Logo von FREILICH Magazin
Politik

Peršmanhof: Das Netzwerk hinter dem Antifa-Camp

Die österreichische Polizei besucht 2025 ein linksextremes Vernetzungstreffen am Peršmanhof und tritt damit auf eine politische Mine. Die Geschichte explodiert und führt tief in die Lebenslügen der Zweiten Republik, die ihre Exekutive im Regen stehen lässt.

Der Peršmanhof wurde nach einem Polizeieinsatz bei einem Antifa-Camp bundesweit zum Politikum und löste eine Debatte über Linksextremismus und Erinnerungskultur aus.
Der Peršmanhof wurde nach einem Polizeieinsatz bei einem Antifa-Camp bundesweit zum Politikum und löste eine Debatte über Linksextremismus und Erinnerungskultur aus. (Bild: Collage: Freilich, Symbolbild: Volkswagen Touran II der österreichischen Polizei in Innsbruck (7. März 2019). Foto: Aciarium, via Wikimedia Commons, lizenziert unter CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de))

Die Polizei kommt und die Partisanen wollen weglaufen. Aber so recht gelingt das nicht. Das wäre auch nicht nötig, weil keinem etwas passieren wird. Die Polizei der Republik Österreich ist da. Die alten Partisanen sind nur aus Metall, sie stehen auf ihrem Sockel, bewaffnet, still und werden Zeugen einer Amtshandlung – die irgendwie aus dem Ruder läuft.

Der Grund, warum die Polizei anrückt, ist das „Antifa Camp Koroška“, das am Peršmanhof stattfindet. Der liegt auf knapp 1.000 Meter über Bad Eisenkappel in Kärnten, nur eine enge Straße führt da rauf. Es ist Partisanengelände, historisch gesehen. Nun ist der Krieg, der 1945 geendet hat, schon lange vorbei, der Hof ist aber als Museum neugestaltet: es erinnert an das Massaker vom 25. April 1945, bei dem elf Personen ermordet wurden, darunter sieben Kinder. Wie das ausgesehen hat? Man kann im Zwei-Raum-Museum an einer Wand das Bild betrachten, wie die Leichen im letzten Kriegsjahr vor dem Haus liegen.

Hierher traut sich Polizei und will wissen, wer sich zu einem linksradikalen Sommerlager versammelt hat. Der Mix ist nicht unbrisant. Hinter dem Peršmanhof steht der Partisanenverband, sozusagen der Lokalverein der ehemaligen Titokommunisten, an die dockt die radikale Antifaszene an und organisiert einen Ideologieurlaub in den Bergen. Die einen haben ihre Geschichten, die lange keiner hören wollte, und freuen sich über die jugendlichen Bewunderer, die anderen sind scharf auf das Vorbild im „Kampf gegen den Faschismus“, der ja angeblich gerade wieder naht, wie manche aus dieser Szene meinen. Und damals war das sogar „true“, mit Waffen und echten Gefechten gegen wirkliche Nazis. Militanz belebt die Sinne der Antifa. Und vielleicht wird es ja bald wieder mal nötig. Widerstand, Kampf, Untergrund. Man wird ja hoffen dürfen. Just in dem erbaulichen Moment tritt auf: die Polizei.

Massaker am Berg

Die Polizei des Jahres 1945 war eine ganz andere, nicht vergleichbar: Sie war eine Einheit des SS-Polizeiregiments 13, die am Abend des Markustages von Eisenkappel aus anrückt, nachdem man am Hof eine Einheit von Partisanen lokalisiert hatte. Der Anlass: eigentlich ist der Krieg schon vorbei, und sie gehören zu den Siegern. Vermutlich sehen das die Partisanen so und wollen feiern. Sie stehlen in Feistritz ob Bleiburg zwei Kühe, ausgerechnet beim NS-Bürgermeister. Die Anzeige setzte das Polizeiregiment in Bewegung, das sich mit 70 Mann auf die Suche machte und am Luschasattel oberhalb des Peršmanhofes einen Partisanen gefangen nehmen konnte, der ihnen ein Bild gibt, was sie da vor sich haben. Die Einheit zieht weiter und stößt mit gut 50 Mann auf den Peršmanhof vor, wo sie zumindest Teile des 3. Partisanenbataillons mit bis zu 200 Mann überraschen. Es entwickelt sich ein Feuergefecht, das zwar heftig, aber seltsam folgenlos bleibt. Die Partisanen ziehen sich zurück, sie werden zwei Tage später von ihrer Führung dafür gerügt, die Polizisten transportieren das eroberte, wertvolle Fleisch ab.

Und dann gibt es zumindest zwei Versionen: die eine lautet, dass zum Hof, der durch Handgranaten angezündet wurde, mehrere Angehörige der Polizeieinheit zurückkamen und die verbliebenen Zivilisten aus dem Gebäude getrieben hätten. Zwei Mann ermorden dann elf Angehörige der Familien Sadovnik und Kogoj – vier Erwachsene und sieben Kinder. Zwei der Kinder überleben verletzt, ein Kind, das sich weiter im Haus versteckt hatte, überlebt unverletzt. Die Leichen bleiben ein paar Tage liegen, bis sie am Friedhof in Eisenkappel beigesetzt werden. Eine zweite, vielleicht eher unwahrscheinliche Variante besteht darin, dass die Partisanen zurückgekommen wären und die Menschen ermordet haben. Das sei „sehr beleidigend für die Partisanen“, meint eine Museumsbetreuerin am Hof. Wir halten Variante eins – Mord durch Angehörige der Polizeieinheit – ebenfalls für schlüssiger. Es gab nach dem Krieg zwei Prozesse um den Peršmanhof: der in Graz 1946 konnte nichts klären, ein Prozess 1950 in Ungarn (die Polizeieinheit bestand nicht nur aus Deutschen, sondern hatte auch ungarische und litauische Angehörige) meint eine Schuld des SS-Polizeibataillons zu erkennen. Ein Mann wurde verurteilt, der aber wenige Jahre später wieder frei ist. Motive könnten freilich beide Seiten gehabt haben: Die Polizeieinheit wusste, dass die Höfe da oben am Berg „den Partisanen gehören“, zusätzlich scheint am Hof das Archiv einer Einheit gefunden worden zu sein. Waren die Morde frustrierte Rache in der letzten Minute vor Kriegsende gegen die Unterstützer der Partisanen – sogenannte Endphaseverbrechen? Oder – unwahrscheinlicher – sind Partisanen zurückgekommen, die sich vielleicht verraten gefühlt haben, weil sie von der Polizei überfallen wurden?

