Freilich #36: Ausgebremst!

Fünf Gründe, warum sich die deutsche Rechte vom MAGA-Kult abwenden muss

Der Kult um „MAGA” offenbart bei Teilen der deutschen Rechten weniger Stärke als strategische Abhängigkeit und droht, europäische Interessen fremden Machtspielen unterzuordnen. Bruno Wolters warnt, dass politische Souveränität nur dort entstehen kann, wo Distanz zu amerikanischen Erregungszyklen gewahrt bleibt.

Kommentar von
15.1.2026
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8 Minuten Lesezeit
Fünf Gründe, warum sich die deutsche Rechte vom MAGA-Kult abwenden muss
© IMAGO / ABACAPRESS / UPI Photo / MediaPunch

Es gibt Momente, in denen politische Nähe nicht Stärke, sondern Abhängigkeit signalisiert. Der gegenwärtige MAGA-Enthusiasmus großer Teile der europäischen Rechten – insbesondere in Deutschland – ist ein solcher Moment. Was einst als taktische Sympathie begann, hat sich stellenweise zu einer mentalen Unterordnung verfestigt.

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Zu den klassischen Versuchungen politischer Bewegungen gehört, dass fremde Erfolge für die eigenen gehalten werden. Die Fixierung eines Teils der deutschen Rechten auf Donald Trump und das MAGA-Milieu ist Ausdruck genau dieser Versuchung: Man projiziert eigene Sehnsüchte, ungelöste Konflikte und strategische Blockaden auf einen fremden Akteur und übersieht dabei, dass dessen Handeln weder für Europa gedacht noch für Europa geeignet ist.

Das ist nicht nur politisch unklug, sondern auch strategisch gefährlich – vorwiegend jetzt, da der US-Präsident und seine Berater nach Venezuela nun auch Grönland in ihren Machtbereich bringen wollen. Hier geht es um dänisches Territorium, also um souveränes Gebiet eines NATO-Partners, der sich in den vergangenen Jahrzehnten als einer der treuesten und loyalsten US-Partner offenbarte.

Der Dank: Ersten Medienberichten zufolge soll Trump seine Militärs angewiesen haben, Offensivpläne auszuarbeiten, wobei die Generäle versuchen würden, ihn mit anderen Themen abzulenken. Nach Grönland muss Trumps Habgier nicht gestillt sein – was, wenn er die US-Basen in Europa wie Ramstein zu US-Gebiet erklärt? Bei dem erratischen Trump muss man mit allem rechnen. Das bedeutet: Die deutsche und europäische Rechte muss einen anderen Weg einschlagen als die MAGA-Bewegung.

1. Die Kanada-Falle: Wenn nationale Souveränität plötzlich real wird

In Kanada war bis kurz vor der Wahl im Sommer 2025 ein klarer Sieg der Konservativen über die regierenden Linken erwartet worden, bis Trump mit Annexionsfantasien („51. Staat“) und Strafzöllen die Wahlkampfarithmetik zerstörte. Noch Anfang 2025 hatten die Konservativen laut Studien einen Vorsprung von fast 30 Prozentpunkten gegenüber ihren Verfolgern aus dem linken und liberalen Spektrum. Was folgte, war jedoch weder ein linker Aufstand noch eine moralische Kampagne, sondern eine souveränistische Reaktion der Wähler. Umfragen zeigten, dass große Mehrheiten der Kanadier diese Ausfälle als Angriff auf die nationale Eigenstaatlichkeit empfanden, während ausgerechnet konservative Trump-Fans in Kanada plötzlich als potenzielle Kollaborateure betrachtet wurden. Entsprechend verspielte die Trump-nahe konservative Partei ihren Vorsprung.

Genau hier liegt der warnende „Kanada-Moment“ für die deutsche Rechte. Wer sich demonstrativ an einen US-Präsidenten hängt, dessen Rhetorik die Souveränität anderer Länder und sogar der eigenen Heimat lässig infrage stellt, signalisiert dem eigenen Volk, dass das Schicksal der Nation letztlich von Launen jenseits des Atlantiks abhängt. Umfragen zur Regierung Trump zeigen, wie stark seine Person innenpolitisch polarisiert: Republikaner lieben ihn, Demokraten hassen ihn und Unabhängige sind gespalten. Für deutsche Konservative und Rechte bedeutet das: Wer sich an eine derart spaltende Figur klammert, importiert auch deren Spaltung nach Europa, ohne die entsprechenden Machtmittel zu besitzen.

