Gesundheitspolitik darf sich nicht darin erschöpfen, ständig neue Reformen anzukündigen. Entscheidend ist, was beim Patienten ankommt. Genau hier setzt Niederösterreich mit dem Ausbau der Acute Community Nurses, kurz ACN, einen wichtigen Schritt. Was 2020 als Pilotprojekt in Bruck an der Leitha begonnen hat, wird jetzt systematisch ausgebaut. Aus derzeit sechs Standorten sollen ab 2028 zehn werden.
Der Zeitplan steht. Noch im Herbst 2026 werden die zehn Standorte ausgeschrieben, bis Jahresende sollen die Zuschläge erfolgen. Danach geht es um die Auswahl und Ausbildung des qualifizierten Personals. Ab 2028 soll der Regelbetrieb an allen zehn Standorten laufen. Für Gesundheitslandesrat Martin Antauer ist damit klar: Niederösterreich ist bei dieser Reform voll im Zeitplan.
Tausende Einsätze zeigen den Erfolg
Dass es sich dabei nicht um ein politisches Versprechen ohne praktische Grundlage handelt, zeigen die bisherigen Erfahrungen. Seit dem Start des Pilotprojekts wurden in Niederösterreich bereits knapp 49.000 ACN-Interventionen geleistet. Allein heuer wurden von den sechs bestehenden Standorten mit sieben Einheiten knapp 10.000 Patienten betreut. Insgesamt kommen damit bereits rund 63.000 Einsatzstunden zusammen.
Das Prinzip ist einfach und zugleich wirkungsvoll. ACN-Kräfte kommen zu Patienten, die rasch qualifizierte Hilfe benötigen, aber nicht zwingend einen Notarzt oder einen Krankenhausaufenthalt brauchen. Die Besonderheit liegt in der Doppelqualifikation. Die Mitarbeiter verfügen sowohl über eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege als auch über eine rettungsdienstliche Qualifikation. Damit verbinden sie pflegerisches Fachwissen, medizinische Kompetenz und Erfahrung aus dem Rettungsdienst.
Für die Patienten bedeutet das vor allem, dass die Hilfe zu ihnen nach Hause kommt. Gerade bei Versorgungsdefiziten, palliativen Schmerzsituationen oder sozialen Problemlagen kann dadurch vielfach eine Versorgung direkt vor Ort erfolgen. Krankenhaustransporte können vermieden und Spitäler entlastet werden. Gleichzeitig wird der Rettungsdienst dort eingesetzt, wo er tatsächlich gebraucht wird.
Reformwille statt neuer Belastungen
Genau solche Lösungen braucht das österreichische Gesundheitswesen. Denn während auf Bundesebene inzwischen über ein System diskutiert wird, das trotz Ausgaben von rund 64 Milliarden Euro jährlich immer stärker unter Druck gerät, fehlt es vielfach an Mut zu strukturellen Veränderungen. Patienten warten auf Termine, Kassenstellen sind nicht überall ausreichend vorhanden und immer mehr Menschen weichen auf Wahlärzte aus. Gleichzeitig stehen zusätzliche Belastungen im Raum.
Die Freiheitlichen kritisieren deshalb zu Recht, dass die Bundesregierung nicht zuerst die bestehenden Strukturen effizienter macht, sondern über Maßnahmen nachdenkt, die am Ende wieder beim Patienten ankommen könnten. Wer Menschen mangels ausreichender Kassenversorgung zum Wahlarzt zwingt und ihnen danach auch noch die Rückerstattung beschneiden will, bekämpft nicht die Ursache des Problems, sondern bestraft dessen Opfer. Niederösterreich geht einen anderen Weg. Der Ausbau der ACN ist kein Allheilmittel, aber ein konkreter und bereits erprobter Baustein eines modernen Gesundheitswesens. Er stärkt die wohnortnahe Versorgung, entlastet Rettungsdienst und Krankenhäuser und kann Patienten unnötige Wege und Aufenthalte ersparen.
Bemerkenswert ist auch, dass der Ausbau im niederösterreichischen Gesundheitsplan festgeschrieben ist und nun Schritt für Schritt umgesetzt wird. Keine jahrelange Ankündigungspolitik, kein neuer Gipfel und keine weitere Kommission, sondern Ausschreibung, Ausbildung, Ausbau und anschließend Regelbetrieb. Das ist letztlich der Unterschied zwischen Reform auf dem Papier und Reform in der Praxis. Niederösterreich zeigt mit den ACN, wie Gesundheitsversorgung näher zum Menschen gebracht werden kann. Während der Bund noch über den großen Systemumbau streitet, wird im Land bereits konkret gehandelt. Und genau darum sollte es bei Gesundheitspolitik gehen. Nicht um politische Schlagzeilen, sondern darum, dass der Patient rasch jene Hilfe bekommt, die er tatsächlich braucht.





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