Historisch vermintes Terrain allemal, umso mehr, als der Hof nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde. Eine der überlebenden Frauen lebte hier sogar weiter und wurde so zur Zeugin ihrer eigenen Geschichte. Sie hatte das nicht leichte Schicksal, immer zu erzählen, was passiert war und was sie erlitten hatte, wenn Besucher und manchmal ganze Busse kamen. 1981 sind sie wieder da und das Gehöft wird vom Verband der Kärntner Partisanen gepachtet, der es zu einem kleinen Museum macht, da tauchen dann auch die blechernen Partisanen auf. Die bildliche Figurengruppe stellt Partisanen dar, die 1953 bei Völkermarkt in eine Sprengladung gelaufen waren und sich dann in einem Stadel versteckt hatten. Es ist scheinbar wie vor 1945: Hier oben in den Bergen sind die Partisanen sicher. Und weil die Geschichte vergeht, übernimmt dann die neue Generation: Der Društvo/Verein Peršman wurde 2001 in Klagenfurt gegründet, er historisiert und trägt aber auch ideologisch weiter. Der Partisanenverband bleibt Hausherr, aber der neue Verein übernimmt Geschichts- und Vermittlungsarbeit. Und das lässt sich mit Geld gut machen: Der Nationalfonds und Zukunftsfonds der Republik Österreich ist ein Sponsor. 2012 wurde das Gebäude umgestaltet und ein kleines, modernes Museum in zwei Räumen eingebaut.

Das Camp im Museum

Wenn man den Peršmanhof nur von Bildern kennt, wirkt er viel größer, als wenn man davorsteht. Vom Haufenhof, wie vor dem Massaker, ist nicht mehr viel da. Die Wirtschaftsgebäude sind fast alle abgebrannt. Der Vorplatz ist nun gepflastert und wird vom nach links laufenden Denkmal abgeschlossen. Geht man durch die niedrige Tür, steht der Besucher in einem Vorraum, von dem rechts und links die Museumsräume abgehen, eine Treppe in den Wohndachboden, eine bequeme Bibliotheksecke mit slowenisch-identitärer Literatur und dahinter Küche und Wohnraum. Die Tür am anderen Ende führt auf die Fläche, die wie ein Gastgarten aussieht, auf der anschließend damals die Zelte des Antifa-Camps eher gedrängt gestanden haben. Zum Peršmanhof gehören auch Vermittler, die dort wohnen und mitarbeiten und von den Partisanen erzählen. Die Palette ist breit: Hier werden normalerweise Schulklassen durchgekarrt oder, dann ideologisch offen engagierter, es wird ein Antifa-Camp mit Vertretern der extremen Linken abgehalten. Es ist ein seltsamer Mix, der anscheinend niemanden stört.

Womit wir bei der Frage wären: Was macht die Polizei am Peršmanhof? Und wen besucht sie? Die erste Frage wurde öffentlich hinreichend diskutiert, auch wenn die Antworten meist sehr schräg ausgefallen sind. Das hat damit zu tun, dass das Objekt der Begierde, die organisierte linksextreme Szene rund um die autonome Antifa aus Wien und aus den Nachbarstaaten, nie angesprochen werden sollte. Dabei ist es faszinierend, dass die gesamte Bildhoheit in der Berichterstattung über die Veranstalter bzw. sympathisierende Journalisten läuft. Das Ergebnis: Alle Gesichter der Teilnehmer sind sorgsam verpixelt und auch Sachen, die nicht ins Bild passen, wurden so retuschiert, bevor sie die Öffentlichkeit irritieren könnten. Das führt zu seltsamen Begebenheiten: Vorne hängt ein „antifaschistisches“ Transparent „Heimat im Herzen = Scheiße im Hirn“. Hinter den Zelten steht aber ein Kleinbus, der seine Flanke mit einer Flagge bedeckt hat: Da prangt auf slawischen Farben der große rote Stern. Die Fahne der Sozialistischen Volksrepublik Jugoslawien, die am 29. November 1945 unter der Führung Titos gegründet wurde, Ergebnis des Krieges. Dort wollten die Partisanen immer hin. „Ich erachte es als meine Pflicht“, erklärte der da bereits entwaffnete Partisanenführer Karel Prušnik-Gašper aus Eisenkappel 1948, „zu erinnern, wofür die slowenischen Partisanen drei Jahre lang ihr Herzblut vergossen haben: Für das vereinigte Slowenien – den Anschluss Slowenisch-Kärntens an Titos Jugoslawien“. 1977 bekommt er das „Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs“, 1980 stirbt er in Laibach/Ljubljana, der Hauptstadt der slowenischen Teilrepublik seines Jugoslawiens. Der eigentliche Eigentümer des Peršmanhofes, der „Zveza koroških partizanov in prijateljev protifašističnega odpora/ Verband der Kärntner Partisanen und Freunde des antifaschistischen Widerstandes“ (ZKP) erfreut sich auf seiner Homepage noch immer der seltsamsten Kombination von Bannern: Bundeskanzleramt der Republik Österreich und slowenisches Verteidigungsministerium sind da friedlich vereint und laufen auch stolz präsentiert als Band quer durch die Seite.