Eine zu enge Anlehnung an MAGA birgt die Gefahr, nicht als eigenständige nationale Kraft, sondern als Importeur fremder Konflikte wahrgenommen zu werden. Die Botschaft Kanadas ist eindeutig: Wer sein Land zu einem Anhängsel fremder Machtentwürfe macht, verliert seine Legitimität. Wir Europäer sollten denselben Fehler nicht wiederholen.

2. Mentale Souveränität als Voraussetzung politischer Wirksamkeit

Trump und seine MAGA-Bewegung betreiben Politik nach dem Muster des „Rechtspopulismus-Scams“: Zunächst wird Volkszorn über Überfremdung, Terrorismus und Deindustrialisierung geschürt. Dann werden Rechtspopulisten gewählt, die viel Lärm machen, im Amt dann außenpolitisch disruptiv agieren und dabei vorwiegend die Interessen der politischen und wirtschaftlichen Elite bedienen, aber innenpolitisch nichts Grundlegendes ändern. Schließlich werden sie abgewählt, die Linke übernimmt und verschlimmert die Lage – und der Kreislauf beginnt von vorn. Diese Mechanik passt inzwischen beinahe lehrbuchhaft auf MAGA. In Europa konnte man dieses Muster auch an Wilders' Regierung in den Niederlanden beobachten.

Nach etwas mehr als einem Jahr im Amt wirkt die MAGA-Administration politisch erschöpft: Die Remigrationsbilanz unterscheidet sich kaum von der früherer demokratischer Regierungen, die Abschiebezahlen bleiben im Mittelfeld, während symbolische „Show-Abschiebungen“ medienwirksam in Szene gesetzt werden. Inflation, Masseneinwanderung und soziale Verwerfungen sind keineswegs gelöst, sondern haben sich teilweise sogar verschärft – und erste ökonomische Analysen legen nahe, dass die Zollpolitik mehr Arbeitsplätze vernichtet als geschaffen hat. Viele Versprechen und Ankündigungen wurden bisher nicht umgesetzt. Trump distanziert sich sogar davon.

Damit erfüllt MAGA genau jene systemische Funktion, die der „Scam“-Kreislauf skizziert. Der Volkszorn wird kanalisiert, in Affektpolitik und Medieninszenierung überführt, aber nicht in echte Strukturreformen. Das Einwanderungssystem bleibt im Kern bestehen, anti-weiße Förderstrukturen werden nicht angerührt und die liberale Verwaltung bleibt intakt. Für die deutsche Rechte ist das eine Lektion: Wer sich an einen solchen Rechtspopulismus anlehnt, macht sich mit einem Mechanismus gemein, der Empörung produziert, um sie politisch zu neutralisieren.

Denn Europa wird keine Großraum- oder Raummacht, solange es geistig in der Vorfeldzone der USA verharrt. Dies betrifft nicht nur Regierungen, sondern auch Oppositionen. Eine Rechte, die ihre politische Energie aus amerikanischen Kulturkämpfen, Wahlzyklen und Empörungsritualen bezieht, denkt nicht souverän, sondern reaktiv.

Studien zur Trump-Zustimmung illustrieren genau dieses Problem. MAGA ist kein Projekt, das die Nation integriert, sondern ein stark polarisiertes Lagerphänomen. Selbst in den USA trägt es nur noch fragmentarisch. Die massive Ablehnung durch Unabhängige, die Spaltung entlang kultureller und sozialer Linien sowie der schwindende Rückhalt jenseits der eigenen Kernanhängerschaft sprechen nicht für ein Modell, das exportiert werden sollte.

Mentale Souveränität bedeutet, politische Realität nüchtern zu analysieren, statt sich an Bildern von Stärke und Härte zu berauschen. Wer ständig auf amerikanische Signale reagiert, verliert den Blick für die eigenen strategischen Notwendigkeiten.

3. Die Interessen der USA sind nicht unsere – und waren es nie

Einer der hartnäckigsten Irrtümer innerhalb der europäischen Rechten ist die Annahme, ein „rechter“ Präsident in den USA sei ein natürlicher Verbündeter. Diese Annahme ignoriert jedoch grundlegende Tatsachen der geopolitischen Ordnung. Die USA handeln als Imperium – unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt. Ihre Interessen sind strukturell und ideologisch geprägt.

