Der Frankfurter Wachensturm – Ein Vorgeschmack der Revolution
Am 3. April dieses Jahres jährte sich zum 192. Mal der Versuch einer Gruppe von Burschenschaftern, eine allgemeine Revolution in Deutschland auszulösen – initiiert durch den Sturm auf zwei Wachen.
Im Zuge der Befreiungskriege von 1813 bis 1815 gelang es, die französische Fremdherrschaft zu beenden. Insbesondere die Studenten, die sich am 12. Juni 1815 in Jena zur Urburschenschaft zusammenschlossen, hegten die Hoffnung auf einen geeinten und freien deutschen Nationalstaat. Diese Hoffnungen wurden jedoch zunichte gemacht, als die europäischen Fürsten auf dem Wiener Kongress die Neuordnung Europas beschloss. Weder ein einheitlicher Nationalstaat noch die Garantie bürgerlicher Freiheiten wurden beschlossen. Stattdessen wurde die Zersplitterung Deutschlands endgültig festgeschrieben, und die einzelnen Fürsten behielten ihre Souveränität.
Einigung auf bewaffneten Aufstand
Im weiteren Verlauf des Prozesses erfolgte lediglich in wenigen Fällen eine Akzeptanz von Verfassungen und parlamentarischen Vertretungen. Dieser Umstand wurde insbesondere von national gesinnten Studenten als inakzeptabel empfunden. Die Revolution sollte die Fürsten dazu zwingen, ihre Macht zugunsten eines geeinten Deutschlands aufzugeben.
In der Folge konstituierte sich am 22. Juli 1832 das neue Zentralkomitee des Presse- und Vaterlandsvereins, dessen Mitglieder sich für eine freie Presse und die Vereinigung aller Staaten des deutschen Sprachraums einsetzten. Ihr Ziel war die „Wiedergeburt Deutschlands in einem freien Europa“. Im August einigte man sich mit dem Stuttgarter Revolutionär Gottlob Franckh auf die Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes. Am 26. Dezember wurde schließlich durch den Burschentag in Stuttgart die Umwandlung der Burschenschaften in politische Vereine sowie der Anschluss an den Vaterlandsverein beschlossen. Der Beginn des bewaffneten Aufstandes wurde auf Anfang April 1833 festgelegt.
Der Plan – Angriff auf die Frankfurter Wachen
In der Nacht vom 2. auf den 3. April 1833 wurde der Plan gefasst, die Waffen der Frankfurter Wachen zu erbeuten, um im Anschluss den in Frankfurt am Main tagenden Bundestag zu besetzen. Der Bundestag stellte die einzige zuständige Institution für den gesamten Deutschen Bund dar und wurde daher als verhasstes Symbol für die nach dem Wiener Kongress etablierte Ordnung Deutschlands betrachtet.
Die Ordnung des Wiener Kongresses schrieb die Herrschaft und Souveränität der Einzelstaaten und ihrer jeweiligen Fürstenhäuser fest und stand jedwedem Bestreben, nationale Einheit und Freiheit zu erlangen, entgegen. Die Revolutionäre planten daher, die beiden Frankfurter Polizeiwachen zu stürmen, um Waffen und Schatzkammer des Deutschen Bundes in ihre Gewalt zu bringen. Im weiteren Verlauf war geplant, die Gesandten der deutschen Fürsten, die sich zu diesem Zeitpunkt im Palais Thurn und Taxis versammelt hatten, festzunehmen.
Ein Teil des Plans gelang
Die Revolutionäre erwarteten, dass dieser Akt den Weg für eine umfassende nationale Erhebung ebnen würde, die ihrerseits das gesamte Deutsche Reich umfassen sollte. Die Verantwortung für den Sturm auf die Hauptwache wurde den Burschenschaftern übertragen. Die Erwartung, dass sowohl die Frankfurter Bürgerschaft als auch das Frankfurter Militär sich an der Aktion beteiligen würden, sobald die Sturmglocke vom Dom geläutet würde, trug zur allgemeinen Hochstimmung bei.
Den reaktionären Kräften waren die Vorbereitungen und der Tag der Sprengung jedoch ebenfalls bekannt, sodass bereits seit Mitte März sogar die genaue Uhrzeit der Sprengung bekannt war. In der Folge veranlassten die Bürgermeister der Stadt Frankfurt eine Verstärkung der Wachmannschaften sowie die Sicherung der Sturmglocke für den 3. April. Als dann um 21:30 Uhr der vorgesehene Zeitpunkt für den Beginn der Sprengung erreicht war, konnte die Hauptwache zunächst schnell eingenommen werden, wobei jedoch ein Wachtmeister ums Leben kam. Auch die Einnahme der Konstablerwache und das Läuten der Sturmglocke gelang.
Der gescheiterte Umsturzversuch
Das Frankfurter Linienbataillon rückte jedoch mit Beginn des ersten Aufruhrs aus und konnte bereits nach einer Viertelstunde die Hauptwache wieder sichern. An der Konstablerwache konnten die Revolutionäre die Angreifer zweimal zurückwerfen, mussten sich aber vor dem dritten Ansturm zurückziehen. Im Verlauf der beiden Angriffe kam es zu zwei Verlusten auf Seiten der Revolutionäre. Nach etwa einer halben Stunde war der Aufstand niedergeschlagen. Der Blutzoll dieses Abends belief sich auf neun Tote und 24 Verletzte. Sechs beteiligte Studenten wurden noch in der Nacht in ihren Quartieren verhaftet.
Obwohl die Aktion scheiterte, führte sie in ganz Deutschland zu einer signifikanten Steigerung der Sympathien für die Beteiligten. Als unmittelbare Folge wurde über Frankfurt die Bundesexekution verhängt, die zu einer dauerhaften Besetzung der Stadt durch 2.500 österreichische und preußische Soldaten führte. Im Jahr 1837 gelang einigen Beteiligten die Flucht mithilfe der Wachen. Diese Flucht wurde in Flugblättern und Liedern zelebriert, darunter das Lied „In dem Kerker saßen“, das bis heute zum Liedgut deutscher Burschenschaften zählt.
Vorbote der Revolution
Der Frankfurter Wachensturm hat für die deutschen Burschenschafter bis heute eine besondere Bedeutung. An diesem geschichtsträchtigen Ort wurde die erste organisierte handfeste Aktion gegen die Unfreiheit und Zersplitterung des deutschen Vaterlandes durchgeführt. Diese erste organisierte handfeste Aktion kann als Vorbote der Revolution betrachtet werden, die im folgenden Jahr schließlich den Weg zur Verwirklichung der burschenschaftlichen Ideale von Ehre, Freiheit und Vaterland in Deutschland ebnen sollte, wenngleich auch diese Revolution scheitern musste.