Über Jahre hielt sich eine Erzählung, die inzwischen selbst von ihren Urhebern kaum noch verteidigt wird: Donald Trump stehe für den Rückzug der Vereinigten Staaten aus der Weltpolitik. „America First“ wurde als Absage an die Rolle der USA als Weltpolizist gelesen, als Hinwendung zu Isolationismus, Transaktionalismus, Abschottung. Die liberale Öffentlichkeit projizierte in Trump den Zerfall der amerikanischen Ordnungsmacht – und verwechselte dabei Rhetorik mit Strategie. Was sich nun abzeichnet, ist nicht der Rückzug des Imperiums, sondern seine Reform. Trump verabschiedet sich nicht von Machtpolitik, sondern von ihrem universalistischen Selbstverständnis neokonservativer Prägung. Es geht nicht um weniger Imperium, sondern um eines anderer Art.
Das Imperium kehrt zurück
Nicht der Rückzug der USA aus der Weltpolitik, sondern die Rückkehr einer nüchternen Interessenpolitik kennzeichnet die zweite Trump-Ära. Frank-Christian Hansel deutet Entwicklungen in Venezuela, Grönland und dem Iran als Ausdruck eines amerikanischen Imperiums, das auf Einflusszonen, Ressourcen und Abschreckung setzt.
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