Die USA verfolgen – vollkommen unabhängig von der jeweiligen Administration – die Stabilisierung ihres Imperiums. Eine Umfrage zur Frage nach einem US-Militäreinsatz zeigt, dass selbst in der US-Bevölkerung ein Gleichgewicht zwischen den Antworten „oppose“, „favor“ und „unsure“ herrscht, während die parteipolitischen Lager gegeneinander aufmarschieren. Doch ob man 47 Prozent Ablehnung oder 33 Prozent Zustimmung abliest: Für Washington ist entscheidend, dass die außenpolitische Maschine weiterläuft, nicht, ob Europa davon profitiert.

Aber: Der absehbare Konflikt mit China ist aus amerikanischer Perspektive existenziell. Für Europa hingegen ist China primär ein wirtschaftlicher Partner, weniger ein geopolitischer oder ideologischer. Für Deutschland ist die Kooperation mit China industrie- und exportpolitisch von zentraler Bedeutung. Eine Politik, die diese Realität ignoriert, schadet den eigenen Grundlagen.

Ebenso verhält es sich mit der Energiefrage. Die zunehmende Kopplung der europäischen Energieversorgung an amerikanische Interessen schafft neue Abhängigkeiten. Energie wird so zum politischen Druckmittel – auch gegenüber Verbündeten. Wer glaubt, dies ließe sich durch ideologische Nähe entschärfen, verkennt die Logik von Großmachtpolitik.

Europa hat andere Grundinteressen: wirtschaftliche Kooperation mit vielen anderen Nationen, eine stabile Energieversorgung und die Vermeidung kostspieliger Interventionskriege, die Migrationswellen erzeugen. Wenn sich die deutsche Rechte in die „Todeskämpfe“ des US-Imperiums hineinziehen lässt – vom Regimewechsel im Iran bis zur Kontrolle venezolanischer Ölfelder –, übernimmt sie eine Agenda, die die eigenen Gesellschaften destabilisiert.

Hinzu kommt die Energie- und Währungsfrage: Mit dem allmählichen Machtverlust des US-Dollars wächst der Anreiz Washingtons, über Energieträger und Sanktionsregime politischen Druck auf Partner auszuüben. Eine dauerhafte Koppelung der deutschen Energieversorgung an US-Vorgaben würde bedeuten, dass jede eigenständige Russland- oder China-Politik indirekt sanktioniert werden kann. Wer unter solchen Bedingungen MAGA-Fahnen schwenkt, arbeitet ungewollt daran mit, die Bundesrepublik als industrielles Vorfeld einer fremden Großmacht zu fixieren. Wer jedoch Souveränität fordert, muss sie zuerst denken. Und wer europäische Eigenständigkeit ernst meint, kann sich nicht länger an die Erregungszyklen eines fremden Imperiums ketten.

4. Reputationsschaden: Der MAGA-Filz als strategische Hypothek

Ein zentrales Problem der aktuellen MAGA-Administration liegt weniger in ihrem offenen Scheitern in einzelnen Politikfeldern, sondern vielmehr in der Art und Weise, wie Macht inzwischen demonstrativ ausgeübt wird. Nicht als staatliche Ordnungsmacht, sondern als persönliches Netzwerk. Nicht mehr als politisches Projekt, sondern als familiär-ökonomischer Filz.

Was sich derzeit in den USA beobachten lässt, ist keine nationale Erneuerung, sondern eine rapide Enthemmung politischer Interessenverflechtungen. Trumps unmittelbares Umfeld agiert dabei zunehmend wie eine unternehmerische Parallelstruktur: unironische Krypto-Projekte mit offenkundigem Scam-Charakter, persönliche Markenbildung unter Nutzung politischer Nähe sowie privilegierter Zugang für Großspender und Tech-Oligarchen, die längst nicht mehr als Verbündete, sondern als Mitregenten auftreten.

Das ist kein moralisches, sondern ein reputatives Argument. Wer sich demonstrativ an MAGA bindet, bindet sich nicht an „Amerika“ oder einen konservativen Staatsumbau, sondern an ein immer enger werdendes Milieu aus Familieninteressen, Venture-Kapital, Tech-Monopolen und politischer Patronage. Die Grenze zwischen politischer Macht und privatem Vorteil wird dabei nicht mehr verschleiert, sondern ostentativ akzeptiert.

Anstatt als souveräne Gegenelite wahrgenommen zu werden, droht man als provinzieller Ableger eines amerikanischen Oligarchenmilieus zu erscheinen. Nicht als ernstzunehmende Kraft mit eigenen Antworten, sondern als begeisterter Zuschauer fremder Machtspiele. Das beschädigt nicht nur die Glaubwürdigkeit, sondern unterminiert auch jede langfristige Strategie.