Die Flagge mit dem Stern zieht sich wie ein roter Faden durch die Szene: Schaut man sich Bilder vom „Klub slovenskih študentk*študentov na Dunaju /Klub slowenischer Student*innen in Wien“ an, dem Camp-Organisator, sieht man sie wieder. Bürgerlich ausschauende junge Menschen, wie für einen Ball ausstaffiert, in der Hand diese große Jugoslawienfahne. Lachen. Oder auch salopp trans-queer und ein Banner mit historischem Schriftzug „Smrt Faszismu“ („Tod dem Faschismus“) und partisanösem Rotstern. Man muss mit der Zeit gehen. Trotzdem die Vermutung: Hier ist die Heimat im Herzen und was im Hirn ist, wissen wir. Der Verein mit dem harmlosen, ethnisierenden Namen fiel in der Vergangenheit dadurch auf, dass er seine Räumlichkeiten in der Wiener Mondscheingasse der linksextremen „Autonomen Antifa Wien“ für deren „Offenes Antifa-Treffen“ zu Verfügung stellte. Auch das „Antifa Beisl“ fand dort schon statt. Die Veranstalter warben ausdrücklich damit, einen „niederschwelligen Einstieg in linksradikale Strukturen“ zu ermöglichen. Und genau das ist die Brücke in die linksextreme Szene und bildet das Band, das alte Kämpfer und junge Möchtegernpartisanen mit den mittelalten Vermittlern zusammenführt. Auch die autonome antifa (w) kann pilgern, es gibt ein Foto, wie sie bei einem anderen Anlass vor dem Denkmal am Peršmanhof posieren. Natürlich verpixelt. Die jungen slowenischen Studenten sieht man auch über Eisenkappel bei der gemeinsamen Identitätssuche und Hofarbeit.

Studenten und Extreme

Die Frage bleibt, wie hoch der Überschneidungsgrad zwischen Studentenverein und autonomer antifa (w) beziehungsweise ihren Nachfolgestrukturen, etwa der Plattform Radikale Linke, ist. Dass Autonome einen gemeinsamen Gesinnungsurlaub organisieren, der sie ausgerechnet in die ländlichsten Gegenden Südkärntens führt, ist sicher kein Zufall. Gleichzeitig ist dieses Antifa-Camp natürlich ein Vernetzungstreffen mit der Szene über Grenzen hinweg. Junge Linke und Linksextreme kommen zusammen und machen sich mental fit für den „bald wieder notwendigen Widerstand gegen den nahenden Faschismus“, alte Partisanen freuen sich, dass sie jemanden haben, der sie bewundert und der den Kampf weiterträgt. Übrigens ein Muster, das in dieser Ecke nicht so neu ist: Schon die Kommune Longo Mai hatte an Ex-Partisanen wie Helene Kuchar (Kampfname Jelka) freundschaftlich angedockt. Und es passt auch zur PKK-Partisanen-Schwärmerei in der Szene, die in Wien 2020 sogar zu den massiven Ausschreitungen in Wien-Favoriten geführt hat, weil die (nationalistischen) Türken im Viertel keine terroraffinen PKK-Demos vor der Nase wollten. Und das so heftig, dass die Autonomen die Polizei zu Hilfe rufen mussten, sonst wäre ihr Haus abgefackelt worden.

Es war knapp … 

Dass der heimische Staatsschutz diese Szene überwacht, ist erfreulich und wenig verwunderlich. Und so wird im Zuge der Wirrnisse um den Polizeieinsatz bekannt, dass die Organisation des Camps bereits beobachtet wurde, was auch immer das konkret heißen mag. Der Wiener Falter sieht das alles harmloser: „Tatsächlich steht Antifa einfach nur kurz für Antifaschismus. Wer sich der Antifa zugehörig fühlt, lebt diesen Antifaschismus eben konsequenter als andere. Was daran so besorgniserregend sein soll?“ Man solle der Polizei doch einen Nachhilfeunterricht zu den Themen „Antifa“ und „Die Linke“ geben: Schauen Sie nicht hin, gehen sie ruhig weiter … Tatsächlich schauen der Staatsschutz mit DSN und LSE hin und wollen sehen, was bei der Aufregung um den Peršmanhof vertuscht wird: Die autonome, linksextreme Szene versammelt sich bei einem Camp. Die Organisation läuft genauso verdeckt ab wie die Szene ist, auch wenn die slowenischen Studenten dafür als legales Gesicht fungieren. Wer sich aber dafür interessiert, wer hier organisiert, braucht nur nachzuschauen, wo das Camp überall beworben wird: in Gruppen und Medien, die alle um die extremistische autonome Szene kreisen. So weit, so eigenwillig. Auf der inzwischen verschwundenen Homepage ohne Impressum zum Antifa Camp Koroška finden sich dann zwei besondere Texte, die länger sind als die Veranstaltungsankündigung: Beim einen geht es um die Frage, ob man seinen „Stoff“ mitnehmen soll oder ob man nicht lieber während des Camps allfälligen Rauschgiftkonsum aus revolutionären Gründen unterlassen sollte. Der zweite Text dreht sich um sexuelle Selbstbestimmung und dass sich alle wohlfühlen sollen, im „Safe Space“ Antifa-Camp. Beide Texte würde es wohl nicht geben, wenn das nicht Problemzonen wären.

Hätte die Polizei also besser wegen des Verdachts des Rauschgiftmissbrauchs einschreiten sollen? Vielleicht. De facto kommen die Behörden zwischen Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) und Bezirkshauptmannschaft nur auf die Idee, hier wegen der paar Zelte hinter dem Haus mit Verdacht auf Vergehen gegen das Campinggesetz einzuschreiten. Die Veranstalter waren natürlich so klandestin, dass sie das Camp nirgends angemeldet haben. Der Staatsschutz andererseits war so neugierig darauf zu wissen, wer dort alles dabei ist, dass er davon ausgeht, mit dieser Erklärung durchreiten und alle Personalien aufnehmen zu können. Das Landesverwaltungsgericht hält im April 2026 fest, dass diese assoziative Herangehensweise rechtswidrig war. Wobei erfahrene Polizisten wundert, dass trotzdem niemand eine Strafe wegen illegalen Kampierens bekommen hat: Wer sein Zelt und sein Auto in eine Wiese beim Klopeiner See stellt, zahlt 300 Euro Strafe. Hier hat man im Abgang „vergessen“, bei den Linken abzukassieren.

