Logo von FREILICH Magazin
Politik

Agenturchef fordert Werbebranche zum Boykott der AfD auf

Der Geschäftsführer einer Berliner Kommunikationsagentur ruft die Werbebranche dazu auf, Aufträge einer möglichen AfD-Landesregierung in Sachsen-Anhalt zurückzuweisen. Hintergrund sind die Pläne der Partei, das Landesmarketing im Falle eines Wahlsiegs zu verändern.

Von
Die Pläne der AfD Sachsen-Anhalt um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund für ein neues Landesmarketing stoßen in der Werbebranche auf Widerstand.
Die Pläne der AfD Sachsen-Anhalt um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund für ein neues Landesmarketing stoßen in der Werbebranche auf Widerstand. (Bild: IMAGO / Bernd Elmenthaler)

Magdeburg. – In einem Gastbeitrag für Campaign Germany beschäftigt sich Claudio Gallio, Sprecher des Forum Public Campaigning im Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) sowie Geschäftsführer der Kommunikationsagentur familie redlich, mit den Plänen der AfD in Sachsen-Anhalt. Diese will im Falle einer Regierungsübernahme nach der Landtagswahl am 6. September den bisherigen Slogan „#moderndenken“ durch „#deutschdenken“ ersetzen. Gallio sieht darin weit mehr als eine gewöhnliche Neuausrichtung einer staatlichen Werbekampagne. „Sachsen-Anhalt soll der Test- und Präzedenzfall für eine rechtsextreme regierungsamtliche Kommunikation werden“, meint der Agenturchef.

In seinem Beitrag unterzieht Gallio den angekündigten Slogan einer kommunikationsstrategischen Bewertung. Dabei spricht er unter anderem von einem „nebulösen Assoziationsraum“, einem fehlenden Alleinstellungsmerkmal und „mangelnder Absendertauglichkeit“. Seiner Einschätzung nach bleibe unklar, welche konkrete Botschaft „#deutschdenken“ vermitteln soll. Dem Begriff fehle zudem eine erkennbare Verbindung zu Sachsen-Anhalt, durch die sich das Bundesland gegenüber anderen Regionen abheben könnte.

Gallio stellt dem geplanten Slogan unter anderem frühere Standortkampagnen gegenüber. So hatte Sachsen-Anhalt beispielsweise ab 2005 mit dem Slogan „Wir stehen früher auf.“ geworben. Aktuell setzt das Land auf „#moderndenken“. Auch diesen Slogan hält Gallio nicht für ein starkes Alleinstellungsmerkmal. Den Vorschlag der AfD bewertet er jedoch noch kritischer.

Agenturchef warnt vor AfD-Landesmarketing

Der Kommunikationsmanager unterstellt der AfD ein weitergehendes politisches Ziel. Seiner Auffassung nach könnte eine entsprechende Kampagne dazu dienen, parteipolitische Vorstellungen über staatlich finanzierte Werbung im öffentlichen Raum zu verankern. Gallio schreibt: „In der Logik der AfD wäre es nur folgerichtig, wenn irgendwann sämtliche Landeskampagnen mit der identischen Formel daher kämen. Landesmarketing wäre für die Parteibelange jedenfalls ein wirksames Instrument.“

Gallio belässt es allerdings nicht bei seiner Analyse. Aus seiner Kritik leitet er eine konkrete Forderung an seine eigene Branche ab. Sollte eine von der AfD geführte Landesregierung Agenturen mit der Umsetzung einer solchen Kampagne beauftragen wollen, sollten diese seiner Vorstellung nach nicht daran mitwirken. Konkret plädiert er dafür, die „blauen Briefings“ zunächst öffentlich zu kritisieren und anschließend unter Berufung auf Gewissensgründe zurückzuweisen.

Gallio ist mit seiner Agentur selbst im Bereich der staatlichen Standortkommunikation tätig. Darauf weist Campaign Germany in einem Transparenzhinweis ausdrücklich hin: familie redlich betreut im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum die Standortmarketing-Kampagne „Das ist Thüringen“.

Kommentare

Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt!

Kommentare werden geladen...