Frauen töten allen Gleichstellungsprogrammen zum Trotz immer noch anders als Männer. Während Männer sich, von Gefühlen überwältigt, zur Bluttat im wahrsten Sinne des Wortes hinreißen lassen, töten Frauen gut geplant und so, dass kein Blut fließt. Und während Männer ihre Frauen töten, um zu verhindern, dass sie sich trennen, töten Frauen ihre Männer, um sie loszuwerden. Das eine ist nach unserem Strafrecht Totschlag, das andere Mord, weshalb die Giftmischerin, die ihren Mann behutsam und lautlos ins Jenseits beförderte, bislang in aller Regel schwerer bestraft wurde, so man ihr denn auf die Schliche kam, als der Mann, der seine Frau im eskalierten Trennungsstreit erschlug.
Das sei sehr ungerecht gegenüber den Frauen, befanden die Feministinnen, und versuchen deshalb seit geraumer Zeit und mit wachsendem Erfolg, exklusiv für Tötungen von Frauen den Begriff „Femizid“ einzuführen. Femizid klingt ein wenig wie Genozid und transportiert ein ähnlich schweres Verdikt. Die Tötung einer Frau durch einen Mann sei „besonders verwerflich“, weshalb bei dieser Geschlechtskonstellation immer von einem Mord auszugehen sei, behauptete und forderte im Vorjahr die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt.
Die Krise der Ehe
Dass im Zeichen eines radikalen Individualismus der Versuch, sich zu trennen, kein niederes, ja fast schon ein edles Motiv darstellt, während der Versuch, eine Trennung zu verhindern, als verdammungswürdiges patriarchalisches Besitzdenken erscheint, leuchtet zwar ein, widerspricht aber so ziemlich allen seit jeher tradierten Werten der allermeisten Kulturen. Auch wenn die Ehe nicht gerade als unauflöslich gedacht wird, so ist die Trennung doch ein Übel, auf dessen Vermeidung seit jeher eine Fülle von Imperativen, Schlichtungspraktiken und Rechtsbestimmungen hinwirken.
Die mit der Abschaffung des Schuldprinzips 1976 begonnene Transformation des verwerflichen Ehebruchs zur freien, gesetzlich und in vielen Fällen auch schon vertraglich geregelten Scheidungsmöglichkeit markiert eine Abkehr von diesem Denken und damit den Beginn einer systematisch ignorierten, ja zur regelrechten Menschheitsbefreiung verklärten Ehekrise, die durch hohe Scheidungsrate, sinkende Geburtenrate, Abwesenheit der Vaterfigur und emotionale Verwahrlosung der Kinder gekennzeichnet ist.
Vom Beziehungsdelikt zum Femizid
Das verkrampfte, in hilfloser Verzweiflung mündende Festhalten an einer Beziehung ist mit Sicherheit keine empfehlenswerte Haltung, ein niederes Motiv aber ist ein solcher emotionaler Irrweg auch nicht. Die jahrzehntelang übliche Kategorisierung solcher Fälle als Beziehungstaten war angemessen. Der Femizid-Begriff stempelt solche Beziehungstaten zu Morden und geht sogar noch weit darüber hinaus. Denn auch unabhängig von klassischen Beziehungstaten soll jede Tötung einer Frau durch einen Mann allein schon aufgrund dieser Geschlechtskonstellation zum Mord erklärt werden. Dieser Umstand an sich ersetzt unabhängig von der Motivlage das niedere Motiv. Die Begründung bewegt sich auf dem gleichen intellektuellen Niveau wie im oben zitierten Antrag der Linken: Es soll eben immer „besonders verwerflich“ sein, wenn ein Mann eine Frau tötet. Während es bei der Tötung eines Mannes durch eine Frau aufs Motiv ankommen soll und nur ganz ausnahmsweise ein Mord vorliegt, soll es in umgekehrter Konstellation besonders verwerflich und stets Mord sein. Aber weshalb?
