Achtung! Der folgende Text kann Spuren von Ironie enthalten. Viewer discretion is advised. Kinder haften für Ihre Eltern.
Moin. Ich mal wieder. Mike Grener, mittlerweile frisch gebackener stellvertretender Vorsitzender der Generation Deutschland BW, diesmal mit einem Geständnis. Denn ich war ein sehr böser Junge. Vor allem bei meiner Kandidatur für den GD-Vorstand. Da habe ich bei meiner Bewerbungsrede den „Boomerismus“ aufs Korn genommen. Die Reaktionen darauf in der Halle und im Nachgang waren, nun ja, sagen wir mal sehr „divers“. Manche haben meine Rede ernst, andere haben sie mir übelgenommen. Manche haben laut geklatscht und andere gelacht. Und auch die ein oder andere „Fanpost“ ließ danach nicht lange auf sich warten.
Die unterschiedliche Rezeption der Rede ist mit Sicherheit auch der Tatsache geschuldet, dass ich meine ursprüngliche Rede drastisch kürzen musste, um die Redezeit nicht zu sprengen. Man kann also sagen, dass ich sie ein Stück weit selbst aus dem Kontext gerissen habe. Mea culpa. Das geht auf den Autor, also auf mich. Glücklicherweise gibt es ja das FREILICH-Magazin mit reichlich Freiraum für junge Autoren. Und da ich nolens volens mit meiner Rede wohl mal wieder einen kleinen „Skandal“ verursacht habe, von dem sich manche zu Recht andere zu Unrecht angesprochen gefühlt haben, im Folgenden eine Klarstellung:
Die Boomer und Wir
Gemeinhin versteht man unter den „Boomern“ oder auch den „Babyboomern“ die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet er also eine ganze Generation, der Millionen von Menschen angehören. Darunter selbstverständlich viele fleißige, patriotische Leute mit tadelloser Vita. Und natürlich auch das Gegenteil. Wie in jeder Generation. Es wäre daher intellektuell armselig, Millionen von Menschen über einen Kamm zu scheren und ihnen kollektiv gewisse Charaktereigenschaften zuzuschreiben, nur weil sie in einem gewissen Zeitraum das Licht der Welt erblickt haben. Zumal wir als deutsche Rechte aus guten Gründen die Kollektivschuld für ganze Generationen ablehnen. Denn so wenig jemand Einfluss auf den Zeitpunkt seiner Geburt hat, so real sind doch die Konsequenzen, die sich daraus für das eigene Leben ergeben können. Soweit der Begriff „Boomer“ im Volksmund und im allgemeinen Sprachverständnis. Damit sollte eigentlich schon klar sein, dass sich in der AfD eigentlich niemand angesprochen fühlen müsste. Zumal nicht unsere verdienten Mitglieder, die unsere Partei gegen alle Widerstände erst aufgebaut haben. Die Junge Generation benutzt denselben Begriff jedoch oftmals mit einem ganz anderen Zungenschlag.
Geistesboomer – eine Einstellungssache
Auf den Punkt gebracht wird das mit der Aussage „Ok, Boomer“. Was die „Jungen“ heutzutage nervt, sind nicht die Appelle an Pflichtbewusstsein und alte Tugenden. Es sind die „Rezepte“ von Leuten, die überwiegend in den 60ern sozialisiert wurden, sich seitdem jeder Veränderung verweigert haben und weiterhin in der Vergangenheit leben. Das sind die Geistesboomer und zwar unabhängig von ihrem tatsächlichen Lebensalter. Damit meine ich nicht mal die Klassiker wie, „Das war noch nie so“ oder „das haben wir schon immer so gemacht“. Sondern die völlige Unkenntnis der neuen Realität. Ja, die Welt wandelt sich schnell, verdammt schnell, zu schnell auch für unseren Geschmack. Aber sie tut es eben. Und die alten Antworten taugen uns nicht mehr.
Was meine ich damit? Mach mal Party in der Stadt. Nachtleben – Acht geben und so. Wer das letzte Mal in den 80ern in der Disko war, wird sich vielleicht wundern, was heute nachts in unseren Städten so abgeht. Ein junger Kerl kommt nach Hause. Blaues Auge, -1 Geldbeutel, -1 Handy. Abgezogen, verprügelt und im eigenen Land gedemütigt von den üblichen Verdächtigen. Und dann kommt der Hippie-Vater, sagt ihm: „Ja, schlimm sowas, aber die Rechten darfst du trotzdem nicht wählen, weil der Hitler damals so böse war!“. Spätestens dann guckt man die Oldies an und denkt sich: „Ok, Boomer“. Und das war nur die männliche Perspektive. Fragt mal die Mädels, wie sicher die sich hierzulande nach Einbruch der Dunkelheit noch fühlen. Aber der 68er-Geistesboomer kann halt nicht aus seiner Haut. Rechts ist böse, das war schon immer so. So hat er es gelernt und aus dieser Denkschablone ausbrechen kann er nicht mehr.
Oder den hysterischen Zwischenruf einer Geistesboomerin in einer Zoom-Konferenz zum Thema Chancen und Risiken der KI mit Professoren des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT): „KI? Des isch doch Nekrophilie!!!“ – Fremdscham pur. Sorry, aber Computer, KI und „dieses Internetz“ sind nicht scheiße, nur weil ihr nicht damit umgehen könnt. Ich war selbst Zeuge, wie ein Geistesboomer allen Ernstes gefordert hat, „diese ganzen Drecks-Computer loszuwerden und wieder zum Papier zurück zu kehren“. Kein Witz. Einfach mal die Digitalisierung rückabwickeln. Warum nicht? Was kann schon schiefgehen?