Unerwünschter Hausbesuch

Am 27. Juli 2025 kommt die Polizei nach einer Einsatzbesprechung um 10.30 Uhr am Polizeiposten Eisenkappel auf den Peršmanhof. Je linker das Medium ist, das darüber berichtet, desto mehr kommt der Gedanke auf, das SS-Polizeibataillon wäre wieder da gewesen. „Die Polizei stürmt den Peršmanhof“, ist eine Darstellung, die die Polizisten, die an der Amtshandlung teilnehmen, diffamiert. Geschichte wiederholt sich nicht. Die Exekutive ist auch nicht wegen des Museums da, sondern wegen des nicht gemeldeten Camps mit jungen Linksextremisten. Mit dabei sind auch Vertreter des Asyl- und Fremdenamtes, was vermuten lässt, dass man ausländische Extremisten als Teilnehmer erwartet, die vielleicht abgeschoben werden sollen. Aber eigentlich sollen nur die Personalien festgestellt und Strafen ausgesprochen werden. Die Campteilnehmer sind im Haus bei einem Vortrag, als die Polizei kommt. Und sie reagieren anders, als die blauäugige Exekutive es sich erwartet hat: Manche spielen mit, andere aber nicht.

Der Einsatz ist nicht so groß wie sein Medienecho. Ursprünglich sind es sieben Beamte, die Personalien aufnehmen wollen. Einzelne Teilnehmer sind folgsam, vermutlich die, die nicht zum Kern der politischen Gruppe gehören, die wollen im Haus Widerstand leisten und sich nicht ausweisen. Die Polizei sucht um Unterstützung an, die kommt in Form der Schnellen Interventionsgruppe (SIG) aus Villach. Das wäre sozusagen die lokale Cobra. Sie rücken in der beachtlichen Stärke von drei (!) Mann an. Gestreute Gerüchte vom Einsatz einer Hundestaffel sind maßlos übertrieben, ein Diensthund mit Polizeihundeführerin war im Einsatz und verbringt die meiste Zeit davon bei seinem Auto, weil die Polizei eigentlich deeskalieren will. Aufregung auch um den Einsatz eines Hubschraubers, der nicht so toll gewesen sein kann, weil der Polizeihubschrauber vom Flughafen Klagenfurt aus etwa 30 Minuten in der Luft war. Und ein Polizeibeamter dürfte möglicherweise das Vergnügen gehabt haben, eine Drohne in den Himmel über dem Hof gesetzt zu haben: Da bekommt man einen guten Überblick und schöne Bilder vom Camp. Aber vermutlich stimmt das auch nicht und gehört zu den gestreuten Gerüchten. „Ich hatte Angst vor unseren Leuten, weil sie so viel Hass in sich hatten“, postet eine mutmaßliche Campteilnehmerin auf Instagram, die wohl nicht zum harten Kern der Szene gehört, sondern eher zur slowenischen Volksgruppe. Die gut 60 Teilnehmer aus Österreich, Slowenien und Italien – und zumindest ein deutscher, klarerweise non-binärer Bundesbürger, dem später eine „aufenthaltsbeendende Maßnahme“ verkündet, diese aber nicht umgesetzt wird. Für einen Polizeieinsatz in modernen Zeiten, wo jeder mit Handy filmt und fotografiert, gibt es erstaunlich wenige Bilder und fast keine Filme vom Spiel Polizei vs. Camp. Auf manchen sieht man drei Polizeiautos und drei Zivilwagen vor dem Wohnhaus auf und neben der Straße parken. Irgendwo stehen zwei Polizisten zwischen den Zelten des Camps, oder am Weg neben den Autos, es wird geschaut und diskutiert, es wirkt entspannt. Noch später ist dann der Rechtsvertreter der Organisation da: Rechtsanwalt Rudi Vouk ist passenderweise auch der Vater von Campmitorganisatorin Meta Vouk vom verantwortlichen slowenischen Studentenverband in Wien.

Davor versucht die Behörde, die Personalienfeststellung durchzusetzen und das auch im Gebäude. Das ergibt dann die Bilder vom Einsatzleiter, der durch die Reaktion des Publikums, das sich nicht „beamtshandeln“ lassen will, sichtlich gestresst ist. Er wird laut, fordert zum Abstandhalten auf und der Druck auf den Staatsschutzbeamten ist so hoch, dass er seine Waffe im Holster damit sichert, dass er die Hand drauflegt. Angeblich kam es zu drei Festnahmen von Menschen, die sich nicht identifizieren wollten. Einer hat es sich gleich anders überlegt, zwei mussten dann mit auf den Polizeiposten, dann ging das auch. Die Polizeibeamten werden davor beschimpft, und als das Polizeiauto mit den zwei Campisten zum Posten abfahren will, wird das Auto eingekesselt. Die Polizisten fühlen sich massiv bedroht, es ist ihrer Besonnenheit zu verdanken, dass die Situation dennoch nicht eskaliert.

Als sich der ganze Spaß gegen 15.30 Uhr nach viereinhalb Stunden auflöst, tun Beamte, was Beamte so tun: Sie haben kreative Ideen. Polizisten fahren vom Hof in Richtung Eisenkappel und bleiben zur Verkehrskontrolle stehen. Denn oben am Berg war viel Alkohol zu sehen und es gibt nur die eine Straße, man könnte ja einen Alkolenker erwischen, logisch. Auftritt: Sekretär des Verbands der Kärntner Partisanen, er kommt mit dem Auto vom Berg, wird angehalten und muss sich schrecklich aufregen. Natürlich besteht er auf einer Amtshandlung auf Slowenisch, das ist sein gutes Recht. Die Beamten können das nicht bieten, woraufhin er versucht, sich einfach zu entfernen – und von den Beamten auf der Straße flachgelegt und verhaftet wird. Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Dabei ist er sonst ein lustiger Kerl: Am Foto vom Schifahren hat er einen fetten roten Stern am Helm.

