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Politik

Quarantäne-Aus: Viel Gegenwind für Rauch aus eigenem Lager

Am Dienstag stellte der grüne Gesundheitsminister Johannes Rauch seine neuen Corona-Regeln ab 1. August vor. Dass symptomlos Infizierte künftig nicht mehr automatisch in Quarantäne müssen, erregt nun die Gemüter im Lager der Verfechter strengerer Corona-Maßnahmen, die oft selbst aus dem linken Lager stammen.
Julian Schernthaner
Von
9 Min.
Bild: Caro Pernegger / Die Grünen, Wikimedia Commons, CC0 (Bildausschnitt)
Bild: Caro Pernegger / Die Grünen, Wikimedia Commons, CC0 (Bildausschnitt)

Am Dienstag stellte der grüne Gesundheitsminister Johannes Rauch seine neuen Corona-Regeln ab 1. August vor. Dass symptomlos Infizierte künftig nicht mehr automatisch in Quarantäne müssen, erregt nun die Gemüter im Lager der Verfechter strengerer Corona-Maßnahmen, die oft selbst aus dem linken Lager stammen.

Wien. – Rauch begründete seinen Vorstoß unter anderem damit, dass Einschränkungen der persönlichen Freiheit klar begründet sein müssten: „Wenn gelindere Mittel zur Verfügung stehen, müssen wir sie auch ergreifen.“ Er verwies darauf, dass sogenannte Verkehrsbeschränkungen für Infizierte „in anderen europäischen Ländern keine spürbaren Auswirkungen“ im negativen Sinn hatten. Auch die wachsende Kritik an der bisherigen Corona-Politik in Österreich und der Sorge vor weiterem Widerstand aus dem Volk dürfte bei seiner Rolle eine Kehrtwende spielen. Zudem war er in den letzten Monaten zusehends in Bedrängnis geraten, weil er in seiner Antwort auf parlamentarische Anfragen der FPÖ mehrfach Dinge einräumen musste, die vom bisherigen offiziellen Corona-Narrativ abrückten.

Öffentliche Kritik an Rauch auch von der eigenen Gattin

Den Widerstand bekommt Rauch nun erstaunlicherweise auch aus dem eigenen Lager – und sogar aus dem eigenen Haushalt. Denn seine Gattin Gabriele Sprickler-Falschlunger, ihres Zeichen SPÖ-Parteivorsitzende in Vorarlberg, teilte ihm per Presseaussendung mit, dass sie seinen Schritt für falsch halte. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner wiederum sorgt sich um die Impfbereitschaft, fordert nach dem Quarantäne-Aus den Rücktritt der gesamten Regierung.

Freilich: Das ist politisches Hickhack – und gerade angesichts der sinkenden Beliebtheitswerte der schwarz-grünen Regierung und deren Bilanz bei der Bewältigung verschiedener Krisen ist die Neuwahl-Forderung ein beliebtes Instrument. Doch diesmal sind es nicht nur die politischen Mitbewerber, die sich ereifern. Die „linke Twitter-Blase“ und zahlreiche Akteure aus dem rot-grünen Dunstkreis sind aus dem Häuschen. Sie fordern seit Tagen den politischen Kopf des dritten grünen Gesundheitsministers.

#RuecktrittRauch: Friendly Fire von links

Auf Twitter trendet der Hashtag #ruecktrittrauch. Es ist eine Kampagne gewisser Kreise, die es gewohnt waren, staatliche Vorschriften zu bekommen, wie sie sich im Angesicht von Corona zu verhalten hätten.

Mir fällt außer #RücktrittRauch echt nix mehr ein.

Es wäre nett, wenn ihr helfen würdet, das trenden zu lassen. Die Querpfosten schaffen so was doch auch immer.

— Regina Zauchner (@ReginaZauchner) July 24, 2022
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Im Kreis der Maßnahmen-Fans ist man entsetzt. Immer wieder fällt der Hinweis auf vulnerable Gruppen, auf eine angebliche Gefahr für Kinder (die in der Regel allerdings zu milden Verläufen neigen) und ähnliche Gemeinplätze der Maßnahmen-Fans. Diese fühlen sich nun von „ihrem“ Minister alleine gelassen und wähnen sich schutzlos. Einige davon sind wenig druckreif – doch manche sind es.

