Ich bin dann also der Neue hier. Maximilian Gerner ist mein Name und wenn ihr mich noch nicht kennt – was relativ wahrscheinlich ist, außer ihr folgt mir aufgrund meiner gehaltvollen Beiträge zu nationalen wie internationalen Bierverkostungen und Fußballspielen des VfB Stuttgart bereits länger auf Instagram –, dann dürfte sich das bald ändern. Ich wurde nämlich bei der Landtagswahl am 8. März 2026 für die AfD in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt und werde dort nicht weniger als einen neuen Politikstil prägen. Sowohl nach allgemeingültigen Maßstäben als auch für AfD-Verhältnisse. Klingt ambitioniert? Ist es aber vielleicht gar nicht, denn die Messlatte hängt ja oftmals nicht gerade besonders hoch.
Aber der Reihe nach: Ich bin 1998 geboren, seit spätestens 1999 politikinteressiert, trolle offline ebenso gerne wie online und bin der Meinung, dass Alkoholkonsum und Kraftsport durchaus zwei Seiten derselben Medaille sein können. 2017 bin ich – nüchtern, wie ich betonen möchte – der AfD beigetreten und seit 2022 parlamentarischer Berater für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft der AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg. Auf dem Listenplatz 22 bin ich nun vom Mitarbeiter zum Abgeordneten aufgestiegen und koste die Steuerzahler damit zukünftig noch mehr Geld. Vielen Dank an dieser Stelle allen Wählern – ich werde alles geben, damit diese Steuerzahler in fünf Jahren sagen kann: Der Typ ist sein Geld wert!
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
In den letzten vier Jahren habe ich mich von Berufs wegen täglich mit Fragen der Umwelt- und Energiepolitik befasst und bin der Meinung, dass dieses Politikfeld noch viel stärker in den Mittelpunkt unserer politischen Arbeit gerückt werden muss. Das betrifft sowohl die reine Energiepolitik als auch Umweltfragen. Beides ist oft verbunden, aber es gibt eben auch wichtige Fragen des Umweltschutzes, die nicht mit Fragen der Energieerzeugung zusammenhängen. Hier haben wir als AfD, und das sage ich durchaus selbstkritisch, noch Nachholbedarf.
Zu oft reden AfD-Politiker nur dann leidenschaftlich von Umweltschutz, wenn sie ihn zum Beispiel gegen Windenergieanlagen ins Feld führen können. Ich will das ändern, denn Umweltschutz ist kein anlassbezogenes Kleidungsstück, das man alle paar Jubeljahre einmal aufträgt und dann wieder in den Schrank hängt, sondern die Grundvoraussetzung für ein lebenswertes Dasein der jetzigen wie auch kommender Generationen. Als jemand, der leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs ist, ist mir das vielleicht etwas bewusster als anderen. Dieses Bewusstsein will ich nicht nur ins Parlament tragen, sondern auch in meine eigene Partei.
Denn meines Erachtens reicht es eben nicht, Windenergieanlagen in windarmen Gegenden und inmitten sensibler Flora und Fauna zu kritisieren. Es reicht nicht, Solarenergie nur auf ohnehin bereits versiegelten Flächen zu erzeugen und die Anlagen nicht auf der grünen Wiese sehen zu wollen. Wenn wir als AfD unseren Job richtig machen wollen, dann müssen wir mehr zu bieten haben. Ja, wir wollen den Ausstieg aus der Kernkraft rückgängig machen – aber das geht leider nicht von heute auf morgen. Ja, wir wollen Kohlekraftwerke übergangsweise als Beitrag zu einem ausgewogenen Energiemix beibehalten. Aber was kommt danach?
Warum Autarkie zählt
Wir befinden uns in unsicheren Zeiten. Und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Wir sind Augenzeugen geopolitischer Umwälzungen, die man nicht anders als historisch bezeichnen kann. An Europas Ostflanke herrscht Krieg. Chinas offen angekündigter Griff nach Taiwan ist eine Gefahr für die globalen Lieferketten. Nicht nur im Bereich der Halbleiterindustrie, sondern auch im wichtigen Bereich der Seltenen Erden. Und in den USA herrscht ein Präsident, von dem man nie weiß, ob er heute irrwitzige Zölle gegen alles und jeden verhängt, morgen das Staatsoberhaupt eines Nachbarlandes entführen lässt oder übermorgen in Grönland – zur Erinnerung: Das gehört zu Dänemark und Dänemark ist NATO-Mitglied! – einmarschiert.
