Sonntagsfrage: AfD im Aufwind – Union verliert an Rückhalt
Die AfD erreicht im ARD-DeutschlandTrend mit 24 Prozent einen neuen Höchstwert und rückt damit näher an die Union heran. Ein Vertrauensdefizit für Friedrich Merz könnte den Aufstieg der Partei weiter begünstigen.
Während sich die AfD über steigende Zustimmungswerte freuen kann, sieht es bei den anderen Parteien eher schlecht aus.
© IMAGO / Rainer UnkelBerlin. – In der aktuellen Sonntagsfrage des ARD-DeutschlandTrends erreicht die AfD mit 24 Prozent einen neuen Höchstwert in der laufenden Legislaturperiode. Dies entspricht einem Zuwachs von drei Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Erhebung Anfang März. Sie liegt damit nur noch zwei Prozentpunkte hinter CDU und CSU, die mit 26 Prozent drei Punkte einbüßen.
Vertrauensdefizit bei Merz
Ein möglicher Grund für das gute Abschneiden der AfD: Die Union hat der Umfrage zufolge ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem. 68 Prozent der Befragten glauben nicht an die Begründung von Kanzlerkandidat Friedrich Merz, der einen Kurswechsel in der Schuldenpolitik mit einer „neuen politischen Lage“ rechtfertigte. Besonders ausgeprägt ist die Skepsis bei den Anhängern der AfD: 93 Prozent von ihnen halten die Aussage von Merz für unglaubwürdig.
Sonntagsfrage Bundestagswahl 03. April 2025
in Prozent, nächste Wahl voraussichtlich 2029
Trotz sinkender Umfragewerte wird erwartet, dass Union und SPD ihre Koalitionsgespräche bald abschließen werden. 79 Prozent der Befragten gehen von einer schwarz-roten Bundesregierung aus. Die SPD liegt in der Sonntagsfrage unverändert bei 16 Prozent.
AfD-Anhänger zeigen Zustimmung zu Kompromissen
Trotz ihres Protests gegen die etablierten Parteien bewerten die AfD-Wähler politische Kompromisse mehrheitlich positiv. 82 Prozent aller Befragten stimmen der Aussage zu: „Es ist gut, wenn Politiker und Parteien Kompromisse eingehen, denn Kompromisse gehören zur Koalitionsbildung und zur Demokratie“. Auch unter den Anhängern der AfD ist diese Haltung mehrheitlich vertreten.
Stabile Verhältnisse bei den übrigen Parteien
Die Grünen kommen im DeutschlandTrend auf elf Prozent, ein leichter Rückgang um einen Punkt. Die Linke verbessert sich leicht auf zehn Prozent (plus eins). Die FDP und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) verharren bei jeweils vier Prozent.
Die Befragten äußern sich auch zu möglichen politischen Vorhaben. 69 Prozent befürworten eine Steuer auf große Vermögen – auch eine Mehrheit der Unionswähler. 64 Prozent sprechen sich für Asylverfahren außerhalb der EU aus. 56 Prozent finden niedrigere Unternehmenssteuern richtig, 53 Prozent unterstützen ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen. Bei der Frage nach dem Renteneintrittsalter zeigt sich ein klarer Trend: Nur 12 Prozent befürworten eine Anhebung über 67 Jahre hinaus. 85 Prozent sind dagegen.
Vertrauen in Pistorius – Merz und Esken schwach
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bleibt mit 60 Prozent Zustimmung der beliebteste Politiker. Markus Söder (CSU) und SPD-Spitzenkandidat Lars Klingbeil kommen jeweils auf 35 Prozent. Klingbeil gewinnt sieben Prozentpunkte hinzu. Friedrich Merz verliert dagegen fünf Punkte und erreicht nur noch 25 Prozent Zustimmung. Den niedrigsten Wert im Ranking erreicht SPD-Co-Chefin Saskia Esken – nur 13 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden.
Für den DeutschlandTrend wurden zwischen dem 31. März und dem 2. April 1.334 Wahlberechtigte befragt – 792 telefonisch und 542 online. Die Umfrage von Infratest dimap gilt als repräsentativ für die Wahlbevölkerung in Deutschland.