Das konservative Lager stagniert im Jahre 2026 in Deutschland. Handfeste Erfolge sucht man vergebens. Dennoch gewinnt man den Eindruck, dass sich einige einflussreiche Politiker und Medienpersönlichkeiten auf der Siegerstraße wähnen, weil man im Windschatten Trumps und seines „Vibe-Shifts“ nur noch mit dem Strom schwimmen müsse. Umso schlimmer: Sie berauschen sich regelrecht jede Woche an vollkommen nichtigen oder gar schädlichen Entwicklungen auf der anderen Seite der Welt. Die ausbleibenden Erfolge wären im Angesicht der Übermacht des politischen Gegners entschuldbar, wenn dem eine geschlossene und geduldige Bewegung mit langfristiger Strategie entgegenstünde. Was sich aber beobachten lässt, ist vielmehr schlecht gemachte Fast-Food-Propaganda für diejenigen, die ausschließlich ihr eigenes Weltbild bestätigen wollen.
Schielen nach Amerika
Was war das Resultat des bejubelten Durchgreifens von Präsident Trump in Minnesota? Die Regierung zieht die Abschiebungspolizei ICE aus Minneapolis ab, nachdem mehrere linke Gegendemonstranten durch Sicherheitskräfte zu Tode kamen. Besonders zynische Vertreter bejubeln zudem das brutale Vorgehen Israels gegen Zivilisten im Gazastreifen und im Iran oder die bisher folgenarme Entführung des venezolanischen Präsidenten. Doch wo ist die Befreiung der Menschen, in deren Namen die erratische Politik Trumps gerechtfertigt wurde? Aus „America First“ wurde: „Hohe Preise an der Tankstelle sind der Preis für die Freiheit der Iraner und die Sicherheit Israels.“ An die Stelle groß angekündigter Reformen im Inland ist wieder der Kampf gegen die sozialistisch-muslimische Achse des Bösen gerückt. Dafür kann man dann auch seinen propagandistischen Müll von 2003 wieder hervorholen.
Die Sucht nach Erfolgen
Am Ende drängt sich der Gedanke auf, dass sich einige konservative Akteure in den USA und in Europa in Abwesenheit tiefgreifender Erfolge an jeden noch so kleinen symbolischen Erfolg klammern. Warum haben sogenannte Patrioten schlagartig das Interesse an den Epstein-Akten verloren? Im Kern doch deswegen, weil sie sich nicht davon befreien können, dass Donald Trump nicht der Erlöser ist, sondern ein Staatsmann, der seine treuesten und ältesten Unterstützer in ihren Hauptanliegen hintergangen hat – und der Rechtspopulismus der Marke Trump damit vor dem Nichts steht und nur noch schlecht gemachte Propaganda für naive Fanatiker anbietet.
So klammern sie sich an die eigene Einbildung, sie würden gewinnen, auch wenn sie längst vergessen haben, was es überhaupt zu gewinnen gab. Dazu passen die Bilder von AfD-Funktionären, die wie Fußballfans bei der Wahlfeier Trumps 2024 in der Menge standen und jubelten. Man verharrt in der Unterstützung eines Präsidenten mit neokonservativer Politik, der privat mit einigen der abstoßendsten Menschen des Planeten Partys feierte und in den 90er-Jahren sogar als Epsteins bester Freund galt.
Über die Bedeutung von Trump schrieb der Spitzenkandidat der AfD aus dem EU-Wahlkampf, Maximilian Krah, auf X: „Trump und seine MAGA-Weltanschauung sind das einzige rechte Politprojekt, das Mehrheiten gewinnt, linke Hegemonie bricht und eine erstrebenswerte Zukunftsvision bietet.“ Diese Aussage ist bezeichnend und ernüchternd. Grundsätzlich ist es fragwürdig, worin diese Weltanschauung überhaupt besteht, da Trump zu großen politischen Fragen in den letzten zehn Jahren wiederholt gegenteilige Positionen vertreten hat.
Was bedeutet Rechtspopulismus der Marke Trump im Jahr 2026 überhaupt noch?
Angetreten als Hoffnungsträger für ein Ende der USA als Weltpolizei, lässt er sich nun auf mehrere geopolitische Abenteuer ein. Aus der Rolle des Weltpolizisten ist mittlerweile vielmehr eine Art Welttyrann geworden, der auch vor Verbündeten wie Dänemark und Kanada nicht Halt macht. Darüber, dass alle illegalen Einwohner das Land verlassen müssten, redet ohnehin kaum noch jemand. Zu groß waren die Klagen der Wirtschaftsvertreter bei ersten Vorstößen in diese Richtung.
