Hinsichtlich des medial verbreiteten Bildes der Burschenschaften scheint es grundsätzlich zwei dominante Abziehbilder zu geben: Auf der einen Seite wurde und wird das Bild der versoffenen Langzeitstudenten ohne politische Relevanz (Stereotyp I) reproduziert; auf der anderen jenes der konspirativen Geheimbünde voller Kader mit mächtigen Verbindungen in die höchsten Kreise von Wirtschaft und Politik (Stereotyp II) propagiert.
Zunehmendes mediales Interesse
Wer schon etwas länger Mitglied einer Burschenschaft ist, wird bemerkt haben, dass Stereotyp I seit einiger Zeit auf dem Rückzug ist, während Stereotyp II immer häufiger Einzug in die Gazetten des publizistischen Hauptstroms sowohl der Bundesrepublik als auch Österreichs findet. Weil davon auszugehen ist, dass die mediale Aufmerksamkeit, die den Burschenschaften gewidmet wird, mit jedem zusätzlichen Prozentpunkt, den die AfD in Umfragen erringen kann, weiterhin zunehmen wird, scheint es angemessen, den Wandel der burschenschaftlichen Bewegung im öffentlichen Bewusstsein einmal genauer zu untersuchen.
Von armen Schweinen und personellen Schnittstellen
Zunächst aber sollen beide stereotype Darstellungen der Burschenschaft einmal anhand von Beispielen klarer herausgestellt werden. Ein Artikel, der im Jahre 2014 in der Taz erschienen ist, verdeutlicht paradigmatisch das Vorurteil, welches der Burschenschaft gegenüber für viele Jahre gepflegt wurde. Nachdem im Text eingangs die üblichen Schmähungen vorgetragen wurden („Die DB ist echt viel zu rechts“ ...), heißt es dort mit kaum zu überbietender Arroganz:
„Denn wer sich aus freien Stücken und nach Abwägung aller Argumente zum Beitritt in eine Burschenschaft entscheidet, ja, wer diese Möglichkeit auch nur ansatzweise in der Dunkelheit seines Herzens bewegt, der ist per definitionem schon eines der ärmsten Schweine unter der Sonne.“
Wer das journalistische Machwerk in Gänze liest, wird erkennen, dass sich hinter der billigen Polemik weniger die interessante Schärfe eines autonomen Kopfes, eher aber die wohlfeile Selbstherrlichkeit eines nur innerhalb des peinlich genau vorgegebenen Meinungskorridors der subventionierten Deutungshoheit veröffentlichenden Günstlings verbirgt. In diesem Sinne kann der ganze Text als beispielhafte Verdichtung der bundesrepublikanischen Gesinnung vor 2015 gelesen werden: die Rechten, das sind die armen Schweine und Zurückgebliebenen, allen voran die Burschenschaften.
Deutsche Burschenschaft: Doch ein politischer Faktor?
Ganz andere Töne schlug selbige Zeitung allerdings im vergangenen Jahr an (), als anlässlich der Gründung der Generation Deutschland ein weiterer Text in der Taz erschien. Schon im Titel des Artikels wird die Deutsche Burschenschaft hier als „Fundgrube für neues Personal“ beschrieben. Der Verfasser des Texts – der unvermeidliche und jüngst im Rahmen des lächerlichen Schmierentheaters „Prozess gegen Deutschland“ wieder prominent in Erscheinung getretene Andreas Speit, seines Zeichens nach selbsterklärter „Rechtsextremismusexperte“ – bescheinigt der Deutschen Burschenschaft im Zusammenhang mit dem Aufstieg der AfD wieder an „politischer Relevanz“ gewonnen zu haben. Noch etwas weiter geht die Stuttgarter Kontext Wochenzeitung, welche die Burschenschaften als „Knotenpunkte und Kaderschmieden“ im Kontext von AfD und Neuen Rechten bezeichnet.
Nach der Häme folgt das Interesse
Natürlich braucht sich die Deutsche Burschenschaft als Dachverband nicht mit derartigen Fremdbezeichnungen auseinanderzusetzen – vermögen es Gestalten wie Andreas Speit und Konsorten schließlich gar nicht, über die Art und Weise, wie der burschenschaftliche Auftrag gelebt und umgesetzt wird, zu urteilen. Dennoch lässt sich nicht zuletzt am Wandel des medialen Umgangs mit den Burschenschaften nachzeichnen, wie sich die Reaktion auf die Existenz politischer Organisationen rechts der Mitte im bundesrepublikanischen Bewusstsein verändert hat: Auf die herablassende Häme folgte spätestens seit 2015 vermehrt ein argwöhnisches Interesse. Der Alternative für Deutschland ist es ähnlich ergangen. An ihrem Schicksal lässt sich allerdings absehen, dass auf die Dämonisierung üblicherweise die Kriminalisierung folgt – auch wenn die Bemühungen um ein Verbotsverfahren gerade erst einen erheblichen Dämpfer erfahren haben.
Es bleibt abzuwarten, wie mit der DB in dieser Hinsicht weiter umgegangen wird. Die zunehmende mediale Aufmerksamkeit hat aber auch erfreuliche Folgen, denn viele DB-Mitgliedsbünde erfreuen sich seit einiger Zeit an einem tatsächlich gut gefüllten Fuxenstall, der oft aus jungen Männern besteht, welche gerade die vermeintlich schlechte Presse auf die Burschenschaft aufmerksam gemacht hat.
Angesichts der schillernden, eigentlich widersprüchlichen Darstellung, welche das öffentlich-mediale Bild der Deutschen Burschenschaft bestimmt, muss ich an ein Bonmot von Günter Maschke denken. Dieser erklärte schon 2011 in dem lesenswerten Gesprächsband „Verräter schlafen nicht“, dass es zur Methode bundesrepublikanischer Journalisten gehöre, rechte Strömungen wie folgt zu charakterisieren: „Der Feind ist klein, schmutzig, hässlich, historisch widerlegt, intellektuell bankrott – aber er ist ungeheuer gefährlich und teuflisch raffiniert!“ Möge sich die Deutsche Burschenschaft von solchen Mätzchen auch weiterhin nicht beeindrucken lassen.



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