Die US-Regierung treibt Pläne voran, die zivile Industrie stärker in die Rüstungsproduktion einzubinden. Im Zentrum stehen dabei auch große Automobilkonzerne, wie das Wall Street Journal (WSJ) berichtet. Künftig sollen sie womöglich militärisches Gerät statt ziviler Fahrzeuge herstellen. Nach Angaben von Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind, haben hochrangige Vertreter des US-Verteidigungsministeriums bereits mit führenden Managern mehrerer Unternehmen gesprochen, darunter GM-Chefin Mary Barra und Ford-CEO Jim Farley. Das Ziel besteht demnach darin, die Produktionskapazitäten der Konzerne für militärische Zwecke nutzbar zu machen.
„Kriegswirtschaft“ als Leitbild
Die Überlegungen gehen dahin, Personal und Fabriken der Industrie einzusetzen, um die Produktion von Munition und militärischer Ausrüstung auszuweiten. Hintergrund sind schrumpfende Bestände infolge internationaler Konflikte, insbesondere in der Ukraine und im Iran. Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach in diesem Zusammenhang davon, die Industrie auf eine „Kriegswirtschaft“ auszurichten. Ein Pentagon-Vertreter erklärte laut dem WSJ-Bericht, man sei „entschlossen, die Verteidigungsindustrie rasch auszubauen, indem alle verfügbaren kommerziellen Lösungen und Technologien genutzt werden, um unseren Streitkräften einen entscheidenden Vorteil zu sichern“.
Den Insidern zufolge haben die laufenden Konflikte den Druck erhöht, neue Produktionspartner zu gewinnen. Vor allem Munition, Raketen und Technologien zur Drohnenabwehr sollen demnach schneller und in größeren Mengen produziert werden. In den Gesprächen betonten Pentagon-Vertreter, dass der Ausbau der Waffenproduktion eine Frage der nationalen Sicherheit sei. Zugleich wurde geprüft, wie schnell Unternehmen ihre Fertigung auf militärische Anforderungen umstellen können und welche Hürden – etwa bei Ausschreibungen oder Verträgen – bestehen.
Automobilhersteller als neue Rüstungsakteure?
In die Gespräche wurden auch andere Konzerne einbezogen, darunter GE Aerospace und der Fahrzeug- und Maschinenbauer Oshkosh. Letzterer produziert zwar bereits militärische Transportfahrzeuge, erzielt jedoch den Großteil seines Umsatzes im zivilen Bereich. Ein Unternehmensvertreter erklärte, man prüfe aktiv, wie eigene Kapazitäten eingebracht werden könnten, und habe bereits entsprechende Initiativen angestoßen. Man habe klar verstanden, dass das Thema hohe Priorität habe.
Die Einbindung der Autoindustrie ist nicht neu: Während der Coronapandemie produzierten GM und Ford gemeinsam mit Medizintechnikfirmen Beatmungsgeräte. Ein noch weiter zurückreichendes Beispiel ist der Zweite Weltkrieg, als US-Autokonzerne ihre Produktion vollständig auf militärische Güter umstellten. Heute ist die Rüstungsproduktion stark auf wenige spezialisierte Unternehmen konzentriert. Zwar arbeiten viele große Industriekonzerne bereits mit dem Pentagon zusammen, jedoch meist nur in begrenztem Umfang.
General Motors ist mit einer eigenen Sparte bereits im Verteidigungsbereich tätig und produziert unter anderem ein leichtes Infanteriefahrzeug auf Basis eines Pick-ups. Der Anteil am Gesamtgeschäft ist bislang jedoch gering. Künftig könnte GM eine noch größere Rolle spielen. Das Unternehmen gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Entwicklung eines neuen Militärfahrzeugs für die US-Armee, das den Humvee ersetzen soll. Dieses Fahrzeug wäre nicht nur für den Truppentransport gedacht, sondern auch als mobile Energie- und Kommandozentrale einsetzbar.
Rekordbudget für das Pentagon geplant
Parallel dazu plant das US-Verteidigungsministerium ein historisch hohes Budget. Mit rund 1,5 Billionen Dollar soll insbesondere die Produktion von Munition und Drohnentechnologie massiv ausgebaut werden. Die Gespräche mit der Industrie markieren somit einen weiteren Schritt hin zu einer engeren Verzahnung von ziviler Wirtschaft und militärischer Produktion, was potenziell weitreichende Folgen für die US-Industrie haben könnte.






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