Ein weiterer Kern seiner einstigen Kandidatur von 2015 war der Kampf gegen Korruption und gegen den „Sumpf“ in Washington. Legendär waren seine Debattenauftritte gegen Establishment-Republikaner wie Marco Rubio, Lindsey Graham und Ted Cruz. Heute zählen sie zu seinen größten Unterstützern, weil Trump letztlich doch die Kernanliegen des neokonservativen Flügels der Republikaner und der Israel-Lobby bedient.
Seit 2015 bestand seine Basis aus vielen Anhängern von Verschwörungstheorien über grenzenlosen Machtmissbrauch und eine Elite von Pädophilen, die angeblich die Geschicke der USA steuert. Zehn Jahre später, nach den Enthüllungen um Jeffrey Epstein, hat diese Bewegung jedoch jegliches Interesse an ihren einstigen Theorien verloren, weil Trump selbst viel zu tief in dieses Netzwerk eingeflochten ist.
In Vergessenheit geraten sind MAGA-Empörungswellen über Joe Biden, als dieser an den Haaren von Mädchen geschnuppert hat – Vorwürfe, die im Angesicht der Dimension des Epstein-Netzwerks geradezu lächerlich wirken und die grenzenlose Heuchelei dieses Lagers offenbaren. Diejenigen, die zu Epstein nicht schweigen wollten, wurden von Trump höchstpersönlich aus der MAGA-Bewegung ausgeschlossen – mit dem Verweis, man solle doch lieber über die steigenden Kurse an der Wall Street reden, für die selbstverständlich seine Politik verantwortlich sei. Jeder Rechte mit Selbstachtung und Prinzipien muss von diesem Verhalten angewidert sein. Seine eigene Prophezeiung hat sich also doch bewahrheitet: Wir sind tatsächlich „tired of winning“, zumindest was Trump als Siege zu verkaufen versucht.
Sich nicht an ein sinkendes Schiff klammern
Doch auch aus taktischen Gründen ist ein Festhalten an Trump abzulehnen. Wie oft wird gerade aus liberalkonservativen Kreisen eine Nähe zu Russland – also keine bedingungslose Unterstützung der Ukraine – abgelehnt, weil man damit im Westen und in der gebildeten Mittelschicht keine Wahlen gewinnen könne? Seltsamerweise gilt das jedoch nicht für Präsident Trump, der in diesen Kreisen vermutlich ähnlich beliebt sein wird wie Putin und unverhohlen europäischen Ländern droht, wenn er seinen Willen nicht durchsetzen kann. Kritiker Trumps gelten dann als Miesmacher, die immer etwas zu nörgeln haben. Doch wer ist der größere Miesmacher, wenn diese Vertreter in Trump die einzige Chance für irgendeinen Wandel sehen? Dann scheinen sie mit einer politischen Wende in Europa durch die Europäer selbst bereits abgeschlossen zu haben.
Dabei übersehen sie, dass sich die MAGA-Begeisterung mittlerweile fast ausschließlich aus der Person Trump speist. Dieser wird zum Ende seiner Amtszeit 81 Jahre alt sein, und jeder ehrliche Beobachter erkennt deutlich den Abbau seiner kognitiven Fähigkeiten. Alle potenziellen Nachfolger sind MAGA-Leute des Jahres 2024 und keine Anhänger des ursprünglichen MAGA von 2016. Wo früher seinen Reden ein gewisser Unterhaltungswert innewohnte, ist heute nur noch inhaltsleeres Gefasel über neue Gardinen im Weißen Haus zu hören. Nach seinem Abschied aus der Politik wird von seiner Sternstunde des Jahres 2016 kaum noch etwas übrig sein.
MAGA ist ein sinkendes Schiff – und die europäische Rechte täte gut daran, sich rechtzeitig davon zu lösen, ehe die Post-Trump-Ära sie mit in den Abgrund reißt, begleitet von staatlichen Ermittlungen wegen möglicher Rechtsverstöße und journalistischer Aufarbeitung. Wandel für Deutsche und Europäer kann nur aus unseren eigenen Völkern kommen – nicht durch einen unzuverlässigen und tyrannischen Hegemon.



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