Der Bericht macht alles wieder gut

Als sich alles auflöst, aber nicht in Wohlgefallen, schweben die Worte von Rechtsanwalt Rudi Vouk dräuend im Raum: „Die Polizei darf vieles, aber sie darf nicht alles. Sie darf das antifaschistische Fundament unseres Landes nicht mit Füßen treten. Aber genau das ist heute geschehen.“ Nun, niemand hatte vor, dem Museum zu nahe zu treten, der Staat wollte einfach einen Blick in die extremistische Szene werfen, die sich hier zu einem Sommerlager versammelt hat. Doch nun beginnt die Medienmaschine zu laufen und die bürgerlichen Medien sind nicht mehr bereit, das einzuordnen, die linken Medien wissen, zu wem sie halten und verbreiten natürlich das linksradikale Narrativ. Der slowenische Nachbarstaat, der noch eine linke Regierung hat, meldet sich auch zu Wort. Und während die lokale Polizeiführung den Einsatz ihrer Kollegen zuerst noch sinnvoll findet, fällt in Wien ein Innenminister um und verordnet eine „multiprofessionelle Kommission“, die alles klären soll, was da unklar ist. Und ja, die festgestellten Namen behält die Behörde, aber sie fängt nichts damit an. Letztendlich spannend, wer alles teilgenommen hat: nicht die Migrantifa und auch nicht der arbeitslose Schwarze Block, sondern eine studentische Gruppe mit Hintergrund an den Kunstunis zwischen Salzburg, Linz und Wien, dazu Linke, die in den Institutionen angekommen sind, gemischt mit jungen Angehörigen der Minderheit. Der Studentenklub und seine Antifaszene sozusagen … 

In Wien hat währenddessen der Berg gekreißt und am 25. Oktober 2025 gibt es eine Pressekonferenz und einen fertigen Bericht – in deutscher und slowenischer Sprache, wie es sich gehört. Die kurze Bilanz von Innenminister Karner: „Die polizeilichen Maßnahmen waren weder gegen die slowenische Volksgruppe in Kärnten noch unmittelbar gegen die Gedenkstätte Peršmanhof gerichtet. Das Verhalten des polizeilichen, aber auch des behördlichen Einsatzleiters und des Vertreters des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl war in Teilen rechtswidrig, nicht verhältnismäßig und zweifelhaft. Die übrigen unmittelbar vor Ort befindlichen Polizistinnen und Polizisten haben ihre Aufgaben ordnungsgemäß erfüllt.“ Im Klartext: Die Dienstherren betonen, dass der Einsatz weder Minderheit noch Museum gegolten habe, eh klar, sie hängen aber die Verantwortlichen des Einsatzes hin, ohne jeden Bezug zwischen extremistischer Szene und den Bespielern des Museumsraumes zu ziehen. Alle anderen Polizisten, die herumgestanden sind, waren super. Die Kommission verkenne nicht, heißt es im Bericht, dass auch Gedenkstätten „Orte eines pluralen und offenen Diskurses sind und als Bildungseinrichtungen und Veranstaltungsorte“ dienen: „Gerade deshalb dürfen sie nicht durch einzelne Gruppen vereinnahmt werden. Die Kommission weist darauf hin, dass den Betreibern einer Gedenkstätte und insbesondere Leitungsorganen von Veranstaltungen jeglicher Art in diesem Zusammenhang eine besondere Verantwortung zukommt.“ Das war's mit der Kritik am Antifa-Camp, ein symbolischer Fingerzeig. Der Einsatzleiter am Berg hatte vielleicht kein glückliches Händchen, aber er hatte mit Sicht auf die Szene mehr Weitblick als das ÖVP-Ministerium zugeben will. Zudecken mit Bericht nennt man die Methode. Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen. Niemand schaut auch mehr hin, als der Einsatzleiter selbst im Nachgang samt Familie durch eine Demonstration direkt vor seinem Unterkärntner Wohnhaus real bedroht wird.

Dafür steigert man die Seitenzahl des Kommissionsberichts durch eine umfassende historische Ein- und Überleitung, die bei den geschichtlichen Ursprüngen Sloweniens anfängt und beim allgemeinen Wohlgefallen von Artikel 7 endet. Es sei ein kleines Volk, das immer alle Slowenen zusammenführen wollte, aber nie konnte, weil sich Deutsche in den Städten befanden, schwadroniert es da multiprofessionell slowenische Nationalismusgeschichte zusammen. Ja, diese steht natürlich hinter der Nationalisierung des slawischen Volkes. Der durch den Abwehrkampf blockierte und die durch die Volksabstimmung verhinderte Expansion des SHS-Staates – die übrigens nicht möglich gewesen wäre, ohne dass die Mehrheit der slowenischen und windischen Bewohner Südkärntens für Österreich gestimmt hätten – ist der Vorläufer der verhinderten Expansion Jugoslawiens nach Norden, die von den Partisanen umgesetzt werden wollte. Einigungswünsche also … Sehen nicht alle so, aber auch deswegen wünscht sich die slowenische Außenministerin Tanja Fajob beim Besuch am Berg, dass „auf österreichischer Seite noch mehr Bewusstseinsbildung stattfinden muss, um die gemeinsame Geschichte besser zu verstehen“.

Was man da verstehen kann, wird gerne verdrängt und weggeschoben. Der Nationalsozialismus 1938 wurde an sich auch von der slowenischen Minderheit begrüßt, weil sie sich von ihm eine besser wirtschaftliche Entwicklung erwartet hat. Diese Erwartung wurde aber relativ schnell enttäuscht, weil die neuen Herren eine ethnische „Begradigung“ anstrebten. Im ersten Moment wurden slowenische Vereine und Bibliotheken abgeschafft, die Verwendung der Sprache verboten. 1942 wurden ungefähr 1.000 Slowenen in Kärnten verhaftet und ins Reich in Lager verbracht, vornehmlich solche, die als bewusste „Nationalslowenen“ erfasst wurden. Die perverse Grundidee war die einer ethnischen Begradigung der Südgrenze: in Südtirol sollte es sein, im Kanaltal war es die „Option“, bleiben und italienisch werden oder gehen und deutsch bleiben, ihr habt die Wahl. Kanaltaler nach Kärnten – teilweise auf die Höfe der verschleppten Slowenen –, Südtiroler nach Polen, Slowenen plante man seltsamerweise in die Ukraine auszusiedeln. In dem Sinn sollte auch die slowenische Minderheit in Kärnten zum Verschwinden gebracht werden. Das Museum am Peršmanhof zeigt das Bild eines slowenischen Sohnes in Wehrmachtsuniform, der seine Eltern im Lager in Deutschland besuchte. Kein Wunder, dass Desertationen zunahmen und Widerstand wuchs.