Kurz: einen Geistesboomer erkennt man daran, dass seine politische Vision für Deutschland darin besteht, die Zeitmaschine auf 1989 zu stellen und dann zu hoffen, dass sich die Probleme von 2026 von selbst erledigen
In was für einer Welt leben wir?
Wir leben in einer Welt, in der der amerikanische Präsident und sein Familienclan mehr oder weniger offen durch Amtsmissbrauch die Börsenkurse manipulieren und sich mit Insiderhandel bereichern, während man zwischendurch den „very bad people“ im Iran droht, ihre zivile Infrastruktur einzuebnen. Eine Welt, in der der philippinische Präsident Duerte den amerikanischen Präsidenten Obama in feinster Diplomatensprache einfach mal als „Hurensohn“ bezeichnen kann. In der einer der reichsten Männer der Welt auf einer politischen Bühne wahlweise mit einem Käse-Hut oder einer Kettensäge hantiert. Aber ich muss seriös und todernst sein, ja? Genau mein Humor.
Und ungeachtet dieser neuen Realität, die anmutet, als wäre sie gerade einer Southparkfolge entsprungen, kann ich es sogar bis zu einem gewissen Grad verstehen, wenn manche in ihre alten Denkschablonen zurückfallen. Seit dem Krieg in der Ukraine fühlt es sich an, als wehe ein Hauch von Kaltem Krieg 2.0 durch das Land. Als würde im Osten des Kontinents ein neuer Eiserner Vorhang niedergehen. Aber Russland ist nicht mehr die Sowjetunion. China kein Entwicklungsland mehr. Und die Tatsache, dass die Krankenkassenbeiträge steigen kein „Beweis“ für die Rückkehr des Sozialismus in Deutschland. Auf den Schlachtfeldern östlich des Dnjepr gehen autonome KI-Drohnen auf die Jagd nach Menschen. Die alten Denkschablonen passen heute schon nicht auf die Gegenwart. Geschweige denn sind sie tauglich für die Zukunft.
Missverständnisse einer Generation
„Die Jugend achtet die alten Götter nicht mehr. Sie liebt den Luxus und hat keine Moral.“ – So oder so ähnlich klingt es seit 4000 Jahren. Ob die Zitate der griechischen Antike nun wirklich aus Sokrates Mund stammen oder nicht. So weit so normal. Was nicht normal wäre, wäre eine Jugend, die nicht rebelliert. Wahrscheinlich werden auch wir mit unseren Kindern ähnliche Diskussionen führen (müssen). Vermutlich ist das in uns Menschen angelegt und vielleicht ist es sogar die Voraussetzung dafür, dass wir uns seit der Steinzeit stets an neue Realitäten anpassen konnten. Wer weiß, vielleicht haben manche damals auch den Feuerstein als neumodisches Teufelszeug verdammt.
Wir reden anders, wir haben einen anderen Humor, wir nutzen andere Kanäle und wir hören andere Musik. Das ist ein anderer Sound, ja. Und das ist auch gut so. Das ist das Rad der Zeit, das sich weiter dreht. Und die neue Zeit wird einen anderen Sound haben als die alte. Ich würde mich nicht wundern, wenn dieser Sound ziemlich wütend und sarkastisch klingen würde. Denn wir haben allen Grund dazu.
Lasst mich das in aller Deutlichkeit sagen, wir Jungen haben diese Zustände nicht zu verantworten. Aber wir sind diejenigen, die sie in voller Länge werden ausbaden dürfen. Wir werfen den „Altvorderen“ nicht vor, dass sie Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Das war eine Glanzleistung deutscher schöpferischer Schaffenskraft und Willensstärke. Aber ein Land aus dieser Spitzenposition heraus innerhalb kürzester Zeit so abzuwirtschaften, dass die nachfolgenden Generationen vor einem Scherbenhaufen stehen, der kaum noch das Attribut „deutsch“ verdient, das ist unsere Anklage.
Und im Grunde sollten die „Alten“ froh sein über die Wut der „Jungen“. Denn das zeigt ja, dass sie noch nicht aufgegeben haben, dass sie nicht resigniert haben, dass es ihnen nicht gleichgültig ist, was hier passiert. Dass die Glut noch nicht erloschen ist. Wie heißt es so schön? „Man muss mit der Zeit gehen, sonst geht man mit der Zeit.“ Dann mache ich das mal. Anscheinend habe ich ja bereits meinen Teil dazu beigetragen, dass uns die Wut nicht allzu schnell ausgeht.
Missverstehen Sie mich also bitte richtig. Ich hoffe, dass nun alle Klarheiten beseitigt sind. Nicht dass es noch heißt:
„Im Kontrollzentrum, da wird man panisch
Der Kurs der Kapsel, der stimmt ja gar nicht
Hallo, Major Tom, können Sie hören?
Jeder ist im Stress, doch Major Tom
Macht einen Scherz“
4, 3, 2, 1 und ich bin dann mal raus wie Italien bei der WM.
Seien Sie versichert, wir hören uns wieder.
Seien Sie versichert, es bleibt wild.
Mike Grener over







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