Berlin. – Nach dem Auslaufen des Tankrabatts bleiben die Spritpreise in Deutschland auf einem hohen Niveau. So kostete ein Liter Super am vergangenen Samstag im bundesweiten Durchschnitt 2,13 Euro, ein Liter Diesel lag bei 2,03 Euro. Im Vergleich zur Zeit vor Beginn des Irankriegs müssen Autofahrer somit deutlich mehr bezahlen. Für Marcel Fratzscher, den Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), spiegeln die aktuellen Preise dennoch nicht die tatsächlichen Kosten des Autofahrens wider. Er argumentiert, dass Umwelt- und Klimaschäden bislang nicht ausreichend eingepreist würden.
Marktversagen aus Sicht des DIW-Chefs
„Eigentlich müsste Autofahren teurer sein, weil wenn man den Schaden, den CO2-Emissionen des Liter Benzins an Umwelt, an Klima, an Grundwasser, durch Feinstaub auch gesundheitliche Schäden, wenn man das mit berücksichtigen würde, dann wäre der Preis für Benzin deutlich teurer. Übrigens auch der Preis für Fleisch“, erklärte er in einer Terra-X-Sendung. Nach Ansicht des Ökonomen spiegelt der Kraftstoffpreis die tatsächlichen Folgekosten des Konsums nicht wider. Schäden, die durch den Klimawandel für kommende Generationen entstünden, würden wirtschaftlich kaum berücksichtigt. Und das sei das Versagen der Marktwirtschaft, „dass eben viel unseres Konsums nicht so teuer ist, wie es sein sollte, damit es wirklich die Kosten widerspiegelt, die es verursacht“.
Mobilitätswende statt Abhängigkeit vom Auto
Fratzscher sieht deshalb den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs als wichtigen Bestandteil einer Mobilitätswende. „Für viele ist es wichtig, dass wir auch eine Mobilitätswende haben. Wo man sagt: ‚Das ist eigentlich ein super ÖPNV. Ich komme in 80 Prozent der Fälle auch gut mit Öffentlichen zurecht.’ Und das ist die Idee, auch einer funktionierenden Marktwirtschaft, dass die Preise dafür die externen Effekte widerspiegeln. Also die wirklichen Kosten, die dahinter sind.“
Gleichzeitig räumt der Präsident des DIW ein, dass höhere Spritpreise nicht alle Menschen gleichermaßen träfen. Wer mit geringem Einkommen auf dem Land lebe und mangels öffentlicher Verkehrsmittel auf das Auto angewiesen sei, könne nicht einfach auf ein Elektroauto verwiesen werden. Für diese Menschen brauche es funktionierende Alternativen statt alleiniger Steuerung über steigende Kraftstoffpreise.





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