Widerstand aus dem Wald

Deserteure „gehen in den Wald“. Zuerst konnten sie auch noch nach Süden über die Berge ausweichen, doch ab 1941 war Jugoslawien deutsch besetzt. Es bildete sich in Laibach die lokale kommunistische „Osvobodilna fronta“ (OF), slowenisch für „Befreiungsfront“ als Partisanenbewegung, die bald ihre Organisierung nach Kärnten ausweiten konnte. Alles Kommunisten? Nein, sicher nicht, aber im sicheren Griff von Titos straff organisierten Parteigängern und ab 1943 auch von den Alliierten als der Ansprechpartner in Jugoslawien anerkannt. Die wilden Berge über Eisenkappel und die Höfe dort waren bald Partisanengebiet, die Deutschen haben sie 1944 zum Bandenkampfgebiet erklärt. Heroischer Widerstand ist das eine, Überleben, sich versorgen, Plündern und Druck auf das Umfeld ausüben ist das andere. Partisanenkrieg ist ein dreckiges Geschäft, das von Partisanen und Ordnungskräften ausgeübt wird, bei dem die Zivilbevölkerung zwischen die Mahlsteine kommt. Die Partisanen waren dabei – auch wegen des deutschen Drucks auf die Minderheit – nicht unerfolgreich, zu wachsen und auszuweiten. Die positive Anerkennung der Partisanenbewegung in Österreich hängt mit einer österreichischen Lebenslüge zusammen. Die Moskauer Deklaration 1943 eröffnete der Alpenrepublik ein Hintertürchen, mit dem sie sich als erstes Opfer des Nationalsozialismus davonschleichen konnte. Aber um darauf Anspruch zu haben, reichte es nicht nur „wir waren nicht dabei“ zu sagen, sondern es brauchte handfesten Widerstand. Da waren sie: die „österreichischen“ Partisanen. Da war er: der bewaffnete antifaschistische Widerstand. Und das auch, obwohl jeder in der Region und vor allem bei den Partisanen selbst wusste: Die Titopartisanen kämpften für den Anschluss an Jugoslawien, für nichts anderes, dazu wurden bei Kriegsende auch kräftig Einheiten aus Jugoslawien nachgeschoben. Auch die Darstellung des Wettlaufes mit den Briten um die Besetzung von Klagenfurt und dass die perfiden Engländer plötzlich „gemeinsame Sache mit den ehemaligen Nazis“ machen und die „guten Partisanen“ ausgebootet worden seien, hält der Überprüfung nicht stand.

Wir nehmen das Kriegsende mit dem der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 für fix. Für die Jugoslawen gilt das nicht. Ihr Kriegsende liegt weit später. Denn im Zusammenbruch bewegt sich alles nach Norden – Flüchtlinge, Wehrmacht, Einheiten der Partisanen. Es sind auch nicht die lokalen Partisanen, die in Kärnten überall vorrücken, sondern nachgeschobene Einheiten. Sie sollen wichtige Positionen einnehmen, Fakten schaffen, das Land zu Jugoslawien bringen. Und sie sollen den fliehenden Feind vernichten. In Kärnten werden in diesen Tagen so über 1.000 Menschen von Partisanen ermordet, eine Zahl, die erst lange nach dem Krieg verifiziert wurde.

Društvo/Verein Peršman, 2001 in Klagenfurt gegründet, um die „Verdienste des österreichischen, insbesondere des kärntner-slowenischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus“ im öffentlichen Gedächtnis zu fördern und zu seiner wissenschaftlichen Erforschung beizutragen, beschäftigt in Jugendworkshops auch das Thema „Flucht“. Wir nehmen an, dass das Thema Kärnten 1945 so nicht vorkommt: Rund 250.000 Flüchtlinge sind bei Kriegsende im Land. Und die Partisanen vom Süden kommen, um sie zu holen. Es sind nicht die Nazis, die mit den Briten gemeinsame Sache machen, sondern die neue, demokratische Landesregierung aus allen Parteien. Keiner, wirklich keiner in Kärnten will, dass die Partisanen übernehmen. Ja, sie sind die Sieger, aber in dem Moment auch die Verlierer ihres Sieges, der heißt: Kärnten zu Jugoslawien.

Die Briten blocken die Partisanen, die sie zuvor unterstützt haben, aber sie übergeben ihnen alle Flüchtlinge. Die slowenischen bei Viktring sind meist Domobranzen, katholische Heimwehren, die Kroaten bei Bleiburg vielfach Ustaschen. Wer gegen den Kommunismus war, flieht. Und ja, es sind auch Täter dabei. Die deutsche Okkupation Jugoslawiens hatte einen Bürgerkrieg mit Massenmord von allen Seiten ausgelöst. Jetzt geht das Massaker zu Ende, organisiert, gezielt und bewusst: Die Partisanen bringen um, wen sie nicht brauchen können. Die Flüchtlinge werden über die Grenze geschafft und in Höhlen und Bergwerken erschossen. Über 100.000 Menschen werden von den Titopartisanen nach der Kapitulation allein in Slowenien ermordet. Meta Vouk, die Sprecherin für das Antifa-Camp, steht übrigens auch im Impressum vom AK Pliberk/Bleiburg, einer Seite in der Ästhetik der autonomen Antifa in Wien, die gegen das Gedenken in Bleiburg organisiert. Nachdem die Partisanen die Flüchtlinge ermordet haben, wollen die Antifas das Gedenken an die Opfer umbringen, in dem sie unter dem Motto „No Ustase“ das Erinnern an den kommunistischen Massenmord als „faschistisch“ kriminalisieren.

Das desintegrierte Denkmal

Und die alten Partisanen schauen zu: Am Sockel stehen sie da oben am Berg und bewegen sich nicht. Kritische Menschen nennen es das „Denkmal für den unbekannten Axtmörder“, weil einer der drei Partisanen eher archaisch bewaffnet ist. Ursprünglich war das Denkmal vom Künstler Marijan Matijević im realsozialistischen Stil 1947 am Friedhof St. Ruprecht bei Völkermarkt aufgestellt gewesen, dort liegen ungefähr 80 Partisanen begraben. Es ist die einzige figurale, „heldenhafte“ Darstellung von Partisanen nördlich der Karawanken, üblich sind meist einfache Tafeln, rund 70 in Kärnten. Die stürmende Gruppe war so ausgerichtet, dass sie nach Norden läuft, der letzte Partisan schaut dabei nach Süden und winkt, um seine Genossen nachzuholen. Eine Ansage, die wenig Gefallen fand. Am 11. September 1953 wird das Denkmal mithilfe einer Sprengladung desintegriert. Der Schock ist groß: Die Lebenslüge wird gerade bei den Verhandlungen um die österreichische Freiheit gebraucht. Die Partisanen als Asset und Beweis: Es gab bewaffneten Widerstand gegen „Nazideutschland“, Österreich hatte den Willen, für seine Freiheit zu kämpfen. Wir sind das Opfer, die Deutschen sind schuld. Was stimmt ist: Die Titopartisanen sind die einzigen, die den Kampf auf das Territorium des Deutschen Reiches gebracht haben, Südkärnten ist bei Kriegsende eben „Bandenkampfgebiet“. Aber das funktionierte nicht allein mit dem lokalen Widerstand, sondern durch die strukturelle militärische Anbindung an die OF in Slowenien und wird von dort verstärkt.

