Wien. – Die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters hat deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Die Zahl der arbeitslosen Frauen im Alter von 60 bis 64 Jahren ist seit Anfang 2024 deutlich gestiegen. Zwar wächst parallel dazu auch die Beschäftigung in dieser Altersgruppe, doch der Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt deutlich ins Gewicht.
Im März 2026 waren 7.045 Frauen im Alter zwischen 60 und 64 Jahren arbeitslos. Damit hat sich ihre Zahl im Vergleich zu Anfang 2024 etwa verdreieinhalbfacht. Besonders stark betroffen sind einzelne Jahrgänge: So lag die Zahl der arbeitslosen 60-jährigen Frauen zuletzt bei 4.670, während sie bei den 61-Jährigen bei rund 1.900 lag – ein Vielfaches der Werte zu Beginn der Reform.
Pensionsalter als Treiber der Entwicklung
Zum Jahresbeginn 2024 wurde das gesetzliche Antrittsalter für Frauen erstmals angehoben, weitere Schritte folgten 2025 und 2026. Diese Anpassungen verlängern die Zeit, in der Frauen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, und haben zwei gegensätzliche Effekte: Einerseits bleiben mehr Frauen erwerbstätig, andererseits steigt aber auch die Zahl jener, die keinen Job finden. Die Seniorenvertreter und die Alterssicherungskommission sehen hier Handlungsbedarf. Wer einmal aus dem Erwerbsleben ausscheidet, habe es schwer, wieder Fuß zu fassen. Der Wiedereinstieg sei „schwieriger“.
Tatsächlich zeigt die Entwicklung auch eine andere Seite: Die Zahl der unselbstständig beschäftigten Frauen im Alter von 60 bis 64 Jahren ist stark gestiegen. Im März 2026 lag sie bei 85.138 und war damit rund doppelt so hoch wie noch Ende 2023. Christine Mayrhuber, die Vorsitzende der Alterssicherungskommission, beschreibt diesen Trend wie folgt: „Frauen, die eine Beschäftigung haben, bleiben dabei und verlängern ihre aktive Erwerbstätigkeit.“ Insgesamt gebe es eine „unglaubliche Zunahme“ bei der Beschäftigung in dieser Altersgruppe, gleichzeitig allerdings auch „viel Licht, aber auch viel Schatten“.
Arbeitslosigkeit verfestigt sich im Alter
Einerseits bleibt ein Teil der Frauen länger im Beruf, andererseits wächst für andere das Risiko, dauerhaft ohne Beschäftigung zu bleiben. Besonders auffällig ist die steigende Dauer der Arbeitslosigkeit: Bei 60-jährigen Frauen erhöhte sich die durchschnittliche Verweildauer von rund 150 Tagen im Jahr 2024 auf etwa 350 Tage. Bei 61-Jährigen liegt sie sogar bei rund 400 Tagen. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass es für ältere Arbeitslose zunehmend schwieriger wird, wieder eine Stelle zu finden. Entsprechend äußert Mayrhuber Sorge um jene Frauen, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Vertreter großer Seniorenorganisationen fordern deshalb gezielte Maßnahmen, um ältere Arbeitnehmerinnen länger im Erwerbsleben zu halten.
Um gegenzusteuern, wird ein engeres Zusammenspiel zwischen Politik, Wirtschaft und Arbeitnehmervertretungen vorgeschlagen. Ingrid Korosec, Chefin des ÖVP-nahen Seniorenbunds, spricht von einem notwendigen „Schulterschluss“ und betont: „Alle drei tragen zum Erfolg bei, alle drei tragen Verantwortung.“ Zugleich brauche es ein Umdenken in den Unternehmen: „Die Qualifikation ist wichtig und nicht das Alter.“ Diskutiert werden auch Anreize in der Arbeitslosenversicherung, etwa in Form eines Bonus-Malus-Systems für Betriebe.







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