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Kultur

Das Letzte (41): Der Film, den Kritiker hassen und Zuschauer feiern

Kaum ein Film der letzten Jahre hat Publikum und Kritiker derart gespalten wie Citizen Vigilante. Martin Lichtmesz ordnet ein, warum dieser Widerspruch weit über das Kino hinausreicht.

Martin Lichtmesz
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Der selbsternannte Rächer Citizen Vigilante steht im Mittelpunkt eines Films, der Publikum und Kritiker gleichermaßen polarisiert. (Bild: IMAGO / Landmark Media)

Laut Rotten Tomatoes, dem Rezensions-Aggregator to go, hat Uwe Bolls neues Meisterwerk Citizen Vigilante bei Redaktionsschluss einen Publikumszuspruch („Popcornmeter“) von sagenhaften 92 Prozent der bislang gesammelten rund 2.500 Bewertungen, dem ein Kritikerzuspruch („Tomatometer“) von nur sechs Prozent von achtzehn Besprechungen gegenübersteht. Ein derart krasses Auseinanderklaffen von Publikums- und Kritikermeinung ist außergewöhnlich, auch für Bolls sonstiges Œuvre, das im Ruf steht, dutzende Spitzenreiter auf den Listen der grottigsten Filme aller Zeiten hervorgebracht zu haben. House of the Dead (2003) etwa hat einen Score von drei (Kritiker) vs. elf Prozent (Zuschauer), Assault on Wall Street aus der oberen Liga des Boll'schen Gesamtwerks 25 vs. 42 Prozent. Kritikern wird bei politisch „erwünschten“ Stoffen oft vorgeworfen, ihr Wohlwollen der Agenda anzupassen, während das Popcornpublikum eher weniger enthusiastisch auf das jüngste woke Remake eines populären Films aus weniger ideologisierten Zeiten reagiert.

Diesmal scheint es sich umgekehrt zu verhalten, da Citizen Vigilante seine Top-Ratings offensichtlich nicht aus der Tatsache bezieht, dass hier ein Scorsese des Independentfilms zugeschlagen hat. Dass es sich hierbei um einen miserabel geschriebenen und inszenierten, billigen Actionfilm handelt, bestreiten auch die meisten seiner Verteidiger nicht. Vielmehr begeistert sie, dass dieser Film überhaupt existiert und ein Millionenpublikum erreicht hat, trotz des plumpen Versuchs der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), seine reguläre Auswertung in Deutschland durch Verweigerung einer Altersfreigabe zu bremsen. Explizit gewidmet den „tausenden Opfern von Mord und Vergewaltigung, die von unserem Rechtssystem verraten wurden“, handelt er von einem in elegantes Schwarz gekleideten selbsternannten Rächer, halb Batman Bruce Wayne, halb Paul Kersey aus Ein Mann sieht rot, der in einem fiktiven europäischen Land kriminelle Einwanderer jagt und tötet, die aufgrund der herrschenden liberalen Kuscheljustiz ihrer gerechten Strafe entgangen sind.

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