In den Partisanengräbern von Eisenkappel liegen zur Hälfte Einheimische und die anderen stammen aus Jugoslawien. Der Autor Marjan Linasi, von dem das Standardwerk zu den Kärntner Partisanen kommt, gibt auch eine spannende Einschätzung zur Zahl der Kämpfer und ihres Umfelds: Es waren in Kärnten über die Jahre rund 3.000 Partisanen aktiv, davon etwa 1.000 Kärntner. 600 gefallene Partisanen gab es, das heißt eine Verlustrate von rund 20 Prozent. Die Zahl der slowenischen Minderheit wird nach Volkszählung 1939 auf rund 44.000 Menschen geschätzt. Das zeigt, dass keineswegs alle mit den Partisanen gemeinsame Sache machten, obwohl die Volksgruppe im Visier des NS-Staates stand. Im Gegenteil: Rund 10.000 Slowenen dienen in der Wehrmacht oder paramilitärischen Formationen (Verlustrate übrigens 5,6 Prozent) auf deutscher Seite. Letzten Endes haben der Kommunismus wie auch die Brutalität der Partisanen viele Menschen aus der Minderheit abgeschreckt; die Taten bei Kriegsende tun ihr Übriges – bis heute ist das Wort „Partisan“ nicht positiv besetzt. Sogar wenn die Kärntner Landesregierung jetzt einen Politikerausflug zum Peršmanhof absolviert und „Versöhnung“ bekundet, die Pressemeldung versucht, einen positiv besetzbaren „antifaschistischen Widerstand“ anzusprechen – das Wort „Partisan“ wird bewusst vermieden.

1953 fährt der Schrecken der Explosion am Völkermarkter Friedhof der Politik, die in Moskau verhandelt, in die Knochen. Die Polizei soll die Täter schnappen. Doch die Ermittler kommen nicht weiter: Der Regen in der Tatnacht hat die elementarsten Spuren verwischt. Und die ermittelnden Beamten bekommen eines deutlich zu spüren: Die lokale Bevölkerung hat nicht das geringste Interesse daran, den Behörden irgendwie zu helfen. Das Denkmal, das damals übrigens auch nicht unter „Partisan“, sondern „antifaschistischer Widerstand“ lief, wurde als bewusste Bedrohung empfunden. Es verschwand nach der Sprengung in einem partisanenfreundlichen Stadel und ruhte dort bis zu seiner Wiedergeburt am Peršmanhof 1983. Noch 2017 spricht ein Redner am Denkmal davon, dass damit „die Demokratie und die Freiheit des Menschen, das Selbstbestimmungsrecht des Menschen“ eingemahnt würden. Stimmt doch nicht: Diktatur des Proletariats (oder der kommunistischen Partei) und Kollektivismus – dafür stehen die stürmenden Partisanen, dafür haben sie gekämpft. Und eben immer für Jugoslawien.

Die Partisanen in Kärnten sind paradoxerweise die zweiten großen Verlierer des Zweiten Weltkrieges, gleich nach der deutschen Wehrmacht. Der Rausch des Sieges währt nur ganz kurz, er wird gebrochen durch die Verweigerung der Übernahme von Klagenfurt und dann durch den Rückzug der jugoslawischen Partisanen, die ihre Opfer verschleppt und liquidiert haben. Die Kärntner Partisanen bleiben übrig. Außerhalb ihres Milieus und jenseits der Grenze in Laibach bleiben sie gefürchtet bis gehasst. Sie werden entwaffnet und gründen nach mehreren Anläufen – die britischen Besatzer monieren „bewaffnete Verbände“ – einen Verein. 1947 gelingt das. Und was anfangs noch immer bewusst „wir gehören zu Jugoslawien“ ist, wird immer mehr Verein mit Sorge um Mitglieder, Opfer des Kampfes, Pflege der Gräber, eine Geschichte halt. Ab der Übernahme des Peršmanhofs beginnt die Historisierung des „Heldenepos“ und es kommen Generationen, die den Krieg nicht mehr erlebt haben, vielleicht auch freier sind von den Bürden der Historie, die aber auch politisch bleiben: „Antifaschistischer Widerstand“ ist nun das Einfallstor für das Andocken an die Ideologie der extremen Linken und für einen mehr oder weniger sublimen Prozess einer geschichtsrevisionistischen Rechtfertigung der Partisanen und ihrer Taten. Dabei bleibt immer der Kurzschluss: Wer gegen eine Diktatur kämpft, ist gut. Mag sein. Aber wer damit für eine andere Diktatur kämpft, tut nichts Gutes.

Kulturkampf und Re-Ideologisierung

Den Prozess nachzuzeichnen, sprengt hier den Rahmen, aber wir können uns aktuelle Ausläufer anschauen: 2023 gibt es an der Uni Klagenfurt das Symposium „Ästhetiken des Widerstands. Partisan:innenkunst und feministische partisanische Kulturpraxis in Jugoslawien und Kärnten/Koroška“; wesentlich in der Mitorganisation ist Markus Gönitzer von Museum Peršman: „Die Leitfrage dieser Konferenz lautet: Wie können wir – neben politisch und gesellschaftlich verankerten Themen wie dem Befreiungskampf, der Klassenfrage, der sozialistischen Revolution und dem Sieg über den Nationalsozialismus – eine Ästhetik des ‚Partisanen‘ herausarbeiten, die spezifische revolutionäre und emanzipatorische Narrative vermittelt, und wie lässt sich diese Ästhetik durch einen geschlechtsspezifischen Blick (neu)interpretieren?“ Will sagen, es geht um die Vermittelbarkeit der politischen Tradition der Partisanen – unausgesprochen – in der radikalen Linken. Dazu gibt es 2025 auch einen Sammelband Women and Partisan Art. Was die einen vortragen, vertiefen die anderen.

