Berlin. – Eine neue Untersuchung des ZEW Mannheim und der Universität zu Köln kommt zu dem Ergebnis, dass der Abzug von US-Soldaten aus Deutschland erhebliche wirtschaftliche Folgen für die betroffenen Regionen hat. Demnach ging pro abgezogenem US-Soldaten im Umfeld der jeweiligen Militärstandorte durchschnittlich eine halbe Vollzeitstelle verloren.
Hintergrund der Untersuchung ist die Ankündigung der USA, ihre Truppenpräsenz in Deutschland erneut zu verringern. Bereits nach dem Kalten Krieg wurden in den 1990er-Jahren innerhalb weniger Jahre rund 200.000 US-Soldaten, etwa 80 Prozent der damaligen Truppenstärke, aus Deutschland abgezogen.
Wirtschaftlicher Einbruch nach Kasernenschließungen
Die Wissenschaftler sehen in den damaligen Standortschließungen einen massiven Einschnitt für viele Regionen. „Der Truppenabzug war in erster Linie eine sicherheitspolitische Entscheidung, aber er führte auch zu lokalen Wirtschaftsschocks“, sagt Jakob Schmidhäuser, Mitautor und Forscher in der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“. Die Effekte durch den Truppenabzug seien weit über direkte Entlassungen an US-Militärbasen hinausgegangen: „Rund 61 Prozent der abgebauten Arbeitsplätze betrafen regionale Unternehmen. Wegen der weggefallenen Konsumausgaben der Truppe und ihrer Familien kam es zu starken Umsatzeinbußen. Dieser Schock traf Regionen mit sowieso schon schwächeren Arbeitsmärkten am härtesten“.
Besonders betroffen waren Gemeinden in der Nähe ehemaliger US-Stützpunkte. Laut den Autoren verloren zahlreiche Unternehmen Kunden und Einnahmen, nachdem die Soldaten und ihre Familien die Regionen verlassen hatten.
Auch die öffentlichen Haushalte gerieten infolge des Truppenabzugs unter Druck. Laut der Studie reagierten viele Kommunen darauf mit Sparmaßnahmen und höheren Steuern. „Langfristig pendelten sich die Einnahmerückgänge auf drei Prozent ein. Die Präsenz der US-Truppen war ein erheblicher Wirtschaftsfaktor für die Region. Ihr Abzug hat langanhaltende, negative Auswirkungen auf die öffentlichen Ausgaben in den betroffenen Kommunen“, erklärt Johannes Kochems vom Exzellenzcluster ECONtribute der Universität zu Köln.
Langfristige Folgen für Beschäftigte
Laut der Untersuchung sind die negativen Auswirkungen bis heute messbar. Arbeitnehmer, die durch die Schließung von Kasernen ihren Arbeitsplatz verloren hatten, hatten auch viele Jahre später schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zudem lagen ihre Einkommen langfristig deutlich unter denen vergleichbarer Beschäftigter. Besonders stark betroffen waren den Angaben zufolge Frauen und ältere Arbeitnehmer.
Für ihre Analyse kombinierten die Forscher Daten des US-Verteidigungsministeriums zu Militärstandorten mit Arbeitsmarktdaten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie mit kommunalen Finanzdaten aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Auf dieser Grundlage untersuchten sie die wirtschaftlichen Auswirkungen des US-Truppenabzugs auf Gemeindeebene.








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