Brüssel/Neu-Delhi. – Im Zuge ihres neuen Freihandelsabkommens mit Indien treibt die Europäische Union nicht nur den Warenhandel voran, sondern setzt auch gezielt auf die Zuwanderung indischer Arbeitskräfte nach Europa. Im Zentrum steht dabei ein neues Mobilitätsabkommen, das Brüssel als Chance für den europäischen Arbeitsmarkt verkauft.
In Neu-Delhi machte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen deutlich, dass die Union verstärkt auf Einwanderung aus Indien setzt. „Wir beide wissen: Unser größter Reichtum sind unsere Menschen“, sagte sie in Richtung des indischen Premierministers Narendra Modi. Genau deshalb sei sie froh, dass ein Abkommen über Mobilität unterzeichnet wurde.
EU öffnet Tore für indische Bürger
Das Abkommen soll indischen Bürgern den Zugang zu zahlreichen Bereichen des europäischen Arbeits- und Bildungsmarktes erleichtern. „Wir werden die Mobilität von Studenten, Forschern, Saisonarbeitern und hochqualifizierten Arbeitskräften erleichtern“, kündigte von der Leyen an. Damit wird Migration nicht als Rand-, sondern als zentrales Thema des EU-Indien-Pakets präsentiert. Insbesondere indische Regierungsstellen betonen laut Medienberichten den Vorteil, dass der Zugang für indische Studenten offenbar nicht begrenzt werden soll.
Ein besonders weitreichender Schritt ist die Einrichtung einer neuen EU-Stelle, eines EU-„Legal Gateway Office“, direkt in Indien. Dieses Büro soll als zentrale Anlaufstelle dienen, um indische Arbeitskräfte direkt nach Europa zu vermitteln. „Es wird eine zentrale Anlaufstelle sein, die indische Talente beim Umzug nach Europa unterstützt“, sagte die Kommissionspräsidentin.
Brüssel betont dabei zwar, dass die Zuwanderung im Einklang mit den einzelnen Staaten stehen soll. Gleichzeitig ist aber auch die Stoßrichtung klar: Europa möchte gezielt indische Fachkräfte anwerben, um den Arbeitskräftemangel und die demografischen Lücken zu schließen. Von der Leyen stellte die Migration aus Indien als wirtschaftlichen Gewinn dar. „Das ist gut für unsere Wirtschaft“, sagte sie. Ebenso sei es „gut für die Freundschaft zwischen unseren Leuten“. Diese Offenheit würde „uns allen“, nützen, ist von der Leyen überzeugt.
Handel und Arbeitsmigration verbunden
Das umfassende Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU sieht neben Zollsenkungen auch verstärkte Mobilitätsprogramme vor. Dazu gehören vereinfachte Visa-Verfahren, die Anerkennung von Qualifikationen und neue Plattformen zur Vermittlung indischer Arbeitskräfte nach Berlin, Paris oder Amsterdam. Besonders auffällig ist, dass Inder bereits heute die größte Gruppe von Empfängern der EU-Blue-Card für Hochqualifizierte sind. Allein im Jahr 2024 wurden laut EU-Kommission über 16.000 dieser Arbeitsgenehmigungen an indische Staatsbürger vergeben.
Die neue Strategie reiht sich in einen langfristigen Trend ein. Immer mehr Inder leben und arbeiten in Europa. Allein die Zahl der Erstaufenthaltsgenehmigungen für indische Staatsangehörige belief sich im Jahr 2024 auf knapp 200.000. Mit dem neuen „Legal Gateway Office“ und der offenen Mobilitätsagenda macht Brüssel nun deutlich, dass diese Entwicklung nicht zufällig geschieht, sondern politisch gewollt ist.





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