Wiesbaden. – Der neue Hessische Integrationsmonitor zeigt eine widersprüchliche Entwicklung bei Zuwanderung und Arbeitsmarktintegration. So ist die Zahl ausländischer Beschäftigter in Hessen seit 2020 zwar deutlich gestiegen, zugleich verzeichnet das Land jedoch erstmals einen negativen Wanderungssaldo bei der EU-Zuwanderung. Die Landesregierung sieht in der Zuwanderung dennoch einen zentralen Faktor zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes. Sozialministerin Heike Hofmann (SPD) erklärte dazu: „Ohne Zuwanderung hätten wir schon jetzt die massiven wirtschaftlichen Probleme, die uns durch den Fachkräftemangel künftig drohen könnten.“
Zuwanderung stabilisiert Arbeitsmarkt nur teilweise
Laut dem Integrationsmonitor ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländer zwischen Januar 2020 und Juni 2025 um 28 Prozent gestiegen. Gleichzeitig blieb die Zahl deutscher Beschäftigter nahezu unverändert. Der Beschäftigungszuwachs ist demnach ausschließlich auf ausländische Arbeitskräfte zurückzuführen. Der Bericht weist zugleich darauf hin, dass viele Zugewanderte überwiegend in Tätigkeiten auf Helfer- oder Fachkraftniveau arbeiten. Besonders stark vertreten sind Beschäftigte aus Asylherkunftsländern sowie aus der Ukraine.
Allerdings zeigt der Monitor auch die strukturellen Grenzen dieser Entwicklung auf. So lag die Arbeitslosenquote ausländischer Staatsangehöriger im Jahr 2025 bei 13,9 Prozent und war damit fast viermal so hoch wie die von Deutschen. Zudem sind Menschen mit Migrationshintergrund häufiger von Armut bedroht und beziehen häufiger staatliche Leistungen.
Negatives EU-Zuwanderungssaldo in Hessen
Besonders auffällig ist laut dem Monitor die Entwicklung der EU-Zuwanderung. Erstmals seit Beginn der Statistik verzeichnet Hessen bei der Migration aus EU-Staaten einen negativen Saldo. Inzwischen ziehen mehr Menschen aus Polen, Rumänien, Bulgarien und Kroatien weg, als neu nach Hessen kommen. In dem Bericht heißt es, das Zuwanderungspotenzial aus den osteuropäischen Einwanderungsländern sei „weitestgehend ausgeschöpft“. Als Gründe werden die demografische Entwicklung in Osteuropa, bessere wirtschaftliche Perspektiven in den Herkunftsländern sowie die bereits erfolgte Migration vieler Arbeitskräfte nach Deutschland genannt.
Bildungsdefizite bleiben große Herausforderung
Der Integrationsmonitor macht zugleich deutlich, dass Zuwanderung den demografischen Wandel zwar abmildern, aber nicht lösen kann. Im Bericht heißt es wörtlich: „Zuwanderung kann dazu beitragen, den Schrumpfungs- und Alterungsprozess abzumildern – sie wird ihn aber nach Einschätzung der Fachliteratur nicht stoppen oder gar umkehren können.“ Bis 2030 rechnet Hessen mit rund 240.000 fehlenden Fachkräften. Hofmann erklärte dazu: „Ohne qualifzierte Zuwanderung ist diesem Mangel nicht ansatzweise beizukommen.“
Deutliche Unterschiede zeigt der Bericht auch im Bildungsbereich. Demnach erreichen 52 Prozent der Neuntklässler mit zwei zugewanderten Elternteilen die Mindeststandards im Bereich Deutsch/Lesen nicht. Bei Schülern ohne Migrationshintergrund liegt dieser Anteil bei 22 Prozent. Die Entwicklung verschlechtert sich zudem weiter.
Auch bei den Schulabschlüssen gibt es Unterschiede. So verlassen 21 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Schule mit Abitur, während es bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund 39 Prozent sind. Hofmann kündigte weitere Maßnahmen zur Sprachförderung an. „Das ist ein klarer Auftrag an uns: Wir müssen weiter intensiv an der Sprachbildung arbeiten, die bereits im Kita-Bereich eine herausragende Rolle spielen muss“, sagte die Ministerin.
AfD kritisiert Entwicklung der Zuwanderung
Die AfD-Landtagsfraktion übt unterdessen Kritik am Integrationsmonitor. „Der Integrationsmonitor 2026 offenbart erneut die Schieflage der deutschen Migrationspolitik“, erklärt der migrationspolitische Sprecher Robert Lambrou dazu. Er verweist insbesondere auf die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus EU-Staaten und den anhaltenden Zuzug aus Afghanistan, Syrien und der Türkei. Mit Blick auf die Bildungsdaten erklärte Lambrou außerdem, dass auch dies zeige, dass unkontrollierte Zuwanderung in Verbindung mit geringer Integrationsbereitschaft den Sozialstaat nicht retten, sondern überfordern werde.







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