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Politik

„Red Flag“ Burschenschaft: Der Standard macht Bekanntschaften zum Beziehungsproblem

Eine Freundschaft mit einem Burschenschafter als Belastungsprobe für die Partnerschaft? In der Standard-Community bewegen sich die Meinungen zwischen Kontaktabbruch und Toleranz.

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In einer Standard-Debatte wird die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft zum Streitpunkt über Freundschaft, Beziehung und politische Toleranz.
In einer Standard-Debatte wird die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft zum Streitpunkt über Freundschaft, Beziehung und politische Toleranz. (Bild: IMAGO / Elmar Gubisch)

Wien. – Burschenschaften blicken in Österreich auf eine lange Geschichte zurück. Bis heute sind die Studentenverbindungen Teil des gesellschaftlichen und politischen Lebens und zugleich regelmäßig Gegenstand kontroverser Debatten. Wie stark die Zugehörigkeit zu einer Verbindung auch das private Umfeld bestimmen kann, zeigt eine Diskussion, die ein Standard-Leser mit der Community führen wollte.

Ausgangspunkt ist die Beziehung des Nutzers. Demnach ist der beste Freund seiner Partnerin aktives Mitglied der Burschenschaft Alemannia und lebt im Verbindungshaus. Für den Fragesteller ist das eine „große Red Flag“, also ein Problem. Er berichtet außerdem von wiederkehrenden „rassistische[n] Aussagen“ des Freundes, denen seine Partnerin nicht widerspreche. Auch ihre regelmäßigen Aufenthalte im Verbindungshaus würden ihm Sorgen bereiten. Am liebsten wäre es ihm deshalb, wenn sie den Kontakt zu ihrem Freund vollständig abbrechen würde. Sein Problem sei nicht, dass sie männliche Freunde habe, sondern dass sie viel Zeit mit „rechten bis rechtsextremen Personen“ verbringe.

Zwischen Kontaktabbruch und politischer Toleranz

Die vom Standard aufgeworfene Diskussion verlagerte sich in der Folge schnell hin zu einer grundsätzlicheren Frage: Kann oder sollte man mit einem Burschenschafter befreundet sein? Auf Instagram fiel die Antwort bei mehreren Nutzern eindeutig aus. Einer schrieb: „Für mich ein Widerspruch in sich. Freund & Burschenschaft, das geht sich nicht aus.“ Ein weiterer Kommentar lautete knapp: „Das sind dann einfach nicht meine Freunde“. Andere Nutzer gingen noch weiter und sprachen sich unmittelbar für einen Kontaktabbruch aus. „Freundschaft umgehend beenden“, forderte ein Kommentator. Doch die Reaktionen unter dem Beitrag waren keineswegs einheitlich. Andere Nutzer kritisierten gerade diese Haltung und warben dafür, politische Gegensätze nicht automatisch auf persönliche Beziehungen zu übertragen.

Ein Instagram-Nutzer stellte die Frage nach der viel beschworenen Offenheit gegenüber Andersdenkenden: „Wo bleibt da die Toleranz von der so stark gepredigt wird? Ich bin Antifa, habe aber sowohl Freunde im LGBTQ und im rechten Bereich. Nur weil man politisch einer anderen Meinung ist oder eine andere Ideologie vertritt, kann man trotzdem eine langjährige, gute Freundschaft führen. Mein Vater ist FIDESZ Anhänger und kann mir trotzdem keinen besseren vorstellen.“ Für ihn steht eine abweichende politische Haltung einer persönlichen Bindung also nicht grundsätzlich entgegen. Noch knapper fiel die Reaktion eines anderen Nutzers aus: „Ganz normal. Habe kein Problem damit.“

Facebook-Nutzer fordern mehr Toleranz

Unter dem entsprechenden Facebook-Beitrag fiel die Kritik an einem möglichen Kontaktabbruch ebenfalls deutlich aus. Ein Nutzer schrieb, er würde sie genauso behandeln wie jeden anderen auch: „Ich bin tolerant, nicht so wie andere, deren Toleranz bei einer anderen Gesinnung oder bei einer anderen Meinung endet.“ Ein weiterer Kommentator richtete seine Kritik unmittelbar an den Standard: „Eure Hetze gegen Rechts wird immer billiger“.

Besonders ausführlich kritisierte ein weiterer Facebook-Nutzer den Wunsch, die Partnerin solle ihre Freundschaft beenden. Sich in die Beziehung einer anderen Person einzumischen, weil einem der Verein oder die politische Einstellung einer Person nicht gefalle, zeuge bereits von einer „problematischen demokratischen Einstellung“, so der Nutzer. Er würde empfehlen, sich selbst zu hinterfragen und etwas Toleranz gegenüber anderen Einstellungen zu lernen. Auch ein anderer Nutzer plädierte dafür, politische Unterschiede im persönlichen Umfeld auszuhalten. Jeder dürfe „seine Meinung leben und vertreten“.

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