm ablehnte und zugleich erklärte, seit Monaten in engem Austausch mit Correctiv zu stehen. Das Medium war durch seine fragwürdige Presseberichterstattung zum Treffen rechter und konservativer Akteure in Potsdam aufgefallen, bei der Fakten und Meinungsurteile oftmals verschwammen und Gerichte teilweise ganze Aussagen der Recherche untersagten. Damit verfestigte sich im patriotischen Lager zunehmend der Eindruck eines grundlegenden strategischen Richtungswechsels.
Krah geht in die Offensive
Krahs strategische Neuorientierung beschränkte sich jedoch nicht auf Einzeläußerungen. Im Sommer 2025 trug Krah seine Positionen auch parteiintern offensiv vor. In einem viel beachteten Vortrag vor Abgeordneten und Mitarbeitern der AfD-Bundestagsfraktion warnte er eindringlich vor den rechtlichen Folgen einer Nähe zur Identitären Bewegung und zu Martin Sellners Remigrationskonzept. Nach seiner Einschätzung drohe der Identitären Bewegung ein Verbot, die AfD müsse deshalb unmissverständlich klarstellen: „Finger weg von Staatsbürgern, das muss unser Mantra sein.“