Morgens aufgewacht & erstmal eine Runde heulen. So geht es übrigens grad vielen Menschen in diesem Land @johannes_rauch. Zu wissen, dass sie uns weder schützen wollen noch werden ist nicht gut für die Psyche. Da ich weiß, dass Ihnen das scheißegal ist: #ruecktrittrauch

— Regina Zauchner (@ReginaZauchner) July 26, 2022
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Einige von ihnen hängen sich daran auf, dass Rauch in der ZiB2 von der Möglichkeit eines symptomlosen Kindes, mit Maske einen Kindergarten zu besuchen sprach, sich aber irrte – und diesen Irrtum mittlerweile auf Twitter richtigstellte.

Wie überheblich und arrogant der Gesundheitsminister in der #zib2 dem @MartinThuer gegenüber aufgetreten ist? Und einen Tag später stellt sich heraus, der Gesundheitsminister kennt seine eigenen Verordnungen nicht? #ohnerauchgehtsauch #ruecktrittrauch #RuecktrittRegierung

— Hermine-Nina Moser (@HermineNinaMose) July 27, 2022
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Die aufgrund ihrer exponierten Aussagen im medialen Bereich umstrittene Ärztin Dr. Lisa-Maria Kellermayr, die aktuell in aller Munde ist, weil ihr Unbekannte verwerfliche Drohungen machten, äußert ebenfalls bereits den frommen Wunsch einer Rauch-Ablöse.

Ich wurde einmal von einem Journalisten gefragt was ich mir vom aktuellen Gesundheitsminister @johannes_rauch wünsche. Antwort: Eine kompetente Nachfolgerin oder einen kompetenten Nachfolger. #ruecktrittrauch

— Dr. Lisa-Maria Kellermayr (@drlisamaria) July 27, 2022
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Weitaus deutlicher wird Twitter-Influencer und Informatiker Fabian Pimminger, der einst eine App programmierte, mit der man zu Beginn des Grünen Passes diesen in ein digitales Wallet laden konnte. Gleich mehrfach lancierte er einen Abgesang auf den Gesundheitsminister – ist sich aber zugleich nicht sicher, ob etwas aus seiner Sicht Brauchbares rauskommt.

Naja spätestens im Herbst ist Rauch jedenfalls weg. Wenn Corona wiedermal explodiert. Und er alleine ist schuld. Die Grünen können eigentlich schonmal einen Nachfolger suchen.

— Fabian Pimminger (@i_am_fabs) July 27, 2022
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Ich würd ja gern sagen, dass alles besser werden würde, wenn Rauch zurücktritt und wer neuer kommt. Aber es wird dann halt nur jemand noch schlimmerer kommen, der der ÖVP noch weniger Widerstand leistet … Weils immer so war.

— Fabian Pimminger (@i_am_fabs) July 26, 2022
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Auch Thomas Walach, Ex-Chefredakteur des Peter-Pilz-Blattes ZackZack, schloss sich den Unkenrufern an. Er machte sich mittels Limerick über Rauch lustig.

Ein Limerick für @johannes_rauch:
Vom Arlberg nach Wien kam der Hannes.
Weil Werner, der glaubt: "Ja, er kann es."
Erst Rudi, dann Mücke,
der Rauch füllt die Lücke.
Als Zierde und Glück seines Amtes. (1/2)

— Thomas Walach (@ThomasWalach) July 27, 2022
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Auch die ehemalige Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz, ebenfalls eine Grüne, ereiferte sich über Rauch. Sie stellt sich vor, wie symptomlose Pädagogen – für sie „Personal“ – maskentragend meterweit von den Schulkindern entfernt stehen und diese damit „gefährden“.

Machen wir uns nichts vor, @johannes_rauch: Die Bundesregierung kapituliert in der Pandemie. Nicht einmal Kinder bekommen Minimalschutz durch saubere Luft in Schule/Kiga, aber werden zusätzlich durch infiziertes Personal gefährdet. Unfassbar! Wie kannst du das verantworten?

— Sigrid Pilz (@PilzSigrid) July 26, 2022
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Sie ist nicht die einzige Grüne, für welche die Ankündigung ihres Parteifreundes Rauch so etwas wie ein Weltuntergang zu sein scheint. Auch die grüne Wiener Landtagsabgeordnete Viktoria Spielmann beruft sich auf „Risikogruppen und Kleinkinder“.

