Schmissige Perspektiven (2): Wehrpflicht wieder einführen? Ja, unbedingt!
Mit der zunehmenden Unübersichtlichkeit der internationalen Sicherheitslage steigt nach Jahrzehnten des Friedens das allgemeine Bedürfnis nach einer schlagkräftigen Bundeswehr. Zwischen vielem Hin und Her zeigt Norbert Weidner, dass auch für die Burschenschaften die Wehrpflicht von zentraler Bedeutung ist.
Soldaten der Panzerbrigade 12 beim Gefechtsschießen im Rahmen der Übung Grand Quadriga 24. in Litauen. (Symbolbild)
© IMAGO / Funke Foto ServicesSeit Beginn der russisch-ukrainischen Auseinandersetzung ist bei unserer politischen Elite die Einsicht gewachsen, dass es vielleicht gar nicht so schlecht wäre, wenn die Bundeswehr doch ein wenig besser ausgerüstet und aufgestellt sein könnte. In diesem Zusammenhang wird zunehmend auch die Frage diskutiert, ob die Einführung eines Wehrdienstes hilfreich wäre. Denn es fehlt der Bundeswehr an Soldaten.
So kann die Bundeswehr beispielsweise noch nicht einmal ihre eigenen Liegenschaften und Kasernen bewachen, das müssen private Sicherheitsdienste übernehmen. Das allein hat den Steuerzahler im Jahr 2024 erhebliche 666 Millionen Euro gekostet. Das Bundesverteidigungsministerium leidet eben unter anhaltendem Personalmangel. Verantwortlich dafür ist die Verkleinerung der Bundeswehr nach der Wiedervereinigung, das Aussetzen der allgemeinen Wehrpflicht im Jahre 2011 und vor allem das regelrechte Kaputtsparen unserer Verteidigung in der Merkel-Ära.
Auch Wehrbeauftragte klagt über Mangel an Soldaten
Kein Wunder also, dass die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl (SPD), Anfang des Monats den deutschen Streitkräften ebenfalls einen erheblichen Personalmangel bescheinigte. Dem selbstgesteckten Ziel der Bundeswehr, die Truppe bis ins Jahr 2031 auf insgesamt 203.000 Soldaten, natürlich männlich, weiblich und divers, wachsen zu lassen, sei man erneut nicht ernsthaft nähergekommen, so Högl. „Ende 2024 habe es 181.174 aktive Soldatinnen und Soldaten gegeben. Das Durchschnittsalter stieg von 32,4 Jahren im Jahr 2019 auf nun 34 Jahre“, habe die Wehrbeauftragte berichtet.
Daher sei auch sie für das Wehrdienst-Modell von Ressortminister Pistorius, kombiniert mit dem verpflichtenden Gesellschaftsjahr. Dieses würde junge Männer und Frauen dazu verpflichten, im Umweltschutz, im sozialen Bereich oder bei der Bundeswehr ein freiwilliges Jahr zu bestreiten. Eine „richtige“ Wehrpflicht sei dies natürlich nicht. Friedrich Merz sprach in Wahlkampfzeiten indes davon, ein Dienstjahr einführen zu wollen, das bei der Bundeswehr, der Feuerwehr oder dem Technischen Hilfswerk abgeleistet werden könne. Nun darf man gespannt sein, was bei den Koalitionsverhandlungen herauskommt.
Die AfD spricht mit unterschiedlicher Zunge
Während Alice Weidel im Wahlkampf sogar eine zweijährige Wehrpflicht forderte, kam Björn Höcke nach einer durchaus abwägenden Analyse kürzlich zu dem Ergebnis, dass im jetzigen gesellschaftlichen Klima eine Wehrpflicht schwer vermittelbar sei. Er schrieb:
„Was müssen wir uns also vorstellen? Die wenigen jungen Deutschen, die es noch gibt, sollen an die Front geschickt werden, während ukrainische, syrische und afghanische 'Flüchtlinge' sich hier mit 'Bürgergeld' ein schönes Leben machen? […] Wofür genau sollen junge Deutsche im Ernstfall ihr Leben geben? Für die vielbeschworenen 'westlichen Werte'? Die sind längst zu einer hohlen Phrase verkommen.“
Wenngleich seine Beschreibungen zutreffen und seine Befürchtungen durchaus berechtigt sind, sollte das kein Grund sein, um gegen die Wehrpflicht zu sein. So gibt es auch andere gewichtige Gründe, um sich für eine Wehrpflicht auszusprechen.
