Erfurt. – Im vergangenen Jahr verbreitete sich das Video einer verzweifelten Unternehmerin aus Thüringen rasant auf LinkedIn. Darin rechnete Karlotta Gründobler, Geschäftsführerin des Industrieofenbauers Eliog mit Sitz in Römhild, mit deutschen Behörden ab. Sie sprach von „Scheißbürokratismus“ und kritisierte den Umgang mit Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen und investieren wollten. Für viele wurde der Clip zum Symbol einer Wirtschaft, die unter Bürokratie, hohen Kosten und ausbleibender Unterstützung leidet. Nun musste ausgerechnet jenes Unternehmen Insolvenz anmelden, dem Thüringens CDU-Ministerpräsident Mario Voigt öffentlich Hilfe zugesichert hatte.
Virales Video machte Eliog bundesweit bekannt
Auslöser des Videos war ein Behördentermin beim Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr in Zella-Mehlis. Eliog plante eine neue Werkshalle in Römhild und benötigte dafür eine Zufahrt, die auch für Schwertransporte geeignet ist. Die tonnenschweren Industrieöfen des Unternehmens können nämlich nur mit Spezialtransportern ausgeliefert werden.
Laut Gründobler zog sich die Bauvoranfrage bereits seit rund anderthalb Jahren hin. Beim Termin sei ihr schließlich erklärt worden, dass das Straßenrecht Vorrang habe und nicht jedes Unternehmen einfach eine neue Zufahrt errichten könne. Kurz darauf veröffentlichte sie das emotionale Video. Der Beitrag löste eine breite Resonanz aus. Zahlreiche Unternehmer berichteten von ähnlichen Erfahrungen mit Behörden.
Voigt versprach Unterstützung
Der Fall erreichte schließlich auch die Thüringer Staatskanzlei. Ministerpräsident Mario Voigt erklärte später, das Video sei mit der Frage an ihn herangetragen worden: „Können wir da nicht was machen?” Offenbar griff die Landesregierung daraufhin ein. Denn tatsächlich erhielt Eliog kurze Zeit später einen positiven Bescheid für die Bauvoranfrage. Im Rahmen seiner Sommertour besuchte Voigt daraufhin den Standort in Römhild persönlich. Der CDU-Politiker erklärte damals, die Vor-Ort-Termine sollten zeigen, „wo es klemmt“. Zugleich wolle man demonstrieren, dass Probleme auch gelöst werden könnten.
Traditionsunternehmen meldet Insolvenz an
Trotz politischer Unterstützung musste Eliog nun Insolvenz anmelden. Der Industrieofenspezialist stellte einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Meiningen. Von der Krise sind 74 Beschäftigte betroffen. Zum Sanierungsgeschäftsführer wurde Stefan G. Mairiedl bestellt. Er erklärte: „Ziel des Verfahrens ist es, die Substanz des Unternehmens zu erhalten, einen Sanierungsplan voranzutreiben und möglichst mit tatkräftiger Unterstützung eines Investors umzusetzen.“
Das Unternehmen gilt als traditionsreicher Spezialist für Industrieöfen, unter anderem für die Automobilindustrie. Es wurde bereits 1924 in Düsseldorf gegründet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion nach Römhild in Südthüringen verlagert. Auch zu DDR-Zeiten bestand der Betrieb weiter. Seit 2011 ist Eliog Teil der familiengeführten Rupprecht-Gruppe.
Auftragskrise trifft auch Weltmarktführer
Wie das Unternehmen angibt, brechen Aufträge weg oder werden verschoben. Die schwache Konjunktur in Deutschland trifft den spezialisierten Maschinenbau besonders hart.
Dirk Eichelbaum von dhmp Restrukturierung sagte: „Eliog Industrieofenbau steht exemplarisch für den spezialisierten ost- und mitteldeutschen Maschinenbau: technisch anspruchsvoll, international tätig, mittelständisch geprägt.“ Doch selbst hochspezialisierte Betriebe leiden inzwischen unter fehlenden Bestellungen.
Diese Entwicklung ist kein Einzelfall. Laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft EY sind allein im vergangenen Jahr rund 120.000 Industriearbeitsplätze in Deutschland verloren gegangen. Als Ursachen werden hohe Energiepreise, steigende Personalkosten und die schwierige geopolitische Lage genannt. Jan Brorhilker von EY sagte: „Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise – 2025 war das zweite Jahr in Folge mit einem rückläufigen Umsatz, und eine Trendwende ist nicht in Sicht.“ Klar sei angesichts dieser Zahlen aber auch, dass es schon einen „echten und deutlichen Aufschwung“ bräuchte, um ein weiteres Abschmelzen der Beschäftigung zu verhindern, erklärte er.





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