Gerade weil das Vertrauen in politische Institutionen bröckelt, ist Glaubwürdigkeit die knappste Ressource der Opposition. Jede sichtbare Nähe zu einem Filz aus Kryptowährungsbetrug, Oligarchen-Deals und familiärer Patronage untergräbt diese Ressource – und zwar nicht nur bei Gegnern, sondern auch bei den eigenen potenziellen Wählern, die auf Ordnung, Transparenz und soziale Gerechtigkeit hoffen. Eine souveräne europäische Rechte muss deshalb Distanz wahren: sowohl zu MAGA als Kultfigur als auch zu den umgebenden Netzwerken aus Geld, Glamour und digitalem Spektakel.

5. Eigene Lösungen – multipolare Rechte statt MAGA‑Import

Für die europäische Rechte eröffnet sich derzeit ein seltenes Zeitfenster: die Möglichkeit zur gesichtswahrenden Distanzierung. Wer jetzt Illusionen aufgibt, gewinnt Zeit für Theorie, Organisation und strategischen Aufbau. Wer hingegen an MAGA festhält, riskiert einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust. Jetzt kann eine eigenständige europäische Großraumstrategie formuliert werden, die Remigration, Souveränität und wirtschaftliche Vernunft verbindet, ohne sich an die Zyklen der amerikanischen Innenpolitik zu ketten.

Hinzu kommt die innere Auszehrung des MAGA-Lagers: Die versprochene „Wende“ ist ausgeblieben, zentrale Skandale wurden nicht aufgeklärt und ökonomisch haben vor allem Großspender, Neocon-Netzwerke und das unmittelbare familiäre Umfeld der Führung profitiert. Die sichtbare Kumpanei mit Großkapital und jüdischen sowie israelischen Lobbyinteressen wird nicht einmal mehr kaschiert, sondern als Ausdruck von „Macht“ gefeiert. Der Preis dafür ist die Entfremdung jener Wähler, die von echter sozialer oder nationaler Erneuerung träumen.

Die Gefahr ist real, dass amerikanische Akteure versuchen, den europäischen Rechtspopulismus als Ersatzträger eines erneuerten Vasallenverhältnisses zu nutzen. Energieabhängigkeit, geopolitische Loyalitätsforderungen und wirtschaftlicher Druck wären die Folgen. Die klassische Christdemokratie ist verbraucht – ein neuer Träger wird gesucht.

Eine eigenständige europäische Großraumstrategie müsste dagegen nüchtern und interessengeleitet sein. Sie würde schwierige Fragen nicht vermeiden: das Verhältnis zu Russland, die wirtschaftliche Kooperation mit China und die Abkehr von moralischer Außenpolitik zugunsten realpolitischer Kalküle. Auch eine bewusste Abgrenzung von performativen, memetischen Scheinkämpfen zugunsten einer stillen, aber konsequenten Eroberung der Institutionen im eigenen Land wäre nötig.

Fazit: Gegen den betrügerischen Rechtspopulismus

Der heutige Rechtspopulismus ist nicht verschwunden, sondern hat sich angepasst. Er nutzt rechte Sprache, rechte Codes und rechte Affekte, ohne deren Ziele umzusetzen. Er bindet Protestenergie, neutralisiert sie und führt sie kontrolliert in das bestehende System zurück. Wer tatsächliche Veränderung will, muss lernen, auch den Rechtspopulismus als mögliche Sackgasse zu durchschauen. MAGA ist hierfür das grell ausgeleuchtete Beispiel. Für die deutsche Rechte wäre es ein Zeichen erwachender Reife, diesen Kult nüchtern zu verabschieden – nicht aus Antiamerikanismus, sondern aus dem einfachen Bewusstsein heraus, dass Völker, die sich nicht selbst vertreten, von anderen verwaltet werden.

Die deutsche Rechte steht vor einer Entscheidung: Weiter im Schatten fremder Imperien agitieren – oder endlich eigenständig handeln. Souveränität ist keine Pose. Sie ist eine bewusste Trennung.

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der Freilich-Redaktion.
Über den Autor

Bruno Wolters

Bruno Wolters wurde 1994 in Deutschland geboren und studierte Philosophie und Geschichte in Norddeutschland. Seit 2022 ist Wolters Redakteur bei Freilich. Seine Interessengebiete sind Ideengeschichte und politische Philosophie.

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