Rückblick: Der Streit über die Aufnahme von Wehrdienstverweigerern
In der Deutschen Burschenschaft (DB), dem tonangebenden burschenschaftlichen Akademikerverband, stritt man bereits in den 1990er-Jahren energisch um die Wehrpflicht. Damals, als die Wehrpflicht noch bestand, wehrte man sich erbittert gegen die Aufnahme von Wehrdienstverweigerern. Zurecht! Die Deutsche Burschenschaft erachtete und erachtet den Wehrdienst als einen Ausdruck von Pflichtbewusstsein und patriotischer Verantwortung. Wer den Dienst an der Waffe ablehnt, lehnt auch die Verteidigung des Vaterlandes ab – und ist damit kein Patriot, so die damalige Argumentation, die auch heute noch zieht.
So ist burschenschaftliches Selbstverständnis seit jeher unverrückbar mit dem Bekenntnis zur Bereitschaft zur Verteidigung des Vaterlandes verbunden. Und eine Wehrhaftigkeit einer Gesellschaft kann eben nur durch eine allgemeine Wehrpflicht hergestellt werden, weshalb sich die DB stets für die Beibehaltung oder Wiedereinführung der Wehrpflicht aussprach – unabhängig von der jeweiligen Regierungsverantwortung.
Die Relevanz der Wehrpflicht für Disziplin und Charakterbildung
Die Wehrpflicht war bis zum Jahre 2011 nicht nur eine Verpflichtung auf Zeit, die – angeblich – zur Landesverteidigung diente, sondern sie hatte auch eine tiefgreifende soziale Funktion: Sie hat Generationen von jungen Menschen geprägt, ihnen Disziplin, Kameradschaft und Verantwortungsbewusstsein vermittelt. Junge Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten kamen zusammen und lernten, miteinander zu arbeiten, sich aufeinander zu verlassen und Verantwortung zu übernehmen – ähnlich den Erfahrungen, die man auch in einer Burschenschaft macht. Dazu gehörte auch der Dienst an der Waffe und die Stärkung des Wehrwillens. Dies schaffte eine Verbundenheit, die weit über die Dienstzeit hinaus nachwirkte und einen unschätzbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt der autochthonen Bevölkerung leistete.
Der Spruch: „Und wo hast Du gedient?“ war beispielsweise ein Türöffner bei so manchem Einstieg ins Arbeitsleben. Die Wehrpflicht hat in der Vergangenheit vielen jungen Menschen geholfen, sich persönlich weiterzuentwickeln. Und Wehrhaftigkeit, Disziplin und Kameradschaftsgeist sind unbestritten konservative Werte, die gleich mit auf den Weg eines Wehrdienstpflichtigen gegeben wurden. Nebenbei bot der Dienst bei der Bundeswehr jungen Menschen die Möglichkeit, eine breite Palette an Fähigkeiten zu erlernen, die ihnen in ihrem späteren Leben ebenso von großem Nutzen sein konnten.
Wehrdienst nicht aus der schwarz-rot-grünen Brille bewerten!
Natürlich ist es kein Zufall, dass gerade jetzt erneut über die Wehrpflicht diskutiert wird. Ja, es ist eine Frechheit, dass gerade Politiker, die jüngst noch gegen Zapfenstreich und ähnliche Anlässe demonstrierten oder die Werbung für die Bundeswehr in Schulen verhinderten, schlagartig Anhänger der Wehrpflicht sind, um vorsorglich Kanonenfutter für ihre ehrgeizigen Kriegspläne zu generieren. Nur ist es ein Unterschied, sich diesen kriegslüsternen, aber unkundigen Politstrategen für ihre Pläne auch tatsächlich zur Verfügung zu stellen oder im Rahmen der Wehrpflicht den Dienst an der Gemeinschaft und an der Waffe zu erlernen. Diese Unterscheidung ist elementar. So sollte zudem nicht vergessen werden, dass auch ohne aktuelle Wehrpflicht im sogenannten Spannungs- oder Verteidigungsfall eingezogen werden kann. Denn strenggenommen ist die Wehrpflicht nicht abgeschafft, sondern nur ausgesetzt.
Fazit: Ein Dienst, der unserem Volke nutzt
Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht würde sich auch auf den künftigen Typus junger deutscher Männer auswirken. Trotz Panzern mit Sitzen für Schwangere, einhorngeschmückten Kettenfahrzeugen, Trans-Offizieren, die vom „Dark Room“ schwärmen, bleibt die Bundeswehr eine militärische Institution, die von Kameradschaftsgeist, Gehorsam und Disziplin lebt. Eine Zeit bei der Bundeswehr kann patriotischen Werten neuen Auftrieb geben und einen positiven Einfluss auf die bisherige woke Persönlichkeitsbildung unserer Generation Z mit ihrem Hang zum Nihilismus und zur Selbstverwirklichung haben. Und nichts anderes wollen wir doch, oder?