Frankreich: Islamisten übernehmen immer mehr Stadtviertel
Derzeit sorgt ein Sammelband des renommierten Pariser Islam-Experten Bernard Rougier für Aufsehen. Er dokumentiert darin, wie Islamisten immer mehr Wohnviertel unter ihre Kontrolle bringen.
Paris. – Wie die FAZ berichtet, führt Rougier, der Orientalistik an der berühmten Sorbonne lehrt, auf über 350 Seiten zahlreiche Belege über die „eroberten Territorien des Islamismus“ ins Feld. Dabei schildert er die Vorgehensweise der religiösen Extremisten minutiös, zeichnet die Entstehung ganzer migrantischer Paralleluniversen auf, in denen die Regeln der Demokratie nicht mehr gelten.
Umfassende Feldforschung von Rougier
Über vier Jahre lang forschte Rougier laut Deutschlandfunk im Feld über die Gegengesellschaften in diversen Stadtvierteln, in denen ein „salafistisches Verständnis von einem Gott, der ungeteilte Aufmerksamkeit und die ganze Hingabe des Gläubigen fordert“. Zur Erforschung schickte er Studenten mit Migrationshintergrund aus dem islamischen Kulturkreis in die zu untersuchenden Viertel und ließ sie am täglichen Leben teilnehmen.
In den genannten Vierteln finden Predigten und Koranstunden mittlerweile teils auf Arabisch statt, es gibt islamische Bibliotheken. In den sozialen Medien ihrer Moscheen legen die Bewohner ihre Ansichten über die französische Gesellschaft offen. Rougiers Fazit: Es habe sich dort ein „umfassendes islamisches Ökosystem“ entwickelt. In diesem gelten autochthone Franzosen prinzipiell als „Eindringlinge“.
Pakt zwischen linken Parteien und Islamisten
Diese Enthüllungen bestätigen, wovor Lehrer aus der Banlieue bereits in den 90ern warnten. Trotzdem galt die Debatte aus Sorge vor Wahlerfolgen rechter Parteien lange als Tabu. Aber die Recherchen legen auch andere brisante Seilschaften offen – denn in diversen französischen Städten bildete sich in den letzten Jahren eine Art Bündnis zwischen Islamisten und weit links stehenden Fraktionen. Die einen erhalten Posten und Mitspracherecht – die anderen bekommen Wählerstimmen.
Als Beispiel nennt er den Fall der Pariser Vorstadt Aubervilliers. Die 80.000-Seelen-Stadt nördlich der Hauptstadt galt bereits in der Vergangenheit als kommunistische Hochburg – ehe sie ihre Vormacht 2008 nach über 60 Jahren einbüßten. Nun sind sie zurück – in Form der Bürgermeisterin Meriem Derkaoui, die algerische Vorfahren hat. Sie kritisierte Rougiers Buch scharf – dessen Einschätzung nach, weil er aufgedeckt habe, dass Kommunisten und Salafisten im Ort gemeinsame Sache machen würden.
Salafismus in Vierteln quasi alternativlos
Diese Pakte seien, so Rougier, ein Tabuthema in Frankreich: „Die französische Gesellschaft ist krank. Sie ist so zerrissen, dass wir uns nicht einmal auf die Diagnose verständigen können.“ Die Übernahme der migrantisch geprägten Viertel wiederum beginne mit der Anweisung, sich von sogenannten Ungläubigen abzugrenzen. Danach beginnt ein Leben der Gebote und Verbote, nach besonders strenger Koranauslegung. In Moscheen warnen Imame sogar vor öffentlichen Kindergärten – die Kleinen könnten ja „verdorben“ werden.
Die Islamisten schaffen sich – auch im Angebot der islamischen Buchhandlungen – ein weites Deutungsmonopol. Es entstehe der Eindruck bei den Betroffenen, dass es „keine Alternative zur salafistischen Vision“ gäbe. Männer und Frauen dürfen sich die Hand nicht geben, Musik ist verboten, Nacktduschen beim Sport und im Gefängnis ebenfalls. Allmählich werden dann alle Teile der Mehrheitsgesellschaft zurückgewiesen. Wie durchdringend der Befund ist, zeigte kürzlich ein Papier des Inlandesgeheimdienstes DGSI auf: demnach soll es bereits 150 solcher von Islamisten geprägten No-Go-Zonen geben.