Tatsächlich sind auch viele sich für konservativ haltende Journalisten und Politiker geneigt, diese Prämisse ungeprüft anzunehmen, weil in einem tradierten patriarchalischen Weltbild, wo der Mann zum Schutze der Frau berufen ist, männliche Gewalt gegen Frauen besonders verwerflich erscheint. Echte Männer beschützen Frauen. Wer Frauen schlägt, ja sogar totschlägt, verkehrt diese Verhältnisse ins Gegenteil, ist kein richtiger Mann und aller Verachtung wert. Sogar in der robusten Moral und Hierarchie der Gefängnisinsassen steht der Vergewaltiger ganz weit unten. Nur noch der Kinderschänder rangiert unter ihm.
Aus diesen patriarchalischen Wertungen bezieht das Femizid-Argument seine Hauptdurchschlagskraft, allerdings verkehrt es seinerseits diese Wertungen in ihr Gegenteil und pervertiert so das patriarchalische Denken. Die besondere Verwerflichkeit von Gewalt gegen Frauen ergibt überhaupt nur Sinn innerhalb einer patriarchalischen Ordnung, wo die Männer hinaus ins feindliche Leben müssen, während die Frau als Mutter der Kinder im häuslichen Kreise waltet. Linke aber bekämpfen gerade diese patriarchalische Ordnung oder besser gesagt die kümmerlichen Reste, die davon noch übrig sind, mit fanatischer Verbissenheit.
Ein Argument gegen sich selbst
Ohne den patriarchalischen Kontext bleibt freilich nur noch eine Deutung, die also zumindest den linken und feministischen Propagandisten des Femizid-Begriffs unterstellt werden muss: Die Tötung einer Frau durch einen Mann ist ohne Rückgriff auf patriarchalische Prämissen nur dann an sich schon „besonders verwerflich“, wenn Frauen höherwertigere und Männer minderwertigere Menschen sind. Zwar existieren Versuche, analog zum Femizid-Begriff die Tötung eines Mannes aus Männerhass als Androzid zu konzeptualisieren, was dann auch noch zum Genderzid, zum Mord aus Geschlechtshass, verallgemeinert wird, es handelt sich dabei aber um rein akademische Kopfgeburten ohne die geringste mediale oder politische Wirksamkeit. Indem der Femizid-Begriff die Tötung einer Frau als besonders verwerflich herausgreift, unterstellt er dem Mann bei jeder Tötung einer Frau ein niederes Motiv und verharmlost umgekehrt die Tötung eines Mannes als weniger verwerflich.
Konsequenterweise rechtfertigen die gleichen, die den Femizid-Begriff propagieren, dann auch die Ermordung eines Mannes durch seine Ehefrau als sogenannten Haustyrannenmord. Die durch das Mordopfer geübte Tyrannei habe die Mörderin eben förmlich dazu getrieben, was als mildernder Umstand zu berücksichtigen sei. Die im Femizid-Begriff zum Ausdruck kommende Männerverachtung ist im Kern eine Menschenverachtung, denn auch Männer sind Menschen. Wenn dann Feministinnen den im Mutterleib heranwachsenden Embryo als Krebsgeschwür bezeichnen, das selbstredend straffrei herausgeschnitten werden können muss, fügen sich die feministischen Ansichten zu einer Haltung, die als „Femifaschismus“ bei weitem nicht zu drastisch charakterisiert ist.
Nachdem erste Gerichte bereits darauf eingestiegen sind, wird nun versucht, die erwünschte Opferhierarchie ins Gesetz zu schreiben. So ähnlich wie Deutsche jetzt schon per Definition nicht Opfer von Volksverhetzung werden können, aber umgekehrt jedes böse Wort eines Deutschen gegen einen Ausländer den Deutschen ins Gefängnis bringen kann, werden Männer, wenn Frauen die Täter sind, künftig bald nicht mehr Mordopfer sein können und Männer werden umgekehrt bei jeder Tötung einer Frau unabhängig von den weiteren Umständen für Mord verurteilt. Wer meint, den Femizid-Begriff nachplappern zu müssen, sollte sich dessen bewusst sein.







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