St. Pölten. – Am neuen „Österreich-Tarif“ des Verbund-Konzerns gibt es scharfe Kritik aus der Politik. „Der von der Verlierer-Ampel hochgejubelte Österreich-Tarif des Verbund-Konzerns ist kein großer Wurf, sondern ein billiger Taschenspielertrick auf dem Rücken aller Kunden“, so Udo Landbauer, Landesparteiobmann der FPÖ Niederösterreich den ab März gültigen Tarif des teilstaatlichen Konzerns.
Rabattmodell statt dauerhafter Preissenkung
Der „Österreich-Tarif“ des Verbund wird politisch als großer Schritt zu billigem Strom verkauft, von Kritikern jedoch eher als Rabattmodell denn als strukturelle Preissenkung gesehen. Denn tatsächlich liegt der angesetzte Arbeitspreis bei 12,5 Cent pro Kilowattstunde und fällt nur im ersten Jahr durch einen Rabatt von drei Cent auf 9,5 Cent. Damit entsteht genau jener Eindruck, den Kritiker bemängeln: Die öffentlich kommunizierte „unter zehn Cent“-Botschaft ist an Bedingungen geknüpft und hat einen eingebauten Mechanismus mit Ablaufdatum.
Für Haushalte können sich laut Kritikern zusätzliche Kosten ergeben, weil mit Grundentgelt und weiteren Bestandteilen die effektiven Kosten wieder über der symbolischen Zehn-Cent-Marke liegen können. Außerdem kommen ohnehin noch Steuern sowie Abgaben dazu. Gerade bei einem teilstaatlichen Konzern wird diese Konstruktion als problematisch bewertet, weil sie eher nach Marketinglogik aussieht als nach dem Anspruch, Tarife transparent und dauerhaft nachvollziehbar zu machen.
Entlastung nur für Aktive?
Problematisch ist zudem, dass Bestandskunden nicht automatisch profitieren: Sie müssen aktiv in den neuen Tarif wechseln. Das öffnet ein Einfallstor für eine altbekannte Praxis im Energiemarkt – wer nicht reagiert, bleibt im teureren Vertrag. Eine Entlastung, die erst dann greift, wenn Konsumenten aufmerksam genug sind, selbst umzusteigen, sei eben keine Entlastung „für alle“, sondern eine, die sich ein Teil der Kundschaft erst erarbeiten muss, so die Kritik. Dazu passt, dass auch auf alternative Verbund-Angebote verwiesen wird, die über Boni wie „Gratisstrom“-Monate im ersten Jahr rechnerisch sogar günstiger wirken können. Wenn Entlastung über wechselnde Rabatte, Boni und Aktionszeiträume orchestriert wird, sehen Kritiker die Gefahr wachsender Unübersichtlichkeit – und genau diese Unübersichtlichkeit nützt in der Praxis meist dem Anbieter, nicht aber dem Kunden.
„Solche Einmalrabatte verschleiern gekonnt die Kostenexplosion im zweiten Vertragsjahr – und aus einer Entlastung wird dann schnell eine Belastung“, so Landbauer. Er könne der EVN (Energieversorgung Niederösterreich) nur empfehlen, auf solche „billigen Tricks“ zu verzichten. „Die Niederösterreicher wollen billigen Strom und klare Tarife ohne Lockangebote und Superbonus. Alles andere wäre eine Täuschung und in der Folge eine herbe Enttäuschung aller Niederösterreicher“, so der Freiheitliche.
Planbarkeit als Kernfrage
In diesem Kontext verweist die FPÖ insbesondere auf das Thema Planbarkeit für Verbraucher. Wenn der günstige Preis nur ein Einstiegsversprechen sei und die tatsächlichen Kosten erst im zweiten Jahr deutlich würden, bleibe die Sorge berechtigt, dass aus der angekündigten Entlastung später eine Mehrbelastung wird – nicht unbedingt durch „böse“ Preiserhöhungen, sondern schlicht dadurch, dass Rabatte auslaufen und die Rechnung automatisch höher ausfällt. Die Forderung nach klaren, dauerhaft günstigen Tarifen ohne Lockmechanismen wird dabei als Argument für Konsumentenschutz ins Treffen geführt, während gleichzeitig kritisiert wird, dass es sich bei dem aktuellen Angebot um ein patriotisch gebrandetes Modell handle, das zeitlich begrenzte Rabatte beinhalte.




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