Es bricht mir d Herz, wenn ich dran denke, dass Risikogruppen, Menschen m Vorerkrankungen, Kleinkinder nun noch mehr Angst v Ansteckung haben müssen. Für mich zeichnet grüne Politik aus,dass wir uns an denjenigen orientieren, d am verwundbarsten sind. Jetzt passiert d Gegenteil😭

— Vicky Spielfrau (@VickySpielfrau) July 27, 2022
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Manche stellen sich ohne Maßnahmen sogar schon „Millionen Tote“ vor – und zitieren dafür Tweets aus China, das mit seiner knallhart exekutierten Zero-Covid-Strategie weltweit für Kopfschütteln sorgte.

Das ist einfach so passend!
Österreich hat leider den einfachen Weg gewählt.#rauchruecktritt https://t.co/hJJmSN1oTU

— Ulli Brand in der Felsung (@RadineUlla) July 27, 2022
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Dissidenten finden Aufregung befremdlich & entlarvend

So mancher Dissident sieht darin eine entlarvende Denke der Corona-Maßnahmen-Fans. So etwa der alternative Journalist Thomas Oysmüller, der regelmäßig fundierte Analysen und Globalismuskritiken für den TKP-Blog schreibt:

Unter #ruecktrittrauch erlebt man eine vorzügliche Offenbarung: Man schreit wie Kleinkinder, denen das neue Spielzeug nach so viel neuem Lustgewinn abgenommen werden soll. Der Ausnahmezustand muss unbedingt aufrechterhalten werden.

— Thomas Oysmüller (@TOysmueller) July 24, 2022
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Auch dieser Nutzer ist der Ansicht, dass „die Angstneurotiker und Hysteriker“ vor allem ein eigenes Psychogramm zum Besten geben.

Unter #RuecktrittRauch ereifert sich gerade die gesamte Hautevolee des #TeamWissenschaft 🤓😁 Ein Streifzug durch die cognitive maps der Angstneurotiker und Hysteriker im besten Monty Python Style 👌🤣🤣🤣

— Willy Lillymayer (@WillyLillyie) July 24, 2022
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Der Politikberater Robert Willacker wiederum wunderte sich über den Typus Mensch, der sich am liebsten staatlich bevormunden lässt.

Man darf als Coronainfizierter zwar ins Restaurant gehen, dort aber nichts konsumieren. Und dann ist da noch die Zahl der Leute, die es offenbar nicht ertragen, wenn nicht jede Alltagssituation staatlich reguliert wird. Ersteres hat keinerlei praktische Relevanz, Zweiteres schon.

— Robert Willacker (@derWillacker) July 27, 2022
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Aufregung über Tweet zu Kinder-Suizidalität

Schon in der Vorwoche hatte es einen regelrechten Aufstand gegeben, weil Rauch in auf Twitter behauptete, dass die Maßnahmen zu einem Anstieg der Suizidalität von Kindern und Jugendlichen geführt haben könnten. Daraufhin behaupteten einige Akteure, die Studienlage gäbe das nicht her. Auf Rückfrage in der ZiB2 zitierte Rauch dann zwei Studien und verwies auf die Erfahrungsberichte, die ihm von Psychologen und Psychiatern zugetragen worden seien.

Auch damals hatten schon mehrere, hauptsächlich linksgerichtete Akteure den Rücktritt Rauchs gefordert. Dass alternative Medien wie der Wochenblick seine Aussage über die Kollateralschäden aufgriffen, versetzte die Twitteria erneut in helle Aufregung. So etwa der für seine Linksaußen-Position bekannte Sprecher der Jüdischen Hochschülerschaft an der Wiener Uni, Bini Guttmann. Natürlich nicht ohne die üblichen Schlagwörter „rechtsextrem“ und „verschwörungsideologisch“…

Johannes Rauchs Aussagen über die angebliche „suizidialität von Kindern“ sind nicht nur in verschwörungsideologischen Gruppen sondern auch im rechtsextremen „Wochenblick“ positiv aufgegriffen worden.

Wenig überraschend sind Falschaussagen des Gesundheitsministers ein Problem. pic.twitter.com/6GHNf3y9IF

— Bini Guttmann (@Bini_Guttmann) July 24, 2022
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