Mehrere Wahl- und Umfrageanalysen aus verschiedenen europäischen Ländern zeigen ein auffälliges, länderübergreifend wiederkehrendes Muster: Muslimische Wähler entscheiden sich überdurchschnittlich häufig für Parteien des linken oder Mitte-linken politischen Spektrums. Die Daten stammen laut dem dänischen Datenanalysten Jonatan Pallesen aus anerkannten Wahlstudien und Erhebungen in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Belgien. Trotz nationaler Besonderheiten ist im europäischen Vergleich also eine klar erkennbare Tendenz erkennbar.
Dänemark: Klare Mehrheit für linke Parteien
Laut einer Umfrage von Jyllands-Posten zur Parlamentswahl 2015 in Dänemark wählten muslimische Befragte deutlich häufiger Parteien aus dem linken Lager als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Besonders stark schnitt die sozialdemokratische Partei ab, die unter Muslimen erheblich bessere Werte erzielte als im landesweiten Ergebnis. Auch die Linke Einheitsliste wurde überdurchschnittlich häufig gewählt. Demgegenüber blieben rechtsliberale und nationalkonservative Parteien unter Muslimen deutlich unter ihrem jeweiligen Gesamtergebnis.
Deutschland: Hohe Unterstützung für Linke und SPD
Laut der ZDF-Wahlanalyse vom Tag der Bundestagswahl 2025 stimmten muslimische Wähler in Deutschland besonders häufig für Parteien links der Mitte. Sowohl Die Linke als auch die SPD erzielten unter Muslimen deutlich höhere Anteile als im bundesweiten Durchschnitt. Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht lag über dem allgemeinen Wahlergebnis. Die Grünen erhielten ebenfalls relevante Stimmenanteile, blieben jedoch hinter SPD und Linken zurück. CDU/CSU und AfD erzielten unter muslimischen Wählern hingegen klar unterdurchschnittliche Werte.
Frankreich: Starke Konzentration auf Mélenchon
Besonders ausgeprägt zeigte sich dieses Muster in Frankreich. Laut einer am Wahltag der Präsidentschaftswahl 2022 durchgeführten IFOP-Umfrage für La Croix erhielt Jean-Luc Mélenchon unter muslimischen Wählern einen außerordentlich hohen Stimmenanteil, der weit über seinem landesweiten Ergebnis lag. Präsident Emmanuel Macron blieb deutlich dahinter zurück, während rechte Kandidaten wie Marine Le Pen oder Éric Zemmour unter Muslimen nur sehr geringe Zustimmung fanden.
Großbritannien: Labour dominiert deutlich
Auch die British Election Study zur Unterhauswahl 2019 zeichnet ein eindeutiges Bild. Ein sehr großer Teil der muslimischen Wählerschaft unterstützte die Labour Party, die unter Muslimen ein deutlich höheres Ergebnis erzielte als im landesweiten Durchschnitt. Die Konservative Partei blieb unter Muslimen hingegen klar unterrepräsentiert, während die Liberaldemokraten und kleinere Parteien eine vergleichsweise geringe Rolle spielten.
Niederlande: Hohe Werte für progressive Parteien
Eine Erhebung von Opiniehuis für De Kanttekening zur Wahl 2025 zeigt, dass sich muslimische Befragte auch in den Niederlanden überwiegend für progressive und linke Parteien entschieden haben. Besonders hohe Werte erzielte die Partei DENK, die gezielt Wähler mit Migrationshintergrund anspricht. Auch GroenLinks und die sozialdemokratischen Kräfte lagen unter Muslimen deutlich über ihrem landesweiten Durchschnitt. Konservative oder rechtsliberale Parteien schnitten dagegen unterdurchschnittlich ab.
Belgien (Flandern): Linke Parteien klar vorn
Eine iVOX-Umfrage unter Muslimen, die Durchschnittswerte aus den Jahren 2014 und 2019 abbildet, zeigt für Flandern eine ähnliche Tendenz. Sozialistische und grüne Parteien erzielten unter muslimischen Wählern deutlich bessere Ergebnisse als im Gesamtergebnis der Bevölkerung. Nationalkonservative Parteien hingegen lagen unter Muslimen deutlich unter ihren allgemeinen Wahlergebnissen.
Der Ländervergleich zeigt damit ein durchgehend ähnliches Bild. In allen betrachteten Staaten unterstützen muslimische Wähler überdurchschnittlich häufig sozialdemokratische, linke oder progressive Parteien, während konservative und rechte Parteien unterdurchschnittlich oft gewählt werden. Die Intensität dieser Präferenz variiert zwar je nach nationalem Kontext, politischem System und Parteienlandschaft, doch die statistische Grundtendenz ist länderübergreifend konsistent.



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