Jeder gute Burschenschafter und anderweitig waffenehrliche Student hatte in seinen Fuchsenstunden einige Sitzungen zur Geschichte des Mensurwesens. Es gilt als wichtiger Teil der Institutionalisierung und später der Normalisierung der deutschen Studentenkultur, besonders hinsichtlich seiner Ko- und Fortentwicklung in Bezug auf das stets im Widerspruch zur staatlichen Ordnung stehende Duellwesen. Die relative Gewaltlosigkeit der Bürger untereinander darf als einer der fundamentalen Vorteile gegenüber primitiven Zivilisationen gelten, besonders, wenn sie ohne die ständige Androhung drakonischer Strafen durch die Staatsmacht auskommt. Auf die Mensur bezogen, muss man an den „Komment” denken, mit dem die Waffen, Regeln und der Ablauf der fechterischen Konfrontationen organisiert, entschärft und letztlich zu einer kulturellen Institution geformt wurden.
Der Komment bedeutete die Abkehr von den teils tödlichen Straßenduellen, die sich mit dem Aufkommen der Bestimmungsmensur im Laufe des 19. Jahrhunderts zumindest auf Stöcke und blutige Nasen begrenzten. Diese Entwicklung trug dazu bei, aus einer vormodernen Konfliktpraxis eine Kulturtechnik zu formen, die heute wichtiger denn je ist. Die Bedeutung des akademischen Fechtens für heutige Waffenstudenten ist deswegen nicht mehr primär die Klärung von Reibereien auf sportlich-wettkämpferische Weise, sondern vor allem die Erziehung und Initiation durch eine ernsthafte Verpflichtung zu einem festen Kanon aus Regeln.
Linke Eskalationstaktik
Was dabei herauskommt, wenn derartige Grundannahmen aus der kulturellen Praxis verschwinden, durften aufmerksame Beobachter und FREILICH-Leser in dieser Woche gleich zweimal erleben. Zunächst tauchten im Umfeld der Universität Rostock nach bekanntem Muster Plakate mit persönlichen Informationen nicht-linker Studenten auf, darunter auch Verbindungsstudenten. Anschließend brannte in Hannover vor dem Haus der Hannoverschen Burschenschaft Ghibellinia-Leipzig das Auto eines Burschenschafters, wenige Stunden, nachdem ein lokales Bündnis der radikalen Linken eine Demonstration gegen die Verbindung angekündigt hatte.
Beide Arten linker Hegemoniebezeugungen sind leider keine Einzelfälle, sondern nur öffentlichkeitswirksame Ausschläge eines sich ständig wieder aufziehenden Eskalationskreisels, der nach Belieben gegen junge, national gesinnte Menschen losgelassen wird. Doxxing-Kampagnen treffen dabei vor allem diejenigen, die nicht auf die Unterstützung einer politischen Gemeinschaft zählen können und keine sicheren Räume vorfinden, in denen sie sich sammeln und vom ersten Schock erholen können. Die Folge ist häufig: Rückzug, Isolation, Entpolitisierung und Neutralisierung. Wenn diese Methoden nicht weiterhelfen, greift die längst in der Evolutionsfalle sitzende, universitäre Linke zu gröberen Mitteln. Gewaltsame Angriffe in Überzahl, nächtliche Sachbeschädigungen, Brandanschläge. Die Botschaft ist klar: Du bist niemals sicher, du bist allein, und wir können dich jederzeit mit Gewalt aus dem politischen Kampf entfernen.
Von Schutz- und Trutzmitteln
Der Staat und die Universität als quasi-staatlicher Akteur versagen dabei restlos: Anzeige gegen Unbekannt für Doxxing-Portale ohne Ergebnisse eingestellt. Mutmaßliche Gewalttäter finden Zuflucht in Stiftungen und NGOs. Die Sicherheit von Veranstaltungen kann aufgrund der dünnen Personaldecke der Polizei nicht gewährleistet werden. Aufrufe zur Organisation und Bündelung der Kräfte zum Kampf gegen diese Zustände erreichen meist ohnehin nur diejenigen, die diese Appelle nicht mehr benötigen, in denen das innere Feuer trotz aller einseitigen Eskalationsmechanismen heißer brennt, als der Wunsch, doch noch irgendwie dazugehören zu können. Eine ordentliche Charakterschule wirkt bei den Zögerlichen wahre Wunder und weckt nicht selten hartnäckigen Trotz. Die AfD steht in der Pflicht, „ihren“ Akademikern endlich Rückhalt zu geben.
Während niemand eine Vereinheitlichung aller Strukturen will, wäre es schön, Arbeitsnachweise der hochschul- und bildungspolitischen Funktionäre zu sehen, die über Einzelanstrengungen und die ewig gleichen, fruchtlosen Anfragen, Beschwerden und Moratorien hinausgehen. Wo bleiben die ganz grundsätzlichen Zugriffe auf die Fragen des universitären Raums und der Hochschulstädte? Wie glaubwürdig kann eine Partei von Regierungsbereitschaft reden, wenn sie ihre zukünftigen Referenten, Richter, Lehrer, Ärzte, Fachexperten und letztlich alle Menschen im Regen stehen lässt, deren Hoffnungen bei einer Regierungsübernahme über ein einfaches Dagegen-Sein hinausgehen?
Keine Zukunft ohne uns
Und was macht die Desiderius-Erasmus-Stiftung eigentlich gerade? Das Milieu der national gesinnten Akademiker gleicht nicht den Vertriebenengenerationen. Es wird nicht einfach samt seiner Probleme wegsterben, so sehr sich das auch mancher populistische Schmalspurpatriot wünschen würde. Die Burschenschaften brauchen die AfD nicht – das haben sie in ihrer über 200-jährigen Geschichte bewiesen –, aber sie sind bereit, ihren Beitrag zu leisten, um unser Land wieder von einem Standort in eine Heimat zu verwandeln. Wenn Funktionäre also über Netzwerke von Burschenschaften klagen, dann sollten sie sich einmal ganz selbstkritisch fragen, warum es erst die Initiative engagierter Politiker und Burschenschafter wie Dr. Christoph Birghan benötigt, um die Kräfte rechts von SDS und dem handzahmen RCDS anzusprechen.
Wer glaubt, der Kampf der selbsterklärten Zivilgesellschaft wäre bei einer AfD-Regierung beendet, dem steht ein böses Erwachen bevor. Die organisierte Linke beweist täglich und je nach Bedarf ihren politischen Vernichtungswillen uns gegenüber. Ihre Unterstützer sind zahlreich und dürfen sich gesichts- und folgenlos eines ständig bereiten Arms aus Zur-Tat-Schreitern jeder Art gewiss sein. Sie ist nicht satisfaktionsfähig, kennt keinen Komment, und der „Hieb nach Halt” ist kein Versehen, sondern System. Wer sich eine Zukunft für unser Land wünscht, muss diesem Eskalationspotenzial mehr entgegensetzen als Beschwerden und freundliche Worte. Geht man in ein Duell ohne Sekundanten, steht der Verlierer schon vor dem ersten Treffer fest. Wenn die AfD diese Lektion nicht rechtzeitig lernt, drohen ihr mehr als nur ein paar fiese Schmisse.



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