Freilich #32: Süchtig nach dem Kick

Prognoseprobleme: AfD sogar noch stärker als bisher gedacht?

Aktuelle Umfragen sehen die AfD am Sonntag bei 20 bis 22 Prozent – aber ist sie vielleicht doch stärker als bisher angenommen? Dafür gibt es zumindest Anzeichen.

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Prognoseprobleme: AfD sogar noch stärker als bisher gedacht?

Die AfD könnte bei der Bundestagswahl am Sonntag ein starkes Ergebnis erzielen.

© IMAGO / HMB-Media

Berlin. – Meinungsforscher hatten in der Vergangenheit immer wieder Schwierigkeiten, das Potenzial rechter Bewegungen richtig einzuschätzen. Bei den US-Wahlen im vergangenen Herbst wurde die Mobilisierungskraft von Donald Trump von vielen unterschätzt, was zu einer Fehleinschätzung der Wahldynamik führte. In Deutschland stellt sich nun die Frage, ob sich dieser Fehler bei der AfD wiederholt. Während sie in aktuellen Umfragen zwischen 20 und 22 Prozent liegt, ist unklar, ob ihr tatsächlicher Zuspruch nicht noch höher ist, wie die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet.

Die Rolle der „Bekenntnisbereitschaft“

Ein Problem, das Umfrageinstitute bei der AfD immer wieder beobachten, ist die sogenannte „unzureichende Bekenntnisbereitschaft“. Viele potenzielle Wähler scheuen sich, ihre Wahlabsicht offen zu bekunden. Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen erklärt, dass dies je nach Befragungsmethode unterschiedlich stark ausgeprägt sei. Demnach würden Online-Befragungen häufiger ehrliche Antworten zeigen als telefonische oder persönliche Interviews. Ein weiterer Faktor ist das Misstrauen vieler AfD-Wähler gegenüber Meinungsforschungsinstituten. Einige lehnen die Teilnahme an Umfragen sogar grundsätzlich ab, was die Umfrageergebnisse zusätzlich verzerren kann.

Die AfD-Dunkelziffer

Um dieses Problem auszugleichen, versuchen die Meinungsforscher, eine Dunkelziffer für die AfD einzuplanen. Diese basiert auf vergangenen Wahlen und Erfahrungswerten, muss aber ständig angepasst werden. Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach weist darauf hin, dass sich die Bekenntnisbereitschaft der AfD-Wähler im Laufe der Zeit verändert hat: „In Ostdeutschland ist es kaum noch stigmatisiert, eine Vorliebe für die AfD zu haben.“

Die Forschungsgruppe Wahlen unterscheidet deshalb zwischen zwei Zahlenreihen: der „politischen Stimmung“, die die reinen Umfrageergebnisse widerspiegelt, und der „Projektion“, die durch mathematische Anpassungen eine realistischere Einschätzung liefern soll. In einer Umfrage vom 14. Februar lag die AfD in der politischen Stimmung bei 14 Prozent, in der Projektion aber bei 20 Prozent. Zum Vergleich: Bei den Grünen war der Effekt umgekehrt: 17 Prozent in der politischen Stimmung und 14 Prozent in der Projektion.

Sind die aktuellen Umfragen zuverlässig?

Diese Verzerrungen haben die Demoskopen laut eigener Aussage inzwischen in den Griff bekommen. „Die AfD ist keine junge Partei mehr, es gibt sie seit 12 Jahren“, sagt Köcher. „Vor der Bundestagswahl 2017 haben die meisten Umfrageinstitute sie bei 10 Prozent gesehen, und am Ende kam sie auf 10,3 Prozent. Das ist völlig im Rahmen.“

Matthias Jung bestätigt: „Die AfD ist für uns nicht mehr schwieriger zu handhaben als die anderen Parteien.“ Stattdessen gebe es andere Faktoren, die die Umfragen beeinflussen. So könne die kurze Frist für die Briefwahl dazu führen, dass sich viele Wähler erst sehr spät entscheiden. Auch taktisches Wählen spiele eine Rolle, wenn etwa CDU-Wähler in letzter Minute zur FDP wechseln, um ihr über die Fünf-Prozent-Hürde zu helfen.

AfD-Erfolg möglicherweise unterschätzt

Die Unsicherheiten in den Umfragen deuten darauf hin, dass die AfD bei Wahlen stärker abschneiden könnte als prognostiziert. Die historisch belegte Zurückhaltung vieler Wähler, ihre Präferenzen offen zu äußern, sowie methodische Anpassungen könnten zu einer Unterschätzung der Partei in den aktuellen Umfragen führen. Ob sich dies bei der anstehenden Wahl am Sonntag bestätigt, bleibt abzuwarten.

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