Das Kärntner Landesmuseum präsentiert dann von 3. Oktober bis 16. November 2025 „Partizanke Art. Die Kunst des weiblichen Widerstands in Jugoslawien und Kärnten“. Die Schau ist ein seltsames ideologisches „Reparaturachtl“: Partisanen waren ökologisch, die Partisaninnen haben das Patriarchat bekämpft. Lustig war das Partisanenleben. Auch hier das Vorwärtstragen des Kommunismus von gestern plus verharmlosender Etablierung eines positiv besetzen Narrativs. Das geht gut und gerne auch damit, dass man die Opfer der Partisanen verarscht. Vor das Landesmuseum wird ein Klon des Denkmals für die ermordeten Verschleppten von 1945 gesetzt. Die Kunstgruppe „zweintopf“ belegt ihre verharmlosende Intellektualität mit Billigung des Landesmuseums, indem sie aus ihrem Klonstein die Täterbeschreibung „von Partisanen“ rausschneiden. Die historische Erinnerung an das Morden wird also von den Tätern befreit – und zwar genau um diese Täter zu verharmlosen und anschlussfähig zu machen. Partisanenkunst sozusagen, hinterhältig gemacht. Wegen der „Versöhnung“ lässt man die Benennung der Täter fallen. Machen die das eigentlich bei Gedenktafeln für SS-Massaker auch so, dass die Täter geleugnet werden?

Unbekannte Aktivisten haben in einer Nacht das falsche Denkmal weiß ummantelt, mit Kunstblut die Blutspuren nachgezeichnet und mit dem Transparent „Die Kunst der Partisanen ist der Mord“ die Verhältnisse künstlerisch wieder klargestellt.

Und manchmal ändert sich an Traditionslinien auch wenig: „Das Antifa Camp Kärnten/Koroška wurde erst 2025 mit dem Ernst-Kirchweger-Preis des Wiener Verbands ausgezeichnet“, protzt der KZ-Verband nach der Razzia am Peršmanhof, „und es sind mehr als tausend Menschen unserem Aufruf gefolgt, direkt nach der Razzia Wut und Entsetzen vor das Innenministerium zu tragen. Wir sind eng verbunden mit dem Klub Slowenischer Studierender in Wien/Klub slovenskih študentk*študentov na Dunaju, dem Verband der Kärntner Partisanen:innen/Zveza koroških partizanov und dem Društvo/Verein Peršman und teilen deren Forderungen an Politik und Gesellschaft.“ Am 11. Juni 2025 fand in den Räumlichkeiten des KZ-Verbandes Wien eine „Mobiveranstaltung“ – Mobi steht für Mobilisierung – der autonomen antifa (w) statt. Thema war der „Budapest-Komplex“, also die lebensgefährlichen Überfälle der linksextremen „Hammerbande“ in Ungarn. Das ist nicht nur beachtlich, weil die Solidarität einer Opfergruppe mit einer Tätergruppe aus dem linksextremen Bereich etwas Besonderes ist, sondern auch, weil da die Autonomen zu Gast sind – und weil antifa (w) oder ihre Nachfolger für die Mobilisierung für das Antifa-Camp ebenfalls eine zentrale Rolle spielen.

Im Antifa Café andernorts trifft man übrigens zum Beispiel am 18. Feber 2021 auch die linke Politikwissenschaftlerin Judith Goetz, die für die Studiengruppe FIPU – die aus gegebenem Anlass den Spitznamen „Politikwissenschaftler mit Sturmhaube“ trägt – spricht. Goetz wurde auch am Peršmanhof beim Antifa-Camp 2025 von der Polizei als Personalie festgestellt. Passt ja auch zusammen, nachdem sie einmal Spitzenkandidatin der KPÖ Kärnten war, an deren Adresse der Verein Društvo/Verein Peršman lange beheimatet war. Und Apropos FIPU: Von denen hat sich einer in einen Brotberuf zum DÖW gerettet – das vom 20. April bis zum 27. November 2026 „Partisanke Arte“ in Wien zeigt. Und der schreibt dann zum Beispiel ebenso wissenschaftlich den offiziellen Rechtsextremismusbericht für das Innenministerium mit. Die linksradikale Szene ist viel enger gestrickt, als man glauben mag. Sie macht auch den Marsch durch die Institutionen, arbeitet dann sogar für das DSN, wo die angeblichen Extremismusexperten zu Hause sind, die aber die von Bernhard Weidinger und Genossen gelieferte Argumentation über Rechte nachbeten. Im Verfassungsschutzbericht kommt vor lauter aktuellem Schreck übrigens namentlich keine einzige linksextreme Organisation vor, auch das Antifa-Camp am Peršmanhof natürlich nicht.

Die Homepage für das Antifa Camp Koroška war zwar verschwunden, aber nach dem großen Erfolg 2025 am Peršmanhof glauben wir nicht, dass man diese schöne Szenetradition sein lassen wird. In einem radikalen Szenekalender ist es zum dritten Mal mit 1. bis 6. September 2026 angekündigt. Und auf der Homepage ohne Impressum ist ein Camp-Reminder erschienen. In der Szene wird nach dem großen Erfolg vom Vorjahr mobilisiert.

Wir sind gespannt, welche lustigen Geschichten das Camp heuer schreiben wird. Die erste ist schon: Es kommt nicht mehr auf den Peršmanhof, bleibt aber in Koroška. Museum und linksextreme Organisation sind dann doch zu dicht, vor allem wenn man noch normale Schüler durchlotsen will. Das Antifa-Camp wandert an den Turnersee, wird ziviler als „Antifaschistisches Bildungscamp“ angesprochen. Drinnen im Paket: die üblichen Verdächtigen.

Dieser Text wurde zuerst in der FREILICH-Ausgabe Nr. 41 „Der übergriffige Staat“ abgedruckt.

Kommentare

Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt!

Kommentare werden geladen...