Berlin. – Aktivisten der Identitären Bewegung Deutschland (IB) haben vor wenigen Tagen vor der Bundesgeschäftsstelle der Linken in Berlin gegen den Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak demonstriert. Vor dem Karl-Liebknecht-Haus in Berlin-Mitte zeigten sie Banner mit der Aufschrift „Abschiebehaft für Clan-Kriminelle“ und forderten den Rücktritt des Linken-Politikers. Die Aktion knüpft an die bekannt gewordenen Kontakte Koçaks zu Firas Remmo, einem Sohn des berüchtigten Clan-Chefs Issa Remmo, sowie an Koçaks Äußerungen zur Clankriminalität im Bundestag an.
IB-Bundessprecher Maximilian Märkl erklärte im Rahmen der Aktion: „Ein Abgeordneter, der Clan-Figuren als ‚Bruder‘ anspricht, dem Clan-Chef ‚Grüße mit Respekt‘ ausrichten lässt und anschließend im Bundestag den Begriff Clankriminalität als rassistischen Kampfbegriff denunziert, hat in einem deutschen Parlament nichts verloren“. Wer organisierte Kriminalität politisch decke, stelle sich auf die Seite der Täter. Koçak hat inzwischen Konsequenzen gezogen und lässt seine parlamentarischen Funktionen vorerst ruhen. Unter anderem nimmt er bis zur Klärung des Vorgangs nicht an Sitzungen des Innenausschusses im Bundestag teil.
Chat zwischen Koçak und Firas Remmo sorgt für Kritik
Auslöser der Debatte war ein von Firas Remmo veröffentlichter privater Nachrichtenaustausch mit Koçak. Darin richtete der Linken-Politiker Grüße an dessen Vater Issa Remmo aus und sprach Firas Remmo mit „Bruder“ an. Zudem bat er ihn, einen Ausschnitt aus einer Bundestagsrede weiterzuverbreiten. Koçak hat den Kontakt später eingeräumt. Nach seiner Darstellung wusste er zu Beginn des Austauschs nicht, mit wem er kommunizierte. Firas Remmo habe sich im Zusammenhang mit einem Aufruf zu politischen Aktionen bei ihm gemeldet. Koçak bezeichnete den Kontakt später als Fehler und entschuldigte sich. Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der Organisierten Kriminalität zugerechnet würden, seien nicht zu rechtfertigen.
Die Remmo-Großfamilie lebt seit den 1980er-Jahren in Berlin. Einen Teil der Familie rechnen die Behörden dem kriminellen Milieu zu. Angehörige wurden unter anderem wegen des Diebstahls der Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Berliner Bode-Museum sowie wegen des Einbruchs in das Grüne Gewölbe in Dresden verurteilt.
Issa Remmo bei Wahlfeier der Berliner Linken
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Fall, weil Issa Remmo kurz zuvor bei einer Wahlfeier der Linken in Berlin-Neukölln aufgetaucht war. Die Partei erklärte anschließend, er sei nicht eingeladen gewesen. Der Neuköllner Bezirksverband wies politische oder persönliche Beziehungen zu ihm zurück; nach Angaben der Linken wurde Remmo aus der Veranstaltung gebeten, nachdem seine Anwesenheit bemerkt worden war.
Koçak selbst war bei der Bundestagswahl 2025 über ein Direktmandat in Berlin-Neukölln in den Bundestag eingezogen. Nach Bekanntwerden des Chats kündigte er an, sein Kommunikationsverhalten aufzuarbeiten. Die Linksfraktion teilte anschließend mit, Koçak werde sich bis zur Herstellung vollständiger Transparenz aus seinen parlamentarischen Funktionen und vorerst auch aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Für die IB geht Koçaks vorläufiger Rückzug nicht weit genug. Mit ihrer Aktion vor der Linken-Zentrale fordert sie stattdessen die vollständige Niederlegung seines Bundestagsmandats.
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