Es wäre fahrlässig, sich angesichts all dessen nicht möglichst breit diversifiziert und auch möglichst autark aufzustellen, gerade im Bereich der Energieversorgung. Nicht erst seit der Gasmangellage vor wenigen Jahren ist klar: Wir dürfen uns nicht von irgendwelchen Monopolen abhängig machen – und zwar ganz egal, ob der jeweilige Monopolist uns heute vielleicht noch vermeintlich freundlich gesinnt ist.
Heimische Ressourcen nutzen
Aus meiner Sicht bedeutet das: Wir brauchen eine ganzheitliche Vision, wie wir uns als Land aufstellen, um möglichst viel von unserem Energie- und Materialbedarf selbst zu decken. Dazu gehören in meinen Augen zum Beispiel dezentrale Biogasanlagen genauso wie ein kontrollierter Ausstieg aus dem faktischen Verbot des Frackings, damit wir das Gas für unsere Gaskraftwerke nicht aus Übersee importieren müssen. Dazu gehört weiterhin die Erforschung heimischer Lithium-Vorkommen, beispielsweise im Rheingraben. Ebenso wie die Vorbereitung auf den Abbau von Uran im Erzgebirge, wenn der Wiedereinstieg in die Kernkraft – und dort insbesondere in kleine dezentrale Reaktoren – auf den Weg gebracht wurde. All das sind Punkte, die bisher weder in der öffentlichen Debatte eine Rolle spielen, noch von der AfD offensiv thematisiert werden. Ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass sich das ändert.
Es wäre kurzsichtig, diese Themen links liegen zu lassen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) machte unlängst darauf aufmerksam, dass Deutschland ja über eigene Gasvorkommen verfügt und sagte: „Es kann hier Gas gefördert werden.“ Diese Aussage ging im Trubel um den amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran schnell wieder unter. Sie zeigt aber, dass das Thema über kurz oder lang auf den Tisch kommen wird. Darauf müssen wir vorbereitet sein.
Die Frage der politischen Glaubwürdigkeit
Es wäre höchst widersprüchlich, wenn im Fall der Fälle aufgrund fehlender inhaltlicher Vorbereitung lokale AfD-Gliederungen aus einer „Not in my backyard“-Mentalität heraus den Abbau heimischer Rohstoffe behindern würden, für deren Verwendung in der Energiegewinnung die Partei ansonsten immer lauthals trommelt. Natürlich muss dann „sehr sensibel zwischen Umweltinteressen und Rohstoffversorgung abgewogen werden“, um nochmals Frau Reiche zu zitieren – aber man kann nicht einerseits den Import von Flüssiggas aus den USA – als Ersatz für weggebrochenes russisches Gas – aus angeblichen Umweltschutzgründen ablehnen, aber gleichzeitig den Abbau eigener Vorkommen hierzulande blockieren. Man kann nicht den Wiedereinstieg in die Kernkraft fordern, aber sich gleichzeitig bei Uranlieferungen blauäugig komplett auf das Ausland verlassen – in diesem Fall vor allem auf Kasachstan, das Russland und China relativ nahesteht und in einem etwaigen größeren Konflikt globaler Tragweite (Stichwort Taiwan) womöglich in deren Sinne agieren wird.
Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Aber wahrscheinlich ahnt man es an dieser Stelle schon: Ich meine es ernst, wenn ich von Resilienz, Diversifizierung und Autarkie rede. Der Gedanke daran und insbesondere an die Umsetzung in der Realität mag unbequem sein, ist aber die einzig richtige Antwort auf die ganz großen Herausforderungen unserer Zeit bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten. Wir müssen in dieser Hinsicht dringend weg von engstirnigem Klein-Klein, hin zu einem in sich schlüssigen Gesamtkonzept. Ich werde meinen Teil dazu beitragen. Außer ich bin gerade in der Kneipe, im Stadion, in der